{"id":99099,"date":"2026-04-12T22:46:10","date_gmt":"2026-04-12T22:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/99099\/"},"modified":"2026-04-12T22:46:10","modified_gmt":"2026-04-12T22:46:10","slug":"ungarn-wurde-von-orban-system-erloest-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/99099\/","title":{"rendered":"\u201eUngarn wurde von Orb\u00e1n-System erl\u00f6st\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Nach 23:00 Uhr waren fast 100 Prozent Prozent der Stimmen ausgez\u00e4hlt. Tisza lag bei 53,7 Prozent und 138 Mandaten im 199-k\u00f6pfigen Parlament, was einer deutlichen Zweidrittelmehrheit entspricht, Orb\u00e1ns Fidesz lediglich bei 37,7 Prozent und 54 Parlamentssitzen. Als dritte Partei kam noch die rechtsradikale Partei \u201eUnsere Heimat\u201c mit 5,9 Prozent und sieben Mandaten ins Parlament. Alle anderen Parteien, darunter die linksliberale \u201eDemokratische Koalition\u201c, die einst vom heutigen Polit-Rentner Ex-Premier Ferenc Gyurcs\u00e1ny (2004-2009) gegr\u00fcndet worden war, scheiterten an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde. Damit werden nur rechte Parteien im Parlament sitzen, die gem\u00e4\u00dfigt rechte Tisza, die nationalpopulistische Fidesz und die rechtsradikale \u201eUnsere Heimat\u201c.<\/p>\n<p>Wahlgewinner P\u00e9ter Magyar sprach in seiner Siegerrede davon, dass ein langer \u201eAlbtraum\u201c endlich zu Ende sei. Ungarn sei von dem Orb\u00e1n-System erl\u00f6st worden. Magyar betonte, dass in der demokratischen Geschichte Ungarns noch nie so viele Menschen an einer Wahl teilgenommen h\u00e4tten. Und noch nie habe eine Regierung bei einer Wahl eine derart massive Legitimation erhalten. Er dankte seinen W\u00e4hlern und betonte, dass sie \u201eein Wunder\u201c vollbracht h\u00e4tten, habe doch die Staatspartei (Fidesz) auf niedertr\u00e4chtige Weise alles unternommen, die Tisza-Partei zu diskreditieren. Wie Magyar sagte, haben \u201edie Wahrheit und Liebe \u00fcber die L\u00fcge gewonnen\u201c. Und er versprach den Ungarn, ein \u201efunktionierendes und menschliches Land\u201c zu schaffen.\u00a0<\/p>\n<p>Magyar versprach, dass eine Tisza-Regierung alle Ungarn vertreten werde \u2013 auch alle Fidesz-W\u00e4hler. Er wolle die Wunden der vergangenen Jahrzehnte heilen und die Tr\u00fcmmer beiseite r\u00e4umen, sagte Magyar. Und er k\u00fcndigte an, \u201eUngarn zur\u00fcck nach Europa\u201c zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Zudem forderte er Staatspr\u00e4sident Tam\u00e1s Sulyok und alle anderen \u201eMarionetten des Orb\u00e1n-Regimes\u201c auf, darunter die Spitzen des Obersten Gerichtshofs, des Verfassungsgerichtshofs, der Generalstaatsanwaltschaft, des Rechnungshofs und der Medienbeh\u00f6rde, freiwillig abzutreten. Er versprach auch die Gewaltenteilung im Land wiederherzustellen, der Europ\u00e4ischen Staatsanwaltschaft beizutreten und die demokratischen Institutionen des Landes zu rehabilitieren. \u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1776033969_974_HUNGARY-ELECTION.webp\" alt=\"P\u00e9ter Magyar mit einer ungarischen Flagge inmitten von jubelnden Anh\u00e4ngern.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>P\u00e9ter Magyar mit einer ungarischen Flagge inmitten von jubelnden Anh\u00e4ngern.\u2003Reuters \/ Leonhard Foeger<\/p>\n<p>Der Triumph seiner Tisza-Partei ist insofern beeindruckend, als im Vorfeld der Wahl ein Doku-Video erschien, in dem aus sicheren Quellen von systematischem Stimmenkauf durch die Regierungspartei Fidesz berichtet wird. Vor allem in besonders armen und r\u00fcckst\u00e4ndigen Regionen Ungarns grassiere diese Methode des Wahlbetrugs. Der Tenor der Berichte: Die \u00c4rmsten der Armen w\u00fcrden unter Drohungen, Erpressungen und Ausnutzung ihrer Bed\u00fcrftigkeit dazu gen\u00f6tigt, Fidesz ihre Stimme zu geben.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Stimme erhielten die \u201ebestochenen\u201c W\u00e4hler Gutscheine, Lebensmittelpakete, Geldsummen von 2000 (rund f\u00fcnf Euro) bis 10.000 Forint (etwa 27 Euro), einen Sack Kartoffeln, bisweilen sogar H\u00fchner. Die Kosten des Stimmenkaufs beliefen sich auf mehrere Milliarden Forint. Auf diese Weise k\u00f6nne der Fidesz nicht weniger als sechs bis sieben Prozentpunkte bei der Wahl erlangen, hei\u00dft es in der Doku. P\u00e9ter Magyar machte am Wahlabend diesbez\u00fcglich darauf aufmerksam, dass f\u00fcr die Tisza-Partei Zehntausende \u201eSp\u00e4her\u201c in allen ungarischen St\u00e4dten und Gemeinden aktiv gewesen seien, um jedweden Wahlbetrug einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Orb\u00e1n und Fidesz das Wahlsystem so ausgestaltet haben, dass die Konstellation der 106 Wahlkreise in Ungarn eindeutig Fidesz zugute kommt. Laut Experten verleiht das der Regierungspartei einen Vorteil von zwei bis drei Prozentpunkten. Die Politologin Andrea Szab\u00f3 spricht gar von einer \u201eWahlautokratie\u201c in Ungarn. Sie weist darauf hin, dass unter der Regierung Orb\u00e1n ein System errichtet worden sei, in dem der staatliche Apparat bei Wahlen von der Regierungspartei f\u00fcr ihre eigenen Ziele instrumentalisiert werde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/HUNGARY-POLITICS-VOTE.webp\" alt=\"Viktor Orb\u00e1n gesteht seine Niederlage ein.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Viktor Orb\u00e1n gesteht seine Niederlage ein.\u2003APA \/ AFP \/ Attila Kisbenedek<\/p>\n<p>Der Verfassungsrechtler G\u00e1bor M\u00e9sz\u00e1ros macht darauf aufmerksam, dass das \u201ealte\u201c Parlament bis zur konstituierenden Sitzung der neuen Legislative \u201evolle Befugnisse\u201c habe. Staatsoberhaupt Tam\u00e1s Sulyok m\u00fcsse die konstituierende Sitzung innerhalb von drei\u00dfig Tagen nach der Wahl einberufen. In dieser \u00dcbergangsphase k\u00f6nne die Noch-Zweidrittelmehrheit der Fidesz-Partei \u201esogar die Verfassung \u00e4ndern\u201c. Laut M\u00e9sz\u00e1ros ist dieses Szenario \u201ekeineswegs undenkbar\u201c, sei doch Orb\u00e1n bislang vor nichts zur\u00fcckgeschreckt, wenn es darum ging, seine Macht zu zementieren.<\/p>\n<p>Laut Analysten k\u00f6nnte Orb\u00e1n das Wahlergebnis zwar anerkennen, sich aber in der \u00dcbergangsphase zwischen der Wahl und der Macht\u00fcbernahme der neuen Regierung zum Staatspr\u00e4sidenten machen \u2013 und sich selbst mit einer Dekret-Befugnis ausstatten. In diesem Fall k\u00e4me es zu einem Szenario wie in Polen, wo Pr\u00e4sident Karol Nawrocki, der Orb\u00e1n und seiner Politik nahesteht, der Regierung von Donald Tusk mit seiner Veto-Politik das Regieren schwermacht.<\/p>\n<p>Wahlsieger Magyar rief jedenfalls in seiner Rede am sp\u00e4ten Sonntagabend Noch-Premier Orb\u00e1n dazu auf, als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Regierungschef keine Entscheidungen zu treffen, die der Tisza-Regierung zum Nachteil gereichen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach 23:00 Uhr waren fast 100 Prozent Prozent der Stimmen ausgez\u00e4hlt. 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