Szene aus dem Film "Souleymanes Geschichte": Ein Mann mit blauer Mütze und dunkler Jacke steht auf einer nassen Straße in der Stadt

AUDIO: Filmtipp: «Souleymanes Geschichte» (4 Min)

Stand: 18.02.2026 09:46 Uhr

Der preisgekrönte Spielfilm «Souleymanes Geschichte» von Boris Lojkine zeigt mit dokumentarischer Intensität 48 Stunden im Leben eines illegal arbeitenden Migranten in Paris.

von Andrea Burtz, WDR

Es ist ein atemloses Rennen gegen die Zeit. Fahrradkurier Souleymane rast durch den Feierabendverkehr von Paris, um Kunden ihr Essen auszuliefern. Nachdem er eine Bestellung ausgeliefert hat, wartet schon die nächste auf seiner App. Selbst die letzte Strecke des Tages, den Weg zum Bus ins Obdachlosenheim am Rande der Stadt, bringt Souleymane unter Druck hinter sich. Denn wenn er diesen Bus verpasst, muss er draußen übernachten.

Der Klang der Großstadt

Mit dokumentarischer Genauigkeit inszeniert Regisseur Boris Lojkine 48 Stunden im Leben eines illegal arbeitenden Fahrradkuriers, der seiner Asylanhörung entgegenfiebert. Um ein Höchstmaß an Authentizität zu schaffen, hat er den Dreh ins reale Leben von Paris eingebunden: Weder Autos noch Passanten wurden blockiert. Das Filmteam begleitete Souleymane auf Lastenfahrrädern durch die Stadt, erzählt Boris Lojkine: «Es war eine logistische Herausforderung. Wir waren alle auf dem Fahrrad, wir hatten keine andere Wahl, schließlich sollte es ein sehr intensives Kinoerlebnis werden. Dazu ist es wichtig, dass die Zuschauer immer ganz nah an Souleymane bleiben und Angst um ihn haben, wenn er auf dem Fahrrad fährt. Sie müssen fühlen, was er in Paris fühlt.» Hupen, Sirenen, aufheulende Motoren – die Hektik überträgt sich aufs Publikum. Boris Lojkine hat die Klangpartitur der Stadt eingefangen und auf künstlichen Musikeinsatz verzichtet.

Cover, Tomer Gardi, "Liefern"

Tomer Gardi hat einen fiebrigen Gegenwartsroman geschrieben. Darin widmet er sich einer oft übersehenen Berufsgruppe.

Hauptdarsteller Sangaré bringt eigene Biografie ein

Die Vielsprachigkeit des Films, der ausschließlich im französischen Original mit Untertiteln zu sehen ist, unterstreicht seinen dokumentarischen Charakter. Die ständige Anspannung ist Souleymane anzusehen, wenn ihn Kunden gedankenlos aufhalten, sich beschweren oder ihre Wut in schlechten Bewertungen auslassen.

Abou Sangaré aus Guinea gibt dem Fahrradkurier ein Gesicht. Er ist Laiendarsteller – wie fast alle Protagonisten des Films. «Souleymanes Geschichte» ähnelt der von Abou Sangaré. Er ist 2016 aus Guinea geflohen und lebte sieben Jahre ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich. Diese Erfahrungen hat er ins Drehbuch eingebracht – ein Wunsch von Boris Lojkine: «Mir ist es wichtig, dass die Menschen, die im Film für etwas stehen, eng mit dem verbunden sind, was sie darstellen. Wir zeigen das Leben eines Einwanderers ohne Papiere in Frankreich. Mir scheint es unerlässlich, dass er auch von einem Einwanderer ohne Papiere gespielt wird, es sollte jemand sein, der eine persönliche Verbindung zum Thema hat. Ich glaube, dass man das im Film spürt.»

«Das Kino hat mir ein neues Leben geschenkt»

«Souleymanes Geschichte» katapultiert den Zuschauer in den täglichen Überlebenskampf von Migrantinnen und Migranten und gibt einen nüchternen Einblick in eine Schattengesellschaft. Dabei folgt die Dramaturgie des Drehbuchs weniger der eines Sozialdramas, denn der eines temporeichen Thrillers, der immer nah an seinem überzeugenden Hauptdarsteller bleibt.

Für seinen Darsteller Abou Sangaré hatte das Filmprojekt mehr als einen guten Ausgang: Der gelernte Automechaniker wurde bei den Filmfestspielen in Cannes und mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet. «Aber das schönste Geschenk, das mir ‚Die Geschichte von Souleymane‘ gemacht hat, ist die Aufenthaltsgenehmigung. Das Kino hat mir ein neues Leben geschenkt», sagt Sangaré voller Dankbarkeit.

Szene aus dem Film "Souleymanes Geschichte": Ein Mann mit blauer Mütze und dunkler Jacke steht auf einer nassen Straße in der Stadt

Souleymanes Geschichte

Genre:
Drama

Produktionsjahr:
2025

Produktionsland:
Frankreich

Zusatzinfo:
mit Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse und anderen

Regie:
Boris Lojkine

Länge:
94 Minuten

Altersempfehlung:
ab 12 Jahren

Kinostart:
19. Februar 2026