Kultur-Upgrade für 80 Millionen | 28. April 2026

Mit Blick auf die «Oscars» für europäische Museen (den European Museum of the Year Awards 2027 in Bern) soll das gesamte Museumsquartier neu gestaltet werden. Vor allem das Alpine, das Naturhistorische und das Museum für Kommunikation erhalten ein Upgrade. Ende Jahr entscheidet sich, welches der fünf internationalen Planungsteams seine Ideen in die Tat umsetzen kann – mit bis zu 80 Millionen Franken Budget der Burgergemeinde Bern.

Das Museumsquartier Bern will sich nachhaltig verändern: Eine Jury unter der Leitung des Präsidenten Bernhard Pulver hat aus 40 Bewerbungen aus der ganzen Welt fünf Teams mit der Neugestaltung des Areals beauftragt – Ende Jahr gewinnt der beste Vorschlag und wird mit bis zu 80 Millionen Franken Budget der Burgergemeinde Bern umgesetzt. Dafür werden sich voraussichtlich weder die Stadt noch der Kanton beteiligen.

Wer gehört zum Museumsquartier Bern?

Im Berner Kirchenfeldquartier haben sich vor fünf Jahren elf Museen zu einem Verein zusammengeschlossen, um gemeinsame Projekte zu realisieren:

Das Alpine Museum der Schweiz
Das Bernische Historische Museum
Das Gymnasium Kirchenfeld
Die Kunsthalle Bern
Das Museum für Kommunikation Bern
Das Naturhistorische Museum Bern
Die Pädagogische Hochschule Bern
Die Schweizerische Nationalbibliothek
Das Schweizerische Schützenmuseum
Das Stadtarchiv Bern
Das Yehudi Menuhin Forum Bern

Zum Vorstand gehören unter anderem der Politiker und ehemalige Präsident der Insel Gruppe Bernhard Pulver und der Leiter des Alpinen Museums Beat Hächler.

«Platzt aus allen Nähten»

Was von den Plänen bereits bekannt ist: Das Alpine, das Naturhistorische und das Museum für Kommunikation sollen baulich erweitert werden – letzteres platzt laut Pulver aus allen Nähten. Ausserdem soll der Museumsgarten zum Herzstück des Kirchenfeldquartiers mutieren: Bisher verbindet er bereits das Historische mit dem Museum für Kommunikation, doch auch das Naturhistorische Museum will sich diesseitig öffnen, um an gemeinsamen Veranstaltungen teilnehmen zu können.

Der sogenannte Museumsgarten im Berner Kirchenfeldquartier soll künftig noch mehr genutzt werden – wie beispielsweise hier an einem «Day Rave».

Der sogenannte Museumsgarten im Berner Kirchenfeldquartier soll künftig noch mehr genutzt werden – wie beispielsweise hier an einem «Day Rave».Foto: Museumsquartier Bern

«Dieser städtebauliche Studienauftrag stellt eine sehr komplexe Aufgabe dar», so Bernhard Pulver. Obwohl die Museen im Quartier ganz unterschiedliche Themen und Trägerschaften haben, soll ein stimmiges Ganzes entstehen – ohne jedoch das Programm zu sehr zu vereinheitlichen, erklärt der Präsident des Museumsquartiers gegenüber der Plattform J. Wann genau es an die Umsetzung geht, könne er zum heutigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen.

Bernhard Pulver freut sich als Präsident des Berner Museumsquartiers auf die bevorstehenden Veränderungen.

Bernhard Pulver freut sich als Präsident des Berner Museumsquartiers auf die bevorstehenden Veränderungen.Fotos: Alexandra Inniger

Ein weiterer Höhepunkt im nächsten Jahr ist die unter Kunstbegeisterten sogenannte «Oscar-Verleihung» in der Museumswelt: Der «European Museum of the Year Award» wird im Mai 2027 in Bern vergeben – eine grosse Ehre für das Museumsquartier, meint Vorstandsvorsitzender und Leiter des Alpinen Museums Beat Hächler.

Zunehmender politischer Druck auf Museen

Der EMYA ist laut Hächler aber mehr als nur eine glamuröse Auszeichnung: «Er setzt sich für Menschenrechte und Demokratie ein und damit für Museen, die diese Standards einhalten können.» Die Schweiz besitze ein hohes Gut: die Freiheit, in Museen die Realität so darzustellen, wie sie ist – Bei der momentanen politischen Weltlage sei das alles andere als selbstverständlich.

Beat Hächler ist Vorstandsvorsitzender des Museumsquartiers und Leiter des Alpinen Museums im Kirchenfeld.

Beat Hächler ist Vorstandsvorsitzender des Museumsquartiers und Leiter des Alpinen Museums im Kirchenfeld.

Beat Hächler ist besorgt, dass nicht mehr nur in ehemals totalitären Staaten wie der Sowjetunion oder Nordkorea, sondern nun auch in den USA, in Ungarn oder der Slowakei offensichtlich Druck auf Museen ausgeübt werde, Geschichten im Sinne der Regierungen umzuschreiben.

Trotz dieser düsteren Aussichten freut sich auch Hächler auf die Entwicklungen, die unter anderem in und um sein Museum stattfinden werden: «Ich habe natürlich selbst Fantasien im Kopf und bin gespannt, was die Fachleute jetzt daraus machen.»

Blick von oben auf das Berner Kirchenfeldquartier, in dem in den nächsten Jahren grosszügig gebaut werden soll.

Blick von oben auf das Berner Kirchenfeldquartier, in dem in den nächsten Jahren grosszügig gebaut werden soll.Foto: Keystone