Burgergemeinde Bern verkauft DC Bank | 29. April 2026
Fast 200 Jahre lang war die DC Bank im Besitz der Burgergemeinde Bern. Nun wird das traditionsreiche Finanzinstitut für 115 Millionen Franken verkauft. Die Visana Beteiligungen AG gründet eigens für die Übernahme eine Stiftung. Für Kunden und Mitarbeitende soll sich durch den Besitzerwechsel nichts ändern.

Die «Deposito Cassa» wurde 1825 von der Stadt Bern gegründet. Seit 1852 ist die DC Bank in Besitz der Burgergemeinde.Fotos: zvg
Die Burgergemeinde Bern plant den Verkauf ihrer DC Bank. Nach über zwei Jahrhunderten wird damit eine immer seltener gewordene Konstellation im Schweizer Bankenwesen enden. Übernehmen soll eine neu gegründete unabhängige Stiftung. Dies teilt die Versicherungsgesellschaft Visana am Donnerstag mit. Auch die Burgergemeinde Bern vermeldet den geplanten Verkauf.
Die DC Bank, immerhin die älteste Notenbank der Schweiz, soll in Bern und ihre 200-jährige Erfolgsgeschichte als eigenständiges Institut fortsetzen. «Geplant ist ein Schritt, der neue Perspektiven eröffnet und die gewachsene Verankerung in der Region bewahren soll» schreibt die Visana weiter.
Solide Basis, strategischer Zeitpunkt
Per Ende 2025 liegen die Kundenausleihungen der DC Bank bei 1,03 Milliarden Franken, Kundengelder und verwahrte Depotvermögen bei 1,13 Milliarden Franken. Beides sind Höchstwerte in der Unternehmensgeschichte. Der Jahresgewinn beträgt 3,05 Millionen Franken. «Die DC Bank verfügt über eine Kundschaft aus der Stadt und Region Bern mit überdurchschnittlicher Bonität, eine solide Grundlage für die Zukunft.»

Bereits im Gründungsjahr gab die DC Bank «banknotenähliche Papiere» heraus – sie gilt damit als erste Notenbank der Schweiz.
Zudem sei in den vergangenen Jahren erfolgreich ein neues Kernbankensystem eingeführt worden, das die technologische Basis für die nächste Wachstumsphase legt. Der Zeitpunkt ist laut der Mitteilung bewusst gewählt. «Die Bank steht sehr gut da, die Technologie ist erneuert und das Geschäftsmodell mit der starken Nähe zur Stadt Bern funktioniert. Bessere Voraussetzungen für einen geordneten Übergang gibt es kaum.»
Strategische Neuausrichtung
Nach einer umfassenden Überprüfung ihrer Eigentümerstrategie hat die Burgergemeinde Bern entschieden, sich aus dem Bankgeschäft zurückzuziehen. Der Betrieb einer Bank gehöre heute nicht mehr zu den Kernaufgaben einer Gemeinde, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Dass eine Schweizer Gemeinde überhaupt noch eine eigene Bank führt, sei heute eine seltene Ausnahme. Die DC Bank ist das letzte Institut dieser Art in der Schweiz.

Ihren ersten Standort hatte die Bank an der Neuengasse, heute befindet sich der Geschäftssitz an der Schauplatzgasse.
Der Verkaufspreis von rund 115 Millionen Franken entspricht in etwa dem Buchwert der Bank. Die freiwerdenden Mittel fliessen künftig in gemeinwohlorientierte Aufgaben und die Burgergemeinde kann ihre Ressourcen gezielter auf ihre Kernaufgaben ausrichten.
Stiftung statt Konzern
Was diese Transaktion von einem klassischen Bankverkauf unterscheidet: Die DC Bank soll als eigenständiges Institut weitergeführt werden. Getragen soll sie von der BK Stiftung werden, die eigens für diesen Zweck von der Visana Beteiligungen AG gegründet wurde. Der Stiftungszweck ist klar definiert: Finanzdienstleistungen mit Fokus auf den Raum Bern anzubieten und damit einen Beitrag zur regionalen wirtschaftlichen Entwicklung zu leisten und die Finanz-Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden nachhaltig zu erfüllen.

200 Jahre nach der Gründung ist die DC Bank alles andere als verstaubt.
Die Visana betont: Für die rund 10’000 Kundinnen und Kunden sowie die Mitarbeitenden soll sich nichts ändern. «Name, Standort, operative und strategische Führung und das Geschäftsmodell bleiben unverändert.» Der Fokus auf das Privatkundengeschäft, insbesondere im Anlage- und Hypothekargeschäft, bleibt bestehen. Bestehende Konten, Verträge und Anlagestrategien werden nahtlos weitergeführt. Und: Es findet kein Stellenabbau statt.
Berner Lösung, Berner Partnerschaft
Das Kapital für die Stiftung stellt die Beteiligungsgesellschaft der Visana Versicherungsgruppe (Visana Beteiligungen AG) bereit. Sie fungiert damit als Wegbereiterin einer nachhaltigen Berner Lösung für ein über 200-jähriges Traditionshaus und engagiert sich gezielt für den Finanzplatz und Wirtschaftsstandort Bern. Das Modell ist bewusst so ausgestaltet, dass die Unabhängigkeit der Bank vollständig gewahrt bleibt und gleichzeitig Stabilität sowie das Wachstums- und Innovationspotenzial der DC Bank gesichert werden.

Die DC Bank wird nach dem Verkauf als eigenständiges Institut weitergeführt.
Bankdienstleistungen gehören nicht zum Kerngeschäft einer Versicherung, führt Visana-Sprecher Josko Pekas aus; deshalb werde die DC Bank bewusst als vollständig eigenständige Institution in einer von Visana unabhängigen Stiftung weitergeführt. Langfristig füge sich dieses Engagement allerdings in die Allbranchenstrategie der Visana-Gruppe ein, die ihr Angebot schrittweise in Richtung umfassender Vorsorge- und Finanzdienstleistungen ausbaue.
Eine Konstellation, die es kaum noch gibt
Die DC Bank ist eine der wenig übrig gebliebenen Banken in der Schweiz mit kommunalen Wurzeln. Seit der Güterausscheidung im Jahr 1852 war sie ununterbrochen Teil der Burgergemeinde, eine Verbindung, die im heutigen Bankensektor kaum mehr existiert. Beide Organisationen sind tief in der Region Bern verwurzelt und teilen gemeinsame Werte. Mit der neuen Struktur wird diese Geschichte in eine neue Form überführt. Die Bank bleibt in der Region verankert und erhält zugleich mehr unternehmerischen Spielraum als bisher.
Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Noch ausstehend sind die Zustimmung der Finanzmarktaufsicht sowie die Beschlüsse der politischen Gremien der Burgergemeinde. Die Urnenabstimmung des burgerlichen Stimmvolks findet am 1. Juli statt.