Parlaments-Vorstoss | 29. April 2026
Die Spermienqualität junger Männer soll systematisch erhoben werden – und zwar auf nationaler Ebene. Dieser Meinung ist der Berner Regierungsrat nach einem Vorstoss aus dem Parlament.

Die Samenqualität ist in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft schlechter.Fotos: Keystone
Eine Studie zu der Spermienqualität hatte 2025 den Kanton Bern aufgeschreckt. Rekruten aus dem Aaretal zwischen Bern und Thun schnitten hinsichtlich mehrerer Qualitätsparameter schlechter ab als solche aus anderen Regionen. Am oberen Ende der Skala steht die Umgebung von Aarau, wo die Samenqualität laut Studie am besten sei. 2700 Rekruten gaben Auskunft. Es zeigte sich: Vor allem junge Männer in Gegenden mit hohem Einsatz von Spritzmitteln in der Landwirtschaft schnitten schlecht ab.

Grossrat Romeo Arnold (GLP) aus Oberhofen fand mit seinem Vorstoss bei der Berner Regierung offene Ohren.Foto: zvg
Nun reagiert die Politik im Kanton Bern. Grossrat Romeo Arnold (GLP) aus Oberhofen und Mitunterzeichnende von Grünen, SVP, SP, EVP, EDU und GLP wünschen sich einen Bericht über die Spermienqualität junger Männer im Kanton Bern. Dabei sollen auch regionale Unterschiede aufgezeigt werden. Im Vorstoss wird auf Studien verwiesen, wonach die Qualität der Spermien in Nordamerika, Europa und Australien drastisch abnimmt.
Der Regierungsrat hält einen Bericht für sinnvoll, wie er in seiner am Dienstag veröffentlichten Antwort schreibt. Belastbare Ergebnisse erforderten aber grosse Datenmengen. Eine umfassende Erhebung sei daher nur schweizweit sinnvoll und müsse koordiniert erfolgen.

Die Spermienqualität junger Männer im Aaretal ist deutlich schlechter. Das zeigte eine Studie der Universität Genf von 2025.
In seiner Antwort verweist die Regierung auch auf eine Studie der Universität Genf von 2025. Dabei wurden Spermienproben von jungen Schweizern ausgewertet, die im Rahmen der Rekrutierung für den Militärdienst untersucht wurden.
Dabei zeigten sich regionale Unterschiede. So gilt der Raum zwischen Bern und Thun als Gebiet mit besonders tiefer Spermienqualität. Die Region ist stark landwirtschaftlich geprägt.
Als mögliche Ursachen nennt der Regierungsrat Umwelt- und Lebensstil-Faktoren. Dazu zählen etwa Pestizide, industrielle Schadstoffe und PFAS-Chemikalien sowie Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Hitze.
Der Regierungsrat will das Thema zugleich in kantonalen Strukturen weiterverfolgen. Die bestehende One-Health-Plattform soll sich damit befassen und den Austausch mit Bundesstellen koordinieren.