BEA – Folge 4 | 29. April 2026

Rund 40 Fachpersonen, Interessierte und Praktiker trafen sich am Dienstag im CityLab Bern an der BEA 2026, um eine wichtige Fragen urbaner Entwicklung zu diskutieren: Wie lässt sich die stetig wachsende Warenlogistik in Städten effizienter, klimafreundlicher und lebenswerter gestalten? Im Zentrum stand das Projekt ThunLogIQ – ein schweizweit einzigartiger Ansatz, der mit digitalen Simulationen und datenbasierten Analysen neue Wege für die Stadtlogistik aufzeigt.

Am CityLab Bern an der BEA 2026 erklärt die Thuner Gemeinderätin Andrea de Meuron, wie das Projekt «ThunLogIQ» funktioniert und was sich die Stadt davon erhofft. Die Fragen stellt Arin Dilmec, er ist Lernender Entwickler Digitales Business bei der Stadt Bern.

Am CityLab Bern an der BEA 2026 erklärt die Thuner Gemeinderätin Andrea de Meuron, wie das Projekt «ThunLogIQ» funktioniert und was sich die Stadt davon erhofft. Die Fragen stellt Arin Dilmec, er ist Lernender Entwickler Digitales Business bei der Stadt Bern.Fotos: zvg

Die Ausgangslage ist klar: Der Lieferverkehr nimmt zu, der Raum in den Städten bleibt begrenzt, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Klimaschutz und Aufenthaltsqualität. Genau in diesem Spannungsfeld setzt ThunLogIQ an.

Durch den Anlass führte Fabian Scherer, Präsident des Smart City Vereins Bern. Er ordnete das Thema zu Beginn ein und stellte die zentrale Frage in den Raum: Wie lassen sich konkrete Lösungen entwickeln, die im Zusammenspiel von Technologie, Praxis und Politik funktionieren?

Wie vielschichtig diese Herausforderung ist, zeigte sich auch in der Zusammensetzung des Panels: Mit Mark van Wijk(Smart Regio Thunersee) und Erik Nygren (Flock Labs AG) kamen Projekt- und Technologieperspektiven zusammen, während Fabrice Marggi (Universität Bern) die datenbasierte Forschung einbrachte. Die Sicht aus der Praxis vertrat Urs Gafner (Gafner AG), ergänzt durch die politische Einordnung von Gemeinderätin Andrea de Meuron (Stadt Thun).

Gemeinsam machten sie deutlich: Stadtlogistik ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein komplexes System, in dem unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen – von Logistikunternehmen über Stadtplanung bis hin zur Politik. Ziel des Anlasses war es, diese Perspektiven zusammenzubringen und konkret zu diskutieren, «was funktioniert – und was nicht».

Wenn Daten sichtbar machen, was vorher verborgen war

Ein zentrales Element des Projekts ist der sogenannte «digitale Zwilling» der Stadt Thun. Mithilfe dieser Simulation können Verkehrsflüsse analysiert, Szenarien durchgespielt und Auswirkungen von Massnahmen sichtbar gemacht werden – lange bevor sie in der Realität umgesetzt werden.

Andrea de Meuron (links) im Austausch mit den Besuchenden am CityLab in Bern.

Andrea de Meuron (links) im Austausch mit den Besuchenden am CityLab in Bern.

Gerade im Austausch zwischen den technologischen und wissenschaftlichen Perspektiven wurde deutlich, welches Potenzial in der Verknüpfung von Simulation und realen Daten liegt. Muster im Lieferverkehr werden sichtbar, Ineffizienzen greifbar – und Entscheidungsgrundlagen deutlich robuster. Gleichzeitig blieb die Frage offen, wie gut Modelle die Realität tatsächlich abbilden können.

Praxis trifft auf politische Realität

Wie komplex die Umsetzung ist, zeigte die Perspektive aus der Logistikpraxis: Zeitfenster, Zufahrtsregeln und steigende Liefermengen setzen die Branche unter Druck. Lösungen wie gebündelte Lieferungen oder Mikro-Hubs werden zwar breit diskutiert – ihre Praxistauglichkeit muss sich jedoch erst beweisen.

Auf politischer Ebene geht es derweil um Grundsatzfragen: Wer erhält künftig wie viel Platz im öffentlichen Raum? Welche Rolle übernimmt die Stadt – als Regulatorin, Ermöglicherin oder beides? Hier setzte auch die Einschätzung von Gemeinderätin Andrea de Meuron an. Im Rahmen eines Podcasts am Anlass betonte sie die Bedeutung solcher Pilotprojekte.

Das Gespräch wurde dabei von Arin Dilmec, Lernender Entwickler Digitales Business bei der Stadt Bern, geführt – ein Perspektivenwechsel, der dem Austausch zusätzliche Frische verlieh:

Beim anschliessenden Apéro verlagerte sich die Diskussion vom Podium in den persönlichen Austausch. Zwischen Stehtischen und Messebetrieb wurden Positionen vertieft, Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Gerade hier zeigte sich, wie gross das Interesse an konkreten Lösungen ist – und wie wichtig der direkte Dialog zwischen Praxis, Forschung und Politik bleibt.

Testen, lernen, umsetzen

Der Anlass im CityLab Bern machte deutlich: Die Zukunft der Stadtlogistik entsteht nicht durch eine einzelne Massnahme, sondern im Zusammenspiel von Technologie, Praxis und Politik.

Das CityLab an der BEA lockt viele Interessenten an.

Das CityLab an der BEA lockt viele Interessenten an.

Pilotprojekte wie ThunLogIQ übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. Sie schaffen einen Raum, um neue Ansätze zu testen, aus Erfahrungen zu lernen und erfolgreiche Modelle zu skalieren. Genau darin liegt auch die Idee des CityLab Bern – als Experimentierfeld für die Stadt von morgen.

Am Ende blieb eine zentrale Erkenntnis: Die Herausforderungen sind komplex – aber die Werkzeuge, sie zu bewältigen, werden immer präziser.