Dort, wo sonst geschäftige Betriebsamkeit herrscht, ist eine eigentümliche Ruhe eingekehrt: Am EuroAirport konnte nach zweiwöchiger Bauzeit bereits ein großer Teil der Arbeiten abgeschlossen werden. Das schöne Wetter spielt dem Sanierungsprojekt in die Karten, so dass die großen Betonmaschinen aus Belgien bereits am Dienstag wieder abrücken konnten. Die etwa 100 Bauarbeiter, die nun noch auf der Start- und Landebahn tätig sind, verlieren sich fast auf dem riesigen Gelände.
Es ist ein günstiger Zeitpunkt, um Journalisten aus dem gesamten Dreiländereck – und darüber hinaus – zu einer Führung einzuladen. Mit einem der gut gefüllten Busse, die ansonsten die Passagiere zu den Gangways bringt, werden die Pressevertreter über das mit Stacheldraht umzäunte Gelände gefahren. Die Tour ist zweisprachig: Baustellenleiter Marc Morlet und Pressesprecherin Manuela Witzig wenden sich im Wechsel auf Französisch und Deutsch an die Besucher. Geboten werden Einblicke, die keinesfalls alltäglich sind.
Fast vier Kilometer lang
Der erste Stopp führt just an jenen Ort, an dem wohl viele Bewohner der Region schon einmal abgehoben oder gelandet sind. Die Gruppe befindet sich auf dem zentralen Abschnitt der fast vier Kilometer langen Hauptpiste – eine der längsten in Europa – und betritt den neuen Belag. 15.000 Kubikmeter Beton wurden im Mittelteil der Piste auf einer Länge von 1500 Metern verfüllt. Die Schicht reicht 38 Zentimeter in die Tiefe und soll sicherstellen, dass die für den Flughafen so essenzielle Start- und Landebahn mindestens für die kommenden drei Jahrzehnte hält – keine leichte Aufgabe, bei den enormen Kräften, denen sie im Normalbetrieb Tag für Tag ausgesetzt ist.
Flüge annulliert
200 Starts und Landungen zählt der EuroAirport an normalen Betriebstagen, mit dem Frachtverkehr sogar 250. Derzeit schafft er es gerade mal auf 28 Passagierflüge und 55 sonstige Starts und Landungen, sofern der Wind günstig – oder besser noch still – steht und die deutlich kleinere Ost-West-Piste überhaupt angeflogen werden kann. Auch am Mittwoch mussten wieder viele der geplanten Flüge annulliert werden.
Derzeit befinden sich nur noch wenige Bauarbeiter auf der Hauptpiste. Foto: Alexandra Günzschel Gewicht entscheidend
Nur zwei Fluglinien haben sich dazu entschlossen, den Betrieb am EAP während der vollständigen Schließung der Hauptpiste über 36 Tage hinweg zumindest eingeschränkt aufrechtzuerhalten. Entscheidend dabei ist das Gewicht. Und so sind aufgrund der größeren Kerosinmenge auch längere Distanzen von vornherein ausgeschlossen.
Für die Langlebigkeit der sanierten Hauptpiste fiel die Wahl auf Beton, das jedoch lange zum Aushärten braucht. Die einzelnen Platten wurden zugunsten einer größeren Stabilität auf vier mal vier Meter verkleinert. Der weniger stark belastete Taxiway, die Rollbahn, wird derweil auf einer Länge von gut zwei Kilometern mit 45.000 Tonnen Asphalt erneuert. Auch hier befinden sich die groben Sanierungsarbeiten bereits in den Endzügen. Ein Großteil des Gesamtprojekts wurde sogar schon innerhalb der ersten vier Tage bewerkstelligt – mit immerhin 800 Arbeitern am Tag.
Vor der Hauptreisezeit
Bei der Wahl des geeigneten Zeitpunkts für die Vollsperrung hat es sich die Flughafenverwaltung nicht einfach gemacht, wie Witzig auf Nachfrage betont.
Bei schon warmen Temperaturen, aber noch vor dem Hochsommer als Hauptreisezeit und nach den Osterfeiertagen erschien den Verantwortlichen der nun gewählte Zeitraum als der beste Kompromiss.
Bei den beteiligten Firmen habe der einzige binationale Flughafen der Welt sehr stark auf lokale Anbieter gesetzt, wurde weiter mitgeteilt. Dabei ist mit der Wiedereröffnung am 21. Mai noch lange nicht Schluss.
Letzte Ausbesserungsarbeiten: Dieser Abschnitt fiel bei einer Sichtkontrolle durch und musste neu verfüllt werden. Foto: Alexandra Günzschel 550 Millionen Euro
Die Pistensanierung für etwa 40 Millionen Euro ist eingebettet in einen größeren Kontext: Für insgesamt etwa 550 Millionen Euro sind in den kommenden Jahren zudem eine Sanierung des südlichen Gates sowie der Terminal-Gates geplant. Lange Zeit sei nicht mehr investiert worden, erklärte Witzig.
Es sind die Kontrollen – unter anderem durch die französische zivile Luftfahrtbehörde –, die nun noch viel Zeit in Anspruch nehmen werden. Und so wurden die Pressevertreter am Mittwoch Zeugen einer notwendig gewordenen Ausbesserung.
Fissuren im Beton
Bei einer Sichtkontrolle waren Fissuren im Beton aufgefallen, weshalb die entsprechende Stelle neu verfüllt werden musste. Was auf der frisch sanierten Hauptpiste wie ein letzter Lückenschluss wirkte, könnte am Ende nur eine von mehreren notwendig gewordenen Ausbesserungsarbeiten gewesen sein.
Obwohl sich die Baustelle sehr gut im Zeitplan befindet, rechnet Witzig nicht mit einer früheren Öffnung als geplant. Allein die anstehenden Tests, erklärte sie, würden sicherlich noch einmal eine ganze Woche Zeit in Anspruch nehmen. Und das sei eigentlich noch wenig: „Auf dieser Baustelle läuft alles stark komprimiert.“