Daniel Stucki hört beim FCB auf. Der Nachfolger muss Valentin Stocker heissen, schreibt Erni Maissen in seiner Nau.ch-Kolumne.
Erni Maissen ist FCB-Legende und Nau.ch-Kolumnist. – zVg
Das Wichtigste in Kürze
Erni Maissen zweifelt an der Rücktritts-Begründung von Daniel Stucki.
Es gab Differenzen mit David Degen.
Der Nachfolger steht bereit: Valentin Stocker soll jetzt FCB-Sportchef werden.
Wichtige Entscheidungen werden beim FCB weiter zur Unzeit gefällt. Daniel Stucki verlässt den FCB im Sommer.
Die Kommunikation? Nach einer 0:2-Niederlage zuhause gegen Sion.
Vier Spiele vor Saisonende. Für den FCB geht es um Europa. Die Verkündung des Stucki-Abgangs kommt zum dümmsten Zeitpunkt und erinnert mich an jene der Entlassung von Ludovic Magnin.
Ist der FC Basel besser als Platz 5, Stephan Lichtsteiner? – Nau.ch
Heuert Daniel Stucki bei neuem Verein an?
Stucki sucht eine «neue Herausforderung». Eine Neuausrichtung nach zwei Jahren. Da stimmt etwas nicht.
Der FCB ist nach der Sion-Pleite in Gefahr, Europa zu verpassen. – keystone
Dass der Job zeitintensiv ist und weniger Zeit für die Familie bleibt, das weiss man im Vornhinein. Es klingt nach einer Floskel. Nicht auszuschliessen, dass ein Angebot von einem anderen Verein auf dem Tisch liegt.
David Degen hat beim FCB das letzte Wort
Nein, es ist nicht leicht, FCB-Sportchef zu sein. Wieviel Macht hatte Stucki überhaupt? An welchen Transfers war er an vorderster Front dabei? Das letzte Wort hat immer David Degen.
Keine Vollmacht zu haben, ist frustrierend, bringt den «Verleider». Das zeigt etwa der Fall Adjetey, als Stucki überstimmt wurde.
Daniel Stucki verlässt den FCB – auf eigenen Wunsch, wie es heisst. – keystone
Es ist ein offenes Geheimnis, dass es zwischen Degen und Stucki auch andernorts immer wieder Differenzen gab. Degen nimmt beim FCB grossen Einfluss, kann manchmal egoistisch sein.
Stucki dürfte bei seinem Rücktritt Druck von oben gehabt haben. Für die aktuelle Situation steht schliesslich auch der Sportchef in der Verantwortung.
Der FCB hat keinen Stürmer gefunden ausser Super-Flop Broschinski. Ein sehr schlechtes Händchen. Spieler wie Koindredi, Duranville und Co. bringen den FCB auch nicht weiter.
Moritz Broschinski verschiesst gegen Sion einen Penalty. – keystone
Zudem ist die Goalie-Situation für die nächste Saison weiter ungeklärt. Das zeugt nicht von Überzeugungsfähigkeit. Man hat sich zu sehr im Double-Applaus «gsünnelet».
Am Double hatte Stucki seinen Anteil. Das kann ihm niemand nehmen. Der Kader wurde zusammengehalten, mit der Rückholaktion von Xherdan Shaqiri gelingt ihm ein Coup. Und in Interviews hört(e) man dem Ex-Polizisten immer gerne zu.
Dieses Video versetzte Basel im Herbst 2024 in Ekstase: Xherdan Shaqiri ist zurück beim FC Basel. – FC Basel
Seit es nicht mehr läuft, hat aber auch die gute Kommunikation nachgelassen. Auftritte wurden seltener. Oft mussten die Spieler hinstehen. Doch gerade nach Spielen wie gegen Thun oder Sion bräuchte es Tacheles vom Sportchef.
Der Sportchef-Job beim FCB ist immer attraktiv
Das Erreichen der europäischen Plätze entscheidet beim FCB darüber, wie attraktiv es für Spieler wird, zum FCB zu kommen. Der Sportchef-Job in Basel ist hingegen immer attraktiv. Ob Europa oder nicht. Beim FCB gibt es viel Öffentlichkeit, er bleibt eine gute Adresse.
Nun gilt es, den Richtigen zu finden. Die Messlatte ist hoch, das ist sie in Basel immer. Wer wirds?
Valentin Stocker sitzt beim FCB in der Sportkommission, hier auf der Reise zum CL-Quali-Rückspiel nach Kopenhagen letzten August. – keystone
Valentin Stocker, die Zeit ist gekommen
Die beste Lösung heisst Valentin Stocker.
Der ehemalige Captain wechselte nach seinem Rücktritt im Sommer 2022 in die Funktion als Assistent der sportlichen Leitung. Und ist Teil der Sportkommission.
Im Rahmen seines Abschiedsspiels im September 2023 sagte er: «Sportchef zu werden, ist mein Ziel.»
Valentin Stocker wechselte nach seinem Rücktritt in die Sportkommission des FCB. – keystone
Von dieser Aussage ruderte er letzten November zwar zurück. «Ich kann nicht sagen, dass es nach wie vor das absolute Ziel Nummer 1 ist, Sportchef zu werden. So, wie es momentan ist, passt es für mich definitiv viel besser.»
Jetzt ist für Stocker aber die Zeit gekommen. Er konnte fast vier Jahre lang lernen. Er kennt den Verein, weiss, wie Degen tickt. Stocker ist vom Typ her integer.
Zudem war Stocker immer Publikumsliebling. Und er hat etwas, was Rotblau wieder mehr braucht: FCB-DNA.
Zur Person:
Erni Maissen absolvierte 406 Spiele für den FCB, erzielte dabei 142 Tore.
Damit liegt er an dritter Stelle, einzig Marco Streller und Seppe Hügi schossen noch mehr Tore. In Basel ist der 68-Jährige bis heute eine Legende.
Bereits als Spieler hat der ehemalige Stürmer seine Meinung immer klar und deutlich gesagt.
Das wird sich auch in seiner Nau.ch–Kolumne nicht ändern. Versprochen!