Servette war im Rückspiel des Playoff-Viertelfinals eine Nummer zu gross für die Red Boots.
Marco Montagnolo
Auf der einen Seite herrscht Jubel über den Triumph, auf der anderen Seite Tristesse. Während die Spielerinnen von Servette FC Chênois Féminin gemeinsam mit ihren Fans feiern, bleibt Red-Boots-Goalie Lorena Barth allein auf dem Spielfeld zurück. Sie will noch nicht gehen, wohl wissend, dass sie gerade ihr letztes Playoff-Spiel im Trikot der Red Boots bestritten hat. Irgendwann gesellt sich Anja Klingenstein zu ihr und beide schauen Arm in Arm zum mittlerweile leeren Tor und der grossen Anzeigetafel mit dem wenig schmeichelhaften 0:4-Endstand.
Die Spielerinnen und der Staff wussten, dass die Aufgabe, Servette auswärts zu besiegen, alles andere als einfach wird. Dennoch blieb der im Fussball so oft glimmende Funke Hoffnung. Nach dem Hinspiel glühte dieser noch lichterloh, hatte man sich doch nicht aufgegeben und zuhause ein beachtliches 1:2 herausgespielt. Somit reisten die Red Boots mit dem Traum von einer Sensation nach Genf. Genau dasselbe Szenario spielte sich bereits eine Saison zuvor ab. Wo damals gegen den FC Basel innert vier Minuten der Traum vom Weiterkommen platzte, dauerte es in Genf deren 45.
In der ersten Halbzeit dominierten die Genferinnen das Spiel und liessen den Aarauerinnen kaum Platz zum Atmen. Der Ball lief geschmeidig durch die Reihen und der Servette-Angriff zeigte eine Facette, welche im Hinspiel noch zu wünschen übrig gelassen hatte: die Effizienz. Wenn es mal sehr gefährlich vor dem Tor von Lorena Barth wurde, dann zappelte der Ball auch (fast) immer im Netz. Den Reigen eröffnete Flügelspielerin Therese Simonsson in der 13. Minute: Ein langer Ball als Seitenverlagerung genügte, um die gesamte Aarauer Verteidigung auszuhebeln und die Schwedin alleine vor Barth auftauchen zu lassen. Sie fackelte nicht lange und erzielte den Führungstreffer.
Ein bekanntes Bild an diesem Abend: Die Genferinnen bejubeln ein Tor.
Bild: Marco Montangolo
Magdalena Sobal gelingt ein Hattrick
Die Schlüsselfigur des Abends war indes eine andere: Die Stürmerin Magdalena Sobal verkam zum Albtraum für die Red Boots. Nachdem sich die Polin in der 21. Minute bereits gegen drei Aarauerinnen durchgesetzt hatte und ihren Schuss nur knapp am linken Pfosten vorbeizischen sah, konnte sie sich zehn Minuten später ein erstes Mal in die Torschützenliste eintragen. Lorena Barth bekam einen Schuss von Ascension Martinez nicht unter Kontrolle, der Abpraller sprang direkt zu Sobal, welche aus der Drehung das 0:2 aus Sicht der Red Boots erzielte. Die Luft wurde immer dünner. Zwölf Minuten später stieg Sobal nach einem Eckball im Fünfmeterraum am höchsten und liess Barth keine Abwehrchance.
Nach 45 Minuten war der Traum einer Sensation schon fast gänzlich begraben, der Funke beinahe ganz erloschen. Vor Wiederanpfiff versammelten sich die Aarauerinnen nochmals im Kreis und schworen sich ein. Zwei Minuten später hatte Sobal den Ball unter die Latte gedroschen, die leisesten Aarauer Hoffnungen endgültig zunichte gemacht und ihren persönlichen Dreierpack gefeiert. Danach war die Messe gelesen, von beiden Teams kam danach nicht mehr viel. Was bleibt, ist das Hadern. Nach dem Schlusspfiff schauen die Spielerinnen ihren Gegnerinnen eine Weile beim Feiern zu, dann verschwinden sie nach und nach in der Kabine.
Trainer Jürgen Seeberger findet nach dem Spiel aufmunternde Worte: «Wenn wir nicht gewinnen können, dann lernen wir daraus. Jede nicht optimale Situation wird vom Gegner ausgenutzt, das hat man heute gesehen. Schlussendlich war die Geschwindigkeit der Genfer höher und bei uns haben sich zu leichte Fehler eingeschlichen. Daran müssen wir schlicht arbeiten.»
Jürgen Seeberger im Interview nach der Niederlage im Rückspiel.
Video: Angelo Kunz
Für Aarau bleiben nun noch die Platzierungsspiele, bis es in die Sommerpause geht. Auch wenn das Abenteuer Playoffs schnell wieder vorbei war, bleibt der Stolz auf das Erreichte: «Dass wir die Playoffs überhaupt noch erreicht haben, ist schon ein grosser Erfolg», findet auch Seeberger.
Das Spiel im Ticker zum Nachlesen
Women’s Super LeagueDéjà-vu für die Red Boots: Was für einen Exploit spricht
