Mehr als 400 Euro muss niemand für einen 55-Zoll-Fernseher ausgeben. Zumindest suggeriert das die Preispolitik des chinesischen Elektronik-Riesen TCL. Warum der TCL 55T69C trotz seiner vergleichsweise geringen Bildwiederholrate ein guter Kauf ist, verrät COMPUTER BILD im Test.
TCL 55T69C im Test: Ordentlich verarbeitet
Obwohl das Gehäuse des TCL 55T69C (baugleich zum TCL 55P7K) zum Großteil aus Plastik besteht – an der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Ein Klicksystem für die Standfüße fehlt dagegen. Wie schon beim TCL 55T8C, müssen wir die boomerangförmigen Füße mit vier mitgelieferten Schrauben befestigen. Gut gewählt ist die äußere Anbringung der Standfüße, zwischen die sich Soundbars mit einer Länge von 86,5 Zentimetern (unter dem TV) beziehungsweise 91,5 Zentimetern (vorn an den Füßen) und einer Höhe von 6,2 Zentimetern positionieren lassen.

Das TV-Bild erhalten Nutzer wahlweise per Kabel, Satellit oder Antenne. Ab Werk ist es allerdings stark überschärft und geglättet.
Foto: COMPUTER BILD
Beim Klang ist Luft nach obenWer Heimkino-Sound möchte, ist mit einer Soundbar-Lösung gut beraten. Denn anders als beim TCL 55T8C beziehungsweise dessen baugleichem Geschwister TCL 55P8K verzichtet der Hersteller auf eine rückseitige Bass-Membran. So haben wir im Test den nötigen Bums bei Action-Krachern oder das Grummeln spannungssteigernder Soundtracks vermisst. Schlecht ist der Klang des T69C aber nicht: Die Sprachverständlichkeit geht in Ordnung, und Filme mit Dolby Atmos klingen noch etwas voluminöser als solche mit reinem Stereo-Ton.
Wer die Klangqualität verbessern möchte, kann in den Ton-Einstellungen allerhand Feintuning betreiben.
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Was bringen Quantum Dots und Dolby Vision?
Doch was taugt das Bild des 400-Euro-Fernsehers? TCL bewirbt den T69C als QLED-TV mit 4K-Auflösung und Dolby Vision. Bedeutet: Der Fernseher soll ein helles, farbstarkes sowie scharfes Bild liefern und Inhalte mit Dolby Vision Szene für Szene an seine Fähigkeiten anpassen um Farben, Helligkeit und Kontrast zu optimieren. Doch der Reihe nach: Dank UHD-Auflösung mit 3840×2160 Pixeln zauberte der 55T69C im Test ein detailreiches Bild auf den Schirm. Nur besonders hell strahlte es nicht. Denn bei 240 Candela pro Quadratmeter erreichte der TV seine HDR-Spitzenhelligkeit – zu wenig, um Mündungsfeuer oder glänzende Sterne realitätsgetreu darzustellen.

Eines der Highlights des TCL-Fernsehers: die vierstufige Bewegungsglättung.
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Unterschied zwischen SDR und HDRZur Erinnerung: Verglichen mit SDR (Standard Dynamic Range) liefern HDR-Inhalte (High Dynamic Range) mehr Farben, bessere Kontraste und größere Leuchtkraft. Das macht der T69C aber nur teilweise mit. Daher sehen HDR-Inhalte auf dem China-Fernseher nicht viel besser aus als SDR-Material (in 4K). Größtes Manko neben der vergleichsweise niedrigen Maximalhelligkeit? Der geringe Kontrast von 3.069:1. Im Gegensatz zum tiefen Schwarz von OLED-Fernsehern zeigt der T69C nur ein sehr dunkles Grau. Immerhin: Vom erweiterten HDR-Farbraum DCI-P3 zeigt der T69C 93 Prozent aller möglichen Farben. Das ist tatsächlich (auch) den QLEDs zu verdanken – kleine Nanokristalle, die TCL zur Farbintensivierung aufs Panel gepflanzt hat.
Farben zeigt der P7K schon knallig. Das ist der großen Farbraumabdeckung zu verdanken.
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Dolby-Vision-Inhalte, wie es sie vielfach bei Netflix gibt, sehen noch etwas besser aus als herkömmliches HDR. Neben Dolby Vision unterstützt der TCL 55T69C das sogenannte HDR10+. Inhalte in diesem HDR-Format finden sich vielfach auf Amazon Prime Video. Die Technik ist die gleiche wie bei Dolby Vision: Jede Szene oder sogar jedes Bild hat eigene Infos zu Helligkeit, Farbe und Kontrast. So gehen etwa bei sehr hellen oder dunklen Szenen keine Details verloren, weil das Sonnenlicht zu grell oder Graustufen zu undifferenziert sind.

Liegen Dolby-Vision-Inhalte vor, lässt sich über das Schnellmenü (Burgertaste drücken) mit der Einstellung «Hell» noch etwas mehr Leuchtkraft aus dem Panel kitzeln. Wie im Bild zu sehen ist, spiegelt das Display bei Lichteinfall jedoch relativ stark.
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Egal, ob SDR oder HDR: Fürs beste Bild sollten Nutzerinnen und Nutzer den Fernseher nach Installation der Google-TV-Oberfläche vom Standard- in den Kino-Modus setzen. Der kommt dem Filmmaker Mode am nächsten. Warum Sie den T69C nicht in seinen Werkseinstellungen belassen sollten? Ab Werk wirkt das Bild stark überschärft und geglättet. Außerdem ist die Farbtemperatur zu kühl. Das sieht erst mal brillant aus, ist aber nicht optimal. Denn ob Tagesschau oder «Top Gun» – TV- und Film-Inhalte haben in der Regel eine Farbtemperatur von 6.500 Kelvin. Damit erscheint der Bildeindruck weder zu kühl (bläulich), noch zu warm (gelblich), sondern neutral-weiß. Mit aktiviertem Kino-Modus erzielte der TCL 55T69C einen Wert von 6.832 Kelvin. Damit ist das Bild einen Tick zu kühl, wirkt aber insgesamt noch natürlich.

Dank eines Delta-E-Werts von 2,1 zeigt der TCL 55P7K Farben präzise – vorausgesetzt, User aktivieren den Kino-Modus.
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Dass der Kino-Modus kein 100-prozentiger Filmmaker Mode ist, kristallisierte sich im Test der Zwischenbildberechnung heraus. Denn die ist im Kino-Modus nicht deaktiviert, sondern auf der Stufe Niedrig. Wer schon mal einen TV konfiguriert hat, weiß: Mit Aktivieren des Filmmaker Mode schaltet sich die Zwischenbildberechnung normalerweise ab. Der Grund? Viele Filmfans schätzen das 24p-Ruckeln aus dem Kino. Daher sorgt dieser Cineasten-Modus nicht nur für einen optimalen Weißpunkt (und richtet zudem die Gamma-Kurve und den Farbraum am Industriestandard aus), sondern unterbindet auch die künstliche Berechnung von Zwischenbildern. Die sorgt für eine flüssige Bewegtbilddarstellung, führt aber im Extremfall zum sogenannten Soap-Opera-Effekt. Damit sehen Kameraschwenks und Bewegungen in Hollywood-Streifen aus wie bei «GZSZ» oder «Schlag den Raab».

Gaming klappt auf dem P7K zwar in 120 Hertz – allerdings nur in Full-HD-Auflösung. Wer «Call of Duty» in 4K spielen möchte, wird auf 60 Hertz gebremst. Die Folge? Das Bild wirkt weniger flüssig.
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Bewegungsglättung bei 60 Hertz?Um einen Kompromiss bemüht, hat TCL den T69C mit einer vierstufigen Bewegungsschärfe ausgestattet: Niedrig, Mittel, Hoch und Naturkino. «Niedrig» und «Naturkino» glätten minimal, Bewegungen bleiben aber noch relativ natürlich. «Hoch» wirkte im Test zu glatt gebügelt und fast wie ein Live-Video. Am besten gefiel uns die mittlere Einstellung. Damit wirken Bewegungen flüssig, ohne dass es zum Soap-Opera-Effekt kommt. Das Beste? Obwohl der TCL T69C eine vergleichsweise geringe Bildwiederholrate von 60 Hertz hat, gibt es einen sichtbaren Unterschied zwischen den einzelnen Stufen der Bewegungsglättung. Sicher, auf 100-Hertz-Fernsehern wie dem TCL T8C erscheinen Bewegungen mit aktivierter Glättung noch flüssiger, da der TV für jedes Bild drei weitere einsetzt. Dennoch wirken Inhalte auch auf dem T69C schön geschmeidig, da der TCL nach jedem Bild immerhin ein weiteres einfügt und so für eine ruckelfreie Wiedergabe sorgt.
Neben dreifach HDMI bietet der 55P7K zwei USB-A- sowie eine LAN-Buchse. Antenne und Kabel teilen sich einen Anschluss. Für Satelliten-Empfang gibt es eine separate Schnittstelle. Für ältere AV-Receiver oder Funkkopfhörer gibt es sogar einen optischen Digitalausgang.
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Nichts für ambitionierte GamerErst beim Gaming wurden im Test die Unterschiede zu 100- beziehungsweise 120-Hertz-Fernsehern deutlich. Denn aktuelle Spiele-Konsolen wie die PlayStation 5 (Pro) und die Xbox Series X liefern 120 Bilder pro Sekunde. Die entsprechenden 120 Hertz schaffte der T69C zwar an allen drei HDMI-Eingängen – allerdings nur mit reduzierter Full-HD-Auflösung. Wer einen Gaming-TV sucht, sollte also besser zum TCL T8C greifen, bei dem immerhin zwei von vier HDMI-Anschlüssen 120 Hertz bei gleichzeitiger 4K-Auflösung verdauen. Dafür hat der TCL T69C statt einem gleich zwei USB-Anschlüsse. Zwar lassen sich darüber keine Fernseh-Sendungen aufzeichnen, über angeschlossene Festplatten können Nutzerinnen und Nutzer aber Filme, Fotos und Videos jeglicher Formate abspielen. Verglichen mit LG und Samsung gibt das Android-System sogar lizenzpflichtigen DTS-Klang wieder.
Der TCL 55T69C überzeugte im Test durch seine gute Farbdarstellung und eine für 60 Hertz hohe Bewegtbildschärfe. Letztere ist vor allem der fantastischen Zwischenbildberechnung zu verdanken. Helligkeit und Kontrast sind zwar etwas mau, dafür holt der LCD-Fernseher dank Dolby Vision und HDR10+ das bestmögliche Bild aus Streaming-Inhalten und UHD-Blu-rays.
So testet COMPUTER BILD FernseherTestmethodik
Im Testlabor von COMPUTER BILD müssen Fernseher ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Bewertet wird unter anderem die Bildqualität, spezielle Sensoren messen dafür im Testlabor Farbraumabdeckung, Helligkeit, Kontrast und Bewegungsdarstellung. Auch der Ton, Anschlussvielfalt, Smart-TV-Funktionen wie Apps und der Bedienkomfort der Fernbedienung sind Teil der Testnote. Alle Einzelwertungen werden gebündelt, nach ihrer Bedeutung gewichtet und zur Gesamtnote zusammengeführt.
Wie wir Fernseher im Detail testen, lesen Sie hier