Darum ging es:

Moya lebt als illegale Migrantin in Zürich und versteckt sich gemeinsam mit ihrem Neffen Yaro bei ihrer Freundin Sanaa. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, übernimmt sie Lieferfahrten als Fahrradkurierin für Sanaa. Bei einer nächtlichen Zustellung beobachtet Moya zwei Vermummte, die eine Leiche beseitigen. Die Männer entdecken sie; Moya kann fliehen, verliert dabei jedoch Sanaas Ausweis von der Lieferfirma.

Am nächsten Tag wird die Leiche des Callboys Ruben am Limmatufer gefunden. Moya erkennt ihn als den Mann wieder, den sie am Abend zuvor beliefert hat. Die Ermittlerinnen Tessa Ott und Isabelle Grandjean übernehmen den Fall, unterstützt von dem Assistenten Noah Löwenherz, der kurz vor seinem Sabbatical steht.

Videoaufnahmen aus Rubens Wohnung führen die beiden Ermittlerinnen zunächst auf eine falsche Spur. Erst als Sanaa kurz darauf bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, erkennen die Ermittlerinnen den richtigen Zusammenhang.

Sie finden Moya in ihrem neuen Versteck. Mit Moyas Hilfe können sie den Fall klären und feststellen, dass sich der Haupttäter während der Ermittlungen in ihrer unmittelbaren Nähe befand.

Das war realistisch:

Glaubwürdig wirkt, wie sehr Grandjean und Ott das Schicksal von Moya und ihrem Neffen belastet. Ott macht Moya Hoffnung – ein Fehler, denn die Ermittlerinnen haben natürlich keinerlei Einfluss auf ausländerrechtliche Entscheidungen. Dieser innere Konflikt ist real. Polizisten befinden sich oft in einem Spannungsfeld zwischen Pflicht und persönlichen ethischen Vorstellungen, zwischen staatlicher Rolle und Mitgefühl. Im wirklichen Leben können Polizisten den Konflikt allerdings auf keinen Fall so auflösen wie Grandjean und Ott, die Moya und ihrem Neffen zur erneuten Flucht verhelfen.

Das war unrealistisch:

Die Mordermittlungen von Grandjean und Ott haben mit realer Polizeiarbeit nichts zu tun. Besonders deutlich wird das bei ihrem „Assistenten“, der gleichzeitig mal eben Datenträger auswertet, Spuren analysiert, Mobiltelefone ortet, anhand einer dürftigen Beschreibung sofort ein Täterfoto findet und mitten in der Nacht Zugriff auf ausländerrechtliche Akten samt Arbeitsverträgen erhält.

Gesamteindruck:

Realistisch war der Fall selten, aber zweifellos fesselnd. Die Handlung ist klug konstruiert, voller Wendungen, vielschichtig und gesellschaftlich relevant. Die Ermittlerinnen wirkten glaubwürdig in ihrem moralischen Dilemma: Teil einer Exekutive zu sein, die aus übergeordneten Gründen Menschen kriminalisiert, die eigentlich Schutz bräuchten.





Mann mit Brille, Bart und Glatze. - Foto: Glückselig

In unserer Rubrik „Tatort-Analyse“ ordnen Polizeiprofis aus der Region den aktuellen Krimi ein. Heute: Jörg Eilers, Erster Polizeihauptkommissar a. D. aus Nordenham, zur Zürcher „Tatort“-Folge „Könige der Nacht“. Foto: Glückselig