Schach gehört zu den ältesten Spielen der Menschheit. Erste Varianten lassen sich den Schätzungen zufolge auf das dritte bis sechste Jahrhundert datieren. Nun erlebt das Brettspiel in Zeiten der Digitalisierung seine Renaissance in Form eines Roguelike-Spiels namens „Gambonanza“.

Entwickelt wurde das Spiel vom Solo-Entwickler Paul Giovannini unter dem Studio-Namen Blukulélé, der das klassische Schach neu interpretieren möchte. Das Ergebnis ist ein rundenbasiertes Schach-Roguelike, das mit wilden Spezialfähigkeiten, knackigen Bosskämpfen und der für das Genre typischen „Slot Machine“-Mechanik überzeugt. Jeder Spieldurchlauf ist durch zufällige Elemente einzigartig.

Dass es dabei starke Ähnlichkeiten zum gefeierten Poker-Spiel „Balatro“ aufweist, dürfte kein Zufall sein, denn das Spiel war zu seiner Zeit äußerst erfolgreich und wurde viral sehr gefeiert. Besondere Aufmerksamkeit bekommt „Gambonanza“ auch durch prominente Unterstützung: HandOfBlood nutzte seine Reichweite, um das Spiel zu promoten. Wie viel Potenzial in der ungewöhnlichen Kombination aus Jahrtausende altem Schach und modernem Roguelike steckt, haben wir getestet.

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Wie spielt sich „Gambonanza“?


Nach erfolgreichen Runden können wir uns in dem Shop mit neuen Figuren und anderem interessanten Loot ausstatten. - © Blukulélé

Nach erfolgreichen Runden können wir uns in dem Shop mit neuen Figuren und anderem interessanten Loot ausstatten.
| © Blukulélé

Jeder Durchlauf beginnt damit, dass man per Slot-Machine drei zufällige Startfiguren erhält, die man dann frei auf dem eigenen Bereich des zunächst verkleinerten Feldes platziert. Das Ziel ist dabei simpel: Alle gegnerischen Figuren müssen vom Brett. Nach jeder gewonnenen Runde geht es in den Shop, wo man mit dem verdienten Gold neue Figuren kaufen, sein Figurenreservoir aufstocken und mächtige Upgrades („Gambits“) erwerben kann. Davon gibt es mehr als 150 im Spiel.

Diese Gambits sind das Herzstück von „Gambonanza“: Sie verändern die Spielregeln dauerhaft, lassen etwa Bauern gegnerische Züge überspringen oder verwandeln das Brett in eine Goldmine. Dazu lassen sich einzelne Felder des Bretts mit Spezialfliesen belegen, die Figuren schützen, wiederbeleben oder in Phantomkopien verwandeln können.

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Zu Beginn einer Runde werden uns per Slot-Maschine drei Start-Figuren zugelost. Drei Königinnen wären natürlich am besten, aber es können auch drei Bauern werden. - © Blukulélé

Zu Beginn einer Runde werden uns per Slot-Maschine drei Start-Figuren zugelost. Drei Königinnen wären natürlich am besten, aber es können auch drei Bauern werden.
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Wer zu langsam vorgeht, wird außerdem bestraft: Vergehen zu viele Züge ohne einen Schlag, beginnt das Spielfeld zu bröckeln. Dadurch fallen einzige Felder inklusive der Figuren weg.

Den Rhythmus eines Durchlaufs bestimmen vier normale Begegnungen, gefolgt von einer Bosskampf-Stufe. Die Bosse sind dabei eine der größten Stärken des Spiels – angelehnt an echte Schach-Größen wie Magnus Carlsen oder Judit Polgár, natürlich in witziger Übertreibung verfremdet.

Technisch läuft „Gambonanza“ zu jeder Zeit butterweich, Bugs sucht man vergebens. Auch optisch weiß der Titel zu überzeugen. Der Pixel-Look mit eingängigem Soundtrack passt perfekt zur Grundidee und erinnert an „Balatro“. Die „Gambits“ und Spezialfähigkeiten laden zum Experimentieren ein und sorgen dafür, dass sich jeder Durchlauf ein wenig anders anfühlt.

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Was uns an „Gambonanza” nicht gefallen hat


Die Bosse in "Gambonanza" bringen interessante Mechaniken ins Spiel. Hier ist ein Boss zu sehn, der an den bekannten Schachspieler Magnus Carlsen angelehnt ist. - © Blukulélé

Die Bosse in «Gambonanza» bringen interessante Mechaniken ins Spiel. Hier ist ein Boss zu sehn, der an den bekannten Schachspieler Magnus Carlsen angelehnt ist.
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So stark „Gambonanza“ in vielen Bereichen ist, gibt es dennoch einen Punkt, der etwas trübt: Ein richtiges Tutorial für Schach-Einsteiger fehlt. Wer die Grundregeln des Spiels nicht kennt, wird zunächst etwas allein gelassen. Immerhin lässt sich durch Hovern über die Figuren ablesen, wie sie sich bewegen, ersetzt jedoch nicht ein vollwertiges Tutorial.

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Dazu wirkt der Langzeitspielwert im Vergleich zu „Balatro“ etwas geringer: Der Gameloop fühlt sich nach einer Weile repetitiver an und zieht uns nicht ganz so tief in den Sog hinein wie das große Vorbild. Das schmälert den Gesamteindruck jedoch nur minimal. Unterm Strich bleibt „Gambonanza“ ein sehr, sehr gutes Spiel.

Unser Fazit zu „Gambonanza”

„Gambonanza“ ist ein beeindruckendes Indie-Spiel, das eines der ältesten Spiele der Welt gekonnt in die Moderne überführt. Solo-Entwickler Paul Giovannini hat ein technisch tadelloses, optisch überzeugendes und spielerisch frisches Roguelike geschaffen, das mit kreativen Bossen, spaßigen Perks und einer packenden „Slot Machine“-Mechanik begeistert.

Wer „Balatro“ geliebt hat, wird sich hier sofort zu Hause fühlen, auch wenn „Gambonanza“ beim Langzeitspielwert noch nicht ganz an diesen Maßstab heranreicht und Schach-Neueinsteiger ein Tutorial vermissen dürften.

„Gambonanza“ ist seit dem 1. Mai 2026 für PC, Xbox Series X/S und Playstation 5 erhältlich. Das Spiel kostet 14,99 Euro und ist freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Transparenzhinweis: Für den Test wurde uns vom Publisher ein kostenloses Review-Exemplar zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Wertung. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet.

Teilwertungen

Gameplay: 9/10
Technik: 9/10
Umfang: 8/10
Innovation: 7/10

Gesamtwertung: 8/10

INFORMATION

Kaufempfehlung

Für wen lohnt sich „Gambonanza“?

Roguelike-Fans mit Spaß an Experimenten: Wer Spiele wie „Balatro“ liebt, bekommt hier einen ähnlich süchtig machenden Loop aus Zufall, Builds und cleverem Ressourcen-Management – nur eben auf einem Schachbrett.

Schachspielerinnen und Schachspieler, die frischen Wind suchen: Erfahrene Schachfans erleben hier eine kreative Neuinterpretation ihres Lieblingsspiels, die bekannte Regeln mit verrückten Fähigkeiten und taktischen Wendungen kombiniert.

Indie-Entdecker: Ein starkes Solo-Projekt mit klarer Vision, das zeigt, wie viel Innovation auch mit kleinen Teams möglich ist – ideal für alle, die abseits großer Blockbuster nach neuen Ideen suchen.

Spieler, die kurze, abwechslungsreiche Runs mögen: Jeder Durchlauf ist anders, schnell zugänglich und lädt zum „nur noch eine Runde“-Prinzip ein.

Eher nichts für Schach-Neulinge ohne Grundkenntnisse: Ein richtiges Tutorial fehlt, und der Einstieg kann entsprechend holprig sein. Auch wer langfristig extrem tiefe Progression wie in Genre-Größen erwartet, könnte den Wiederspielwert etwas begrenzter finden.