Software-Entwickler: «Mit 21 habe ich schon 137’000 Franken im Jahr verdient»

Heute baut Tim (27) Websites für gemeinnützige Organisationen. Im Geldgespräch erzählt er, warum er einen gut bezahlten Job gekündigt hat – und wie er trotzdem von seinem früheren Lohn profitiert.

Felix Rüdiger Publiziert: 04.05.2026, 21:50 Informatiker sitzt von hinten an einem modernen Heimarbeitsplatz in Bern vor zwei Bildschirmen in hellem Dachgeschoss-Büro.

«Ich muss mir nicht im Detail Gedanken über meine Ausgaben machen» – für Informatiker Tim Kästner (Name geändert) ist das ein grosser Luxus.

Foto: Adrian Moser

In Kürze: Der 27-jährige Software-Entwickler Tim Kästner (Name geändert) arbeitet in Zürich zu 60 Prozent für rund 69’000 Franken brutto jährlich und studiert nebenbei.Sein Vermögen beläuft sich auf 225’000 Franken, davon hat er den Grossteil selbst gespart.Er legt sein Geld via App in Aktien und ETFs an, um sich wenig damit befassen zu müssen.

Schon mit acht Jahren baute Tim Kästner* seine erste Website. Was als kindliche Spielerei begann, wurde für den heute 27-Jährigen zu einem gut bezahlten Beruf als Software-Entwickler. Im Gespräch verrät er, mit wem er über sein Gehalt spricht, wie er sein Geld anlegt und warum er bereit wäre, mehr Steuern zu zahlen.

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Ich arbeite bei einem IT-Unternehmen, das gemeinnützige Organisationen bei digitalen Projekten unterstützt, unter anderem im Fundraising. Als Senior Frontend Engineer entwickle ich das, was die User in Apps und auf Websites sehen. Dafür schreibe ich Code, der stabil und zuverlässig in die Systeme unserer Kunden integriert werden kann. Ich arbeite fast komplett im Homeoffice und bin einmal die Woche im Zürcher Büro.

Wie viel verdienen Sie?

Ich verdiene bei einem 60-Prozent-Pensum 69’000 Franken brutto – das sind 5750 Franken im Monat. Bei einem Vollzeitpensum wären es 115’000 Franken pro Jahr. Pro Monat zahle ich rund 800 Franken Sozialabgaben und 650 Franken Steuern.

In meiner vorherigen Stelle bekam ich deutlich mehr: Mit nur 21 Jahren habe ich im Vollzeitpensum bei einem grossen Grosskonzern im Jahr 137’000 Franken brutto verdient, inklusive Bonus.

Vor vier Jahren wollte ich dann berufsbegleitend ein Studium beginnen und auf 60 Prozent reduzieren. Bei meinem alten Arbeitgeber ging das nicht, weshalb ich mir einen neuen Job gesucht habe. An meiner neuen Firma gefällt mir, dass es nicht nur um Profit, sondern auch um gesellschaftlichen und sozialen Impact geht. Dafür nehme ich auch ein niedrigeres Gehalt in Kauf.

Wissen Ihre Familie und Ihre Freunde, wie viel Sie verdienen?

Meine direkte Familie und enge Freunde kennen mein Gehalt. Ich bin grundsätzlich eher offen mit meinem Einkommen, wenn ich den Leuten vertraue. Da ich schon früh Geld verdient habe, wollte ich auch transparent sein, um meinen Freundinnen und Freunden eine Idee davon zu geben, was sie von Arbeitgebern verlangen können.

Wofür geben Sie Ihr Geld aus?

Mein grösster Posten ist die Miete: Meine Freundin und ich zahlen jeweils 1350 Franken für unsere 80-Quadratmeter-Wohnung. Ich zahle 330 Franken für mein GA, 130 für die Studiengebühren, 500 für die Krankenkasse und 1000 für die restliche Lebenshaltung, also Essen, Ferien, Handy und kleinere Rechnungen.

Für mich ist das ein wahrer Luxus: Weil ich im vorherigen Job viel gespart habe, muss ich mir trotz Studium nicht im Detail über meine Ausgaben Gedanken machen. Ich weiss, dass genug Geld da ist.

Sparen Sie Geld? Legen Sie es an?

Mein Vermögen beläuft sich auf 225’000 Franken. Davon habe ich 20’000 Franken geerbt und 30’000 Franken als Jugendsparkonto zu meinem 18. Geburtstag bekommen. Den Rest habe ich selbst gespart, allen voran während meines Pharma-Jobs. Damals habe ich circa 5000 Franken monatlich auf mein Sparkonto und meine Säule 3a verschoben. Momentan spare ich noch 900 Franken im Monat.

Neben der Säule 3a lege ich einen Grossteil meines Vermögens mit der App True Wealth an. Man beantwortet Fragen zur eigenen Risikotoleranz, und die App verteilt dann das eigene Geld auf Aktien, ETFs und andere Anlageformen. Ich will mir möglichst wenig Gedanken darüber machen. Bei Geldfragen spreche ich mit meinen Freunden, die an der Uni St. Gallen studieren – die sagen mir dann, was Sinn macht.

Welches Verhältnis haben Sie zu Geld?

Für mich bedeutet Geld in erster Linie Sicherheit. Ich bin Informatiker aus Leidenschaft. Ich schaue mir auch nach Feierabend oft Dokumentationen oder Magazine zum Thema an. Auch wenn der Lohn nur bei 5000 oder 6000 Franken für ein Vollzeitpensum läge, würde ich den Job weiterhin machen.

Erzählen Sie von einer Lohnverhandlung.

Ich habe schon früh viel Geld verdient. Daher bin ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber auch sehr selbstbewusst in die Verhandlung gegangen und habe gesagt: «Mein Jahresgehalt liegt aktuell bei über 130’000 Franken. Was könnt ihr tun, um dem ungefähr zu entsprechen?» Mir war klar, dass ich nicht gleich viel verdienen würde – aber auch mein jetziges Gehalt ist sehr gut.

Wie viel arbeiten Sie?

Meine Arbeitszeiten sind sehr human. Pro Woche arbeite ich drei Tage zu je acht Stunden. Manchmal werden es am Tag eher neun Stunden, aber diese Mehrarbeit kann ich aufschreiben und als Ferientage kompensieren.

Was gefällt Ihnen in Ihrem Job am meisten? Und was am wenigsten?

Ich mag es, über komplexe Probleme nachzudenken und kreativ eigene Lösungen zu entwickeln. Wenn Kolleginnen und Kollegen mir dann positives Feedback geben und sehen, dass meine Idee funktioniert, macht mich das zufrieden. Einfach nur ein «Code Monkey» zu sein, der nach Business-Vorgaben Code schreibt, wäre nichts für mich – ich glaube, diese Art von Arbeit wird in Zukunft auch immer mehr von KI übernommen.

Am wenigsten gefallen mir die vielen Meetings. Manchmal gibt es zu viel Hin und Her und stundenlange Diskussionen darüber, wie man etwas lösen könnte, anstatt es einfach auszuprobieren.

Ist Ihr Lohn fair?

Wenn man meinen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg meiner Firma betrachtet, dann ja: Ich weiss, dass Features, die ich erdacht und entwickelt habe, direkt zu neuen Aufträgen und Verkäufen beigetragen haben – in meinem jetzigen und in früheren Jobs.

Wenn ich aber meinen Lohn mit anderen Berufen vergleiche, ist er auf keinen Fall gerecht. Meine Schwester arbeitet in einer Kita und verdient viel weniger als ich, obwohl sie den ganzen Tag physisch hart arbeitet. Ich hingegen sitze bequem im Homeoffice.

Spenden Sie einen Teil Ihres Einkommens?

Ich spende etwa 1500 Franken im Jahr. Ich sehe es aber nicht als meine persönliche Aufgabe, die Welt durch Spenden zu retten. Auch wenn sich mein Beruf auch um das Thema Spenden dreht: Ich halte Steuern für viel relevanter und hätte kein Problem damit, noch mehr Steuern zu zahlen. Spenden sind oft nur ein Pflaster auf einer viel zu grossen Wunde. Ich finde nicht, dass Individuen entscheiden sollten, wohin ihr Geld fliesst – das sollte über Steuern und den Staat gelöst werden.

Heimarbeitsplatz eines Informatikers in Bern: Tower-PC und Monitor auf Holzboden, im Hintergrund ein Ventilator und Kartonschachteln.

Als Informatiker hat Tim Kästner (Name geändert) rund 4000 Franken in seinen PC investiert.

Foto: Adrian Moser

Der grösste Betrag, den ich jemals auf einmal überwiesen habe, war meine kantonale Steuerrechnung während meines Konzern-Jobs: rund 20’000 Franken. Das war eine ordentliche Summe.

Wenn es um Gegenstände geht, ist es wohl mein Computer. Über die Jahre habe ich mir einen PC selbst zusammengebaut – insgesamt habe ich rund 4000 Franken gezahlt. Ansonsten neige ich nicht zu grossen, teuren Anschaffungen.

*Tim Kästner heisst in Wirklichkeit anders und möchte anonym bleiben, da er hier persönliche finanzielle und berufliche Angaben macht.

Wären Sie bereit, uns Ihren Lohn offenzulegen und im Rahmen dieser Serie zu erzählen, wie Sie mit dem Geld umgehen? Das kann sowohl mit Namensnennung als auch anonymisiert geschehen. Melden Sie sich bitte unter geldundrecht@tamedia.ch.

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