Vor zehn Jahren herrschte Gründungsfieber in der Berliner Gastronomie. 2015 eröffneten das „Nobelhart & Schmutzig“ und das „Tulus Lotrek“. Und 2016 war kein weniger großer Jahrgang – mit dem „Hallmann & Klee“, dem „Ernst“ und dem „Coda“, sicherlich das ungewöhnlichste Spitzenrestaurant der Stadt.
René Frank kocht mit den Mitteln der Pâtisserie, dennoch ist mit Dessert nur unzureichend beschrieben, was man in seinen filigranen Menüs in circa 15 Gängen auf den Tisch bekommt. Frank arbeitet gerne mit Gemüse oder Pilzen, verwendet kaum Sahne, Butter oder Kuhmilch und verzichtet vollständig auf weißen Zucker und Weizenmehl. Schokolade macht er selbst. Süße setzt er sparsam ein.
Zum zehnten Geburstag des „Coda“ reisen eine Reihe prominenter Gastköche nach Neukölln
Sein berühmtestes Gericht: der Caviar Popsicle, ein Vanille-Topinambur-Eis am Stiel mit einem Mantel aus Kaviar und einem Kern aus Pekannuss-Ganache. Für solche Ideen wurde er 2023 zum Pâtissier des Jahres der „World’s 50 Best“-Liste gewählt.
Das berühmteste Gericht im „Coda“: Caviar Popsicle, ein Vanille-Topinambur-Eis am Stiel mit einem Mantel aus Kaviar.
© Claudia Goedke
Zum zehnten Geburtstag reihen sich nun einige Prominente in die Schar der Gratulanten ein. Der Münchner Drei-Sterne-Koch Tohru Nakamura machte den Anfang mit einem Four-Hands-Dinner im Februar. Am 30. Mai kommt mit Jordi Roca ein internationaler Superstar der Süße zu Besuch nach Neukölln.
Er ist der jüngste der drei Roca-Brüder, die gemeinsam das Restaurant „El Celar de Can Roca“ im katalanischen Girona betreiben. Seit 2009 halten sie drei Michelin-Sterne, zweimal wurden sie zum besten Restaurant der Welt gewählt.
Während Joan sich um die Küche kümmert und Josep um den Wein, wusste Jordi lange nicht, wie er sich in den Familienbetrieb einbringen sollte. Zumal er 12 Jahre jünger ist als der mittlere Bruder. Als sich der Patissier verletzte und krankheitsbedingt lange ausfiel, übernahm Jordi den Posten – und verhalf dem Restaurant zum Aufstieg in die internationale Spitzenliga.
Bedingt durch eine Nervenkrankheit, kann er kaum sprechen, nur flüstern. Er sage nur die wirklich wichtigen Dinge, verrät er in einer Folge der Netflix-Serie „Chef’s Table“, die sich mit ihm und seiner Arbeit auseinandersetzt.
Umso mehr erzählen seine verspielten, avantgardistischen Desserts, mit denen er die Vorstellung, was ein Dessert alles sein kann, neu definierte. Jordi Roca spielt mit Texturen und Düften, gerne auch visuellen Überraschungen.
Visuelle Überraschung: Ein Dessert ahmt den Laufweg von Lionel Messi zum Tor nach
Ein Dessert nimmt den zitronigen Duft von Calvin Kleins Parfum „Eternity“, das sein Bruder trägt, als Ausgangspunkt, ein anderes ahmt den Laufweg von Lionel Messi zum Tor nach, berühmt sind seine mundgeblasenen Karamell-Skulpturen, die er mit Mousse oder Eis füllt.
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Oft spielen Erinnerungen eine Rolle in seinen Kreationen, etwa bei Bosque Lluvia, in dem er den Geschmack des Bodens im Wald imitiert, in dem er als Kind gespielt hat, unter anderem mit einem Eis aus Pfifferlingen und einer Wolke aus Pilzinfusion, die über dem Dessert abregnet.
Humor beweist er obendrein. Weil er für seine große Nase als Kind gehänselt wurde, hat er sie zu einem Eis am Stiel aus Erdbeere und Rosenwasser nachgeformt – im Maßstab 1:1.
Im „Coda“ kocht Jordi Roca mit René Frank am 30. Mai einen Lunch und ein Dinner. Tickets kosten 680 Euro für das Menü inklusive Getränkebegleitung.
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Viel Geld, natürlich, aber viel weniger, als eine Reise nach Girona ins „El Cellar de Can Roca“ kosten würde. Und Obacht: Die Plätze sind hier wie dort heiß begehrt. Die Hälfte der Tickets wird am 4. Mai freigeschaltet, der Rest in den Tagen darauf. Tickets unter: coda-berlin.com