OberentfeldenBeim heimlichen Date wurde ein Jugendlicher von der Familie seiner Freundin verprügelt
In Oberentfelden wurde ein 15-Jähriger brutal zusammengeschlagen. Die kurdische Täterfamilie stand nun am Dienstag vor Gericht.
Fünf Personen griffen vor eineinhalb Jahren einen 15-jährigen Jungen an und standen nun deshalb vor Gericht.
Symbolbild: Martin Rütschi, Keystone
War es ein Ehrendelikt? In Oberentfelden wurde vor anderthalb Jahren ein 15-Jähriger brutal zusammengeschlagen. Er kannte die Täter: Es handelte sich dabei um die Familie seiner damals 16-jährigen Freundin. Sowohl das Opfer als auch die mutmasslichen Täter waren Teil der kurdischen Diaspora.
Die fünf Täter mussten sich am Dienstag unter anderem wegen Drohung, Körperverletzung und versuchter vorsätzlicher Tötung vor dem Bezirksgericht Aarau verantworten. Sie fanden den 15-Jährigen damals im Zimmer seiner Freundin, er hatte sich mit einer Leiter reingeschlichen, wie Tele M1 berichtete. Die Mutter des Mädchens habe den heimlichen Freund unter dem Bett entdeckt, kurze Zeit später wurde dieser von den fünf Tätern angegriffen. Er habe Todesangst gehabt, sagte er aus.
Tele M1 sprach mit Abdul Malik Allawala, dem muslimischen Seelsorger und Pressesprecher des Verbands Aargauer Muslime. Dieser verurteilt die Tat: «Diese Ehrenmorde und Ehrenverletzungen sind kein kurdisches Problem. Das ist ein kulturelles Problem und in vielen Ländern zu finden.» Im Islam seien solche Delikte überdies absolut verboten: «Es gibt Nulltoleranz.»
Die Staatsanwaltschaft forderte unter anderem Freiheitsstrafen von bis zu acht Jahren und Landesverweise. Das Bezirksgericht Aarau sprach am Mittwoch alle fünf Familienmitglieder schuldig, senkte jedoch die beantragten Strafen: Für die zwei mutmasslichen Haupttäter gab es drei respektive sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe – die anderen drei Beschuldigten kamen mit bedingten Strafen davon. Insgesamt drei kassierten zudem einen mehrjährigen Landesverweis. Im Beitrag von TeleM1 erklärte die Staatsanwältin, man sei mit dem Urteil zufrieden. Das Gericht habe anerkannt, dass in diesem Fall Wertvorstellungen verteidigt worden seien, die mit den hiesigen Wertvorstellungen schlicht nicht vereinbar seien. (wif)
Der Beitrag von Tele M1: