Der US-Amerikaner Isaac Roosevelt tritt am 6. Mai in Pirmasens auf. Über seine Gesangskarriere und das anstehende Konzert sprach er mit Peter Schneider.

Wo in den Vereinigten Staaten wuchsen Sie auf und was brachte Sie einst zum Singen?
Ich wuchs in Arcadia auf, das ist eine Kleinstadt mit rund 3000 Einwohnern im tiefen Süden von Florida, wir Einheimische sagen „im dreckigen Süden“. Ich lebte in der Nähe der Baptistischen Kirche und sang wöchentlich Black Gospel Music, denn meine Mutter war die Chorleiterin. Als ich nach Deutschland kam, interessierte ich mich mehr und mehr für Funk, Blues und Soul. Früher war Kaiserslautern wegen der in der Umgebung stationierten Soldaten mit viel amerikanischer schwarzer Musik gesegnet. So gesehen hatte ich den Juice (deutsch: Saft) in mir drin, denn als ich den Beat dieser Musik erstmals hörte, begannen sich unwillkürlich meine Füße zu bewegen.

Wann kamen Sie nach Deutschland?
Das war im November 1988, ich war Soldat bei den US-Streitkräften. Kurze Zeit später wurde ich für ein Jahr im weiten Golfkrieg nach Saudi-Arabien abkommandiert, bevor ich wieder nach Deutschland versetzt wurde.

Sind Sie Berufsmusiker oder haben sie einen regulären Job?
Ich wohne noch immer in der Region Kaiserslautern und arbeite als Zivilbeschäftigter bei den US-Streitkräften. Seit meiner Teilnahme bei „The Voice of Germany“ 2013 nennen mich manche Arbeitskollegen „den singenden Buchhalter“. Die Musik ist also Hobby, jedoch als Ausgleich zum phasenweisen großen Stress auf der Arbeit sehr wichtig. Wie sagt man so schön: Die heutigen Schlachten formen die Männer von morgen.

Wie wichtig war die Teilnahme an „The Voice of Germany“ für Ihre spätere Laufbahn, gibt es Anekdoten dazu?
Einige Teilnehmer erzählten, dass die Sendung ihr Leben verändert hätte. Mit hat sie einen Einblick ins Musikgeschäft gegeben, den nur wenige Außenstehende bekommen. Mit meiner Erfahrung als ehemaliger Soldat, der seine Augen stets offenhält, glaube ich, dass viele Leute eine völlig falschen Vorstellung davon haben, was die Musikindustrie wirklich ist. Letztendlich kommt es nur auf die Leidenschaft an, die einem die Kraft dazu gibt, den Wettbewerb anzunehmen. Wenn man es unbedingt will, schafft man es auch. Du musst nur fest an dich glauben und dafür kämpfen. Du musst dir als Teilnehmer immer bewusst sein, dass es ein harter Wettbewerb bis zum Ende ist. Aber es gab’ schon einige lustige Begebenheiten, und die Freunde, die man dort gewonnen hat, sind auch wichtig. Das Lustigste war, welche Unmengen von Ginger Ale die Musiker getrunken haben. Und ich fand es witzig, wie oft man uns sagte, dass es nur eine TV-Sendung sei.

Hatte sich die Fernsehsendung auf Ihr Privatleben ausgewirkt?
Die Sendungen wurden über das Jahr hinweg aufgezeichnet, also nicht live gesendet. Und ich war absolut schockiert, wie die Leute dann am Ende des Jahres darauf reagiert haben. Ich habe zwischenzeitlich gar nicht mehr daran gedacht, doch sogar der Postbote bat mich um ein Autogramm. Da ich einer der ersten sechs Teilnehmer der damaligen Show-Saison war, erregte ich schon Aufsehen. Wildfremde Leute starrten mich an, andere stellten Fragen zur Sendung und ich besorgte sogar Spielzeug für die Kinder während meiner Zugfahrten von Kaiserslautern nach Berlin. Mein Rat an potenzielle Teilnehmer: Wenn du keine Leute magst, nicht von Fremden angestarrt oder angesprochen werden möchtest, bleib weg von „The Voice of Germany“! Unvergesslich war ein kostenloses Video mit Boss Hoss, Nena und Samu Haber.

Das Video zu Ihrem Lied „Happy Day“ wurde bei YouTube rund 280.000-mal angeschaut. Werden Sie den Song in Pirmasens singen?
Wir werden „Happy Day“ wahrscheinlich in akustischer Version interpretieren, da das Blues Wohnzimmer natürlich eine Blues Band ist. Ich habe den Song damals in Berlin mit Bella Brauckmann, dem Schlagzeuger und Produzenten der deutschen Gruppe Cultured Pearls, aufgenommen. Deren Sängerin rief ins Studio rein wie die Strophenmelodie ihrer Meinung nach klingen soll, das war schon sehr lustig.

Wie kam es zum Gastauftritt bei Blues Wohnzimmer?
Die Verbindung entstand durch deren Trommler Elmar Federkeil, den ich schon seit meinen Anfangstagen in Deutschland kenne. Erstmals traf ich ihn, als er der Haus-Schlagzeuger des Cotton Club in Kaiserslautern war. Auch die anderen Musiker Lukas Schüßler und Stefan Engelmann zähle ich zu meinen Freunden. In Pirmasens habe ich schon mit der Kuseler Band San Salvador, der Schnapka Connection und Shebeen im Z1 gespielt. Beim Konzert mit Blues Wohnzimmer können die Fans eine funkig-großartige Zeit erwarten. Also seid bereit, den ganzen Abend bis in die Nacht hindurch eure Füße zu bewegen!

Konzert

Blues Wohnzimmer mit Isaac Roosevelt: Donnerstag, 6. Mai, 20 Uhr. Pirmasens, La Bodeguita, Karten: eventfrog.de und Abendkasse.

Zur Person

Isaac Roosevelt wurde 1961 in Arcadia, Florida geboren und kam 1988 als Soldat nach Deutschland. Musikalisch tobt er sich gerne im Segment Funk/Soul/R&B aus. Durch seine Teilnahme bei der 3. Staffel von „The Voice of Germany“ (2013) kam seine Karriere in Schwung. „Lost in a Mad World“ im Duett mit Pamela Falcon erreichte den Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2014. „Happy Day“ ist sein bislang erfolgreichstes Lied. Mit „Ice Cream Baby“ erreichte er Platz 9 der Single-Charts bei Eldorado Luxemburg. Als Support stand er für Keziah Jones, Ivy Quainoo, Lisa Stansfield und Lionel Richie auf der Bühne.