Finnland, Griechenland oder doch ein Außenseiter – wer gewinnt den Eurovision Song Contest 2026? Wir geben einen Überblick über die Favoriten.

Akylas, Eurovision Song Contest 2026, Griechenland

Beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien treten 35 Länder an und kämpfen um den Sieg. Wer sind die Favoriten? Wer hat Außenseiter-Chancen? Und wie steht es um Deutschland, Österreich und die Schweiz?

Die größten Siegchancen werden aktuell Finnland eingeräumt, das Land liegt auch in den Wettquoten deutlich vorne. Pete Parkkonen und Linda Lampenius haben mit „Liekinheitin“ – übersetzt „Flammenwerfer“ – bereits vor ihrem Sieg im finnischen Vorentscheid für Aufsehen gesorgt und Millionen Streams eingesammelt. Das ESC-Ticket war dann Formsache, jetzt kämpfen sie auf der großen Bühne um den Titel. „Wir sind sehr dankbar und demütig“, sagte Linda Lampenius im Interview mit bleistiftrocker.de über die Favoritenrolle. Die Star-Geigerin gibt dem Beitrag das gewisse Etwas – mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Instrument. Finnland hat den ESC erst einmal gewonnen – 2006 mit Lordi. In diesem Jahr stehen die Chancen auf den zweiten Erfolg tatsächlich gut.

Womöglich könnte Griechenland den Finnen gefährlich werden. Sänger Akylas gibt auf der Bühne den quirligen Videospiel-Charakter und bringt sehr viel Text in seinen drei Minuten unter. Der Beitrag wirkt spaßig, hat aber einen ernsten Hintergrund: „Ferto“ prangert den Überkonsum in der Gesellschaft an. Akylas dürfte damit vor allem im Televoting gute Chancen auf sehr viele Punkte haben. Ob auch die Jurys ihm genug geben? Abwarten.

Australien will es in diesem Jahr wirklich wissen und schickt mit Delta Goodrem einen Superstar zum ESC nach Wien. Die 41-Jährige steht seit Jahrzehnten im Rampenlicht und dürfte auf der Bühne mit ihrer Ausstrahlung stark abliefern. Ihr Beitrag „Eclipse“ ist zudem wie gemalt für die Eurovision-Bühne – Tonart-Wechsel inklusive. Kampfansagen gibt es von Delta Goodrem aber nicht. „Ich will mein Bestes geben“, sagte sie zu bleistiftrocker.de auf die Frage nach ihren Ziel. Und das könnte durchaus für den ersten ESC-Sieg von Australien reichen.

Fast heimlich hat sich Dänemark in die Reihe der Favoriten gemogelt. Sören Torpegaard Lund hatten nicht mal beim dänischen Vorentscheid alle auf dem Zettel, dann überzeugte der 27-Jährige mit einem intensiven Auftritt samt Glasbox. Ein Fan-Favorit sind er und sein Song „För Vi Gar Hjem“ längst, bei den Buchmachern mischt er auf den Top-Plätzen mit. Ein gutes Ergebnis für Dänemark ist auf jeden Fall drin. Ein Sieg wird schwer, aber auch nicht unmöglich.

Eine besondere Rolle nahm in den vergangenen Jahren Israel ein. Wegen, na klar, der politischen Situation, die auch immer in den selbsternannt unpolitischen ESC schwappt. Man hat sich darauf verständigt, das Land weiterhin teilnehmen zu lassen. Nachdem Israel durch viele Televoting-Punkte in den vergangenen Jahren durchaus nah dran war am Sieg – man ruft schließlich nicht gegen, sondern für einen Beitrag an – ist Noam Bettan in diesem Jahr nicht ganz so intensiv und subtil politisch unterwegs wie seine Vorgängerinnen. Sein „Michelle“ ist ein simpel gereimter Lovesong, der durch einen Sprachenmix wirr wird. Das dürfte trotz der weiterhin besonderen Situation kein Sieger-Material sein.

Hinzu kommen einige Länder mit Außenseiter-Chancen: Frankreich wird wie gewöhnlich vorab hoch gehandelt. Die 17-jährige Monroe versucht es mit „Regarde !“ und Opern-Gesang – wobei Kopien des Vorjahressiegers ja selten zum Erfolg führen. Schweden wird von Felicia und ihrem Song „My System“ vertreten – ordentlicher Pop und dank Mundschmuck ein Hingucker, der aber nur geringe Gewinner-Vibes versprüht. Rumänien hat sich dagegen in den Fokus gespielt, denn Alexandra Capitanescu bringt zusammen mit ihrer Band kraftvolle Rockmusik auf die Bühne. Ob die unglückliche Metapher „Choke Me“ aber einen ESC-Erfolg verdient hätte, darf stark bezweifelt werden.

Mit viel Schmalz und Ausstrahlung versucht es Malta  – Aidan kann mit „Bella“ durchaus ein Dark Horse sein. Eigentlich immer zum erweiterten Favoritenkreis zählen die Ukraine und Italien. Leléka, die übrigens deutsche Wurzeln hat und ihr Studium in Deutschland absolvierte, bringt für die Ukraine mit „Ridnym“ wunderschöne Klänge, denen aber wohl der Nachdruck für ganz vorne fehlt. Sal Da Vinci ist dagegen für Italien mit einem Song von vorgestern unterwegs – „Per Sempre Si“ ist ein gesungenes Manifest für die (Hetero-)Ehe und damit hoffentlich kein Sieg-Anwärter, auch wenn das Land traditionell viele Punkte einheimst.

Und wie steht es um Deutschland, die Schweiz und Österreich? Sarah Engels versucht es für die beim ESC so gebeutelten Deutschen, bei denen die Federführung von NDR zum SWR gewechselt hat, mit „Fire“. Feuer, eine ausgeklügelte Tanzperformance und einfache Reime sind beim Eurovision Song Contest keine Innovation, die Sängerin überzeugt allerdings mit starkem Gesang und empowernder Message. Ganz nach vorne wird es damit für Deutschland aber nicht gehen. Für die Schweiz muss Veronica Fusaro zunächst das Halbfinale überstehen, was keineswegs ausgemachte Sache ist. Sie bringt mit „Alice“ einen Song gegen Gewalt an Frauen auf die Bühne, was ein gutes Ergebnis umso wünschenswerter macht. Österreich hat dagegen den Heimvorteil und vermutlich keine Ambitionen, den Wettbewerb gleich zweimal nacheinander auszutragen. Der Beitrag „Tanzschein“ von COSMÓ wird das auch nicht hergeben. Ein sympathischer Sänger, aber eher kein Song für die große Bühne.

Alle Songs des Eurovision Song Contest 2026 kann man hier anhören.

 

Weitere Informationen zum Eurovision Song Contest 2026

Podcast „Merci, Chérie“
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Foto: Nikos Stolis

 

bleistiftrocker.de-Recherche zum Thema Frauenfeindlichkeit beim ESC

 

Alle Video-Interviews von bleistiftrocker.de zum Eurovision Song Contest 2026

Delta Goodrem (Australien)

Sarah Engels (Deutschland)

Pete Parkkonen & Linda Lampenius (Finnland)

Eva Marija (Luxemburg)

Aidan (Malta)

Alexandra Capitanescu (Rumänien)

Veronica Fusaro (Schweiz)

Leléka (Ukraine)

COSMÓ (Österreich)