Das Universitätsspital Zürich (USZ) hat mit der Administrativ-Untersuchung zur Herzchirurgie einen Skandal offengelegt, der weit über eine medizinische Panne hinausgeht. In den Jahren 2016 bis 2020 war die Patientensicherheit nicht jederzeit gewährleistet. Der Bericht zeigt ein Zusammenspiel aus Fehlentscheiden, mangelnder Kontrolle und einer Führungskultur, in der Warnsignale zu lange ignoriert wurden. Das ist für ein öffentliches Zentrumsspital von dieser Bedeutung schlicht schwerwiegend.

Universitätsspital Zürich (USZ) in Zürich (Symbolbild)
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Die politische Einordnung gehört dabei zwingend dazu. Die Probleme entstanden in der Zeit, als Martin Waser als Spitalratspräsident des Universitätsspitals Zürich amtete. Der Spitalrat hat die direkte Aufsicht über das Spital. Der ehemalige Stadtrat trat per Ende Juni 2021 zurück. Und Thomas Heiniger, der die Zürcher Gesundheitsdirektion führte. In ihren Amtszeiten wurden die Risiken offenbar nicht mit der nötigen Konsequenz erkannt und eingegrenzt. Die Untersuchung legt nahe, dass die damalige Aufsicht zu lange auf Beschwichtigung setzte, statt die Lage hart zu prüfen und frühzeitig durchzugreifen.
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Dass später Natalie Rickli die oberste Verantwortung übernahm, ist ebenfalls relevant. Sie erbte keine geordnete Situation, sondern einen belasteten Fall, und sie handelte rasch. Sie sagt: «Den betroffenen Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen spreche ich mein Mitgefühl aus. Angesichts der Vorkommnisse wurden grundlegende Veränderungen vorgenommen. So wurden die gesetzlichen Grundlagen angepasst, die Governance, das Qualitäts- und das Risikomanagement am USZ verbessert und der Spitalrat, die Spitaldirektion und die Klinikleitung personell erneuert. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass das Vertrauen in das USZ wiederhergestellt wird und die Patientensicherheit gewährleistet ist. Ich danke der Untersuchungskommission unter der Leitung von Dr. Niklaus Oberholzer und dem Spitalrat für die transparente und konsequente Aufarbeitung. Insbesondere danke ich Spitalratspräsident André Zemp und der CEO Monika Jänicke, die damals noch nicht im Amt waren, für die übernommene Verantwortung.»
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Die Zahlen der Administrativuntersuchung sind in der Tat erschreckend. Auf Basis von 4500 Operationen wurde unter dem ehemaligen Klinikleiter Francesco Maisano eine Übermortalität von 68 bis 74 Fällen errechnet. In 11 Fällen stuft die Kommission Todesfälle als nicht erwartbar ein, in 13 Fällen war der Einsatz von Medizinprodukten unangemessen. Hier ging es nicht um Pech, sondern um ein strukturelles und personelles Totalversagen. Prof. René Prêtre, Experte der Untersuchungskommission, sprach an der Pressekonferenz offen davon, es sei Maisano nicht das Patienteninteresse im Vordergrund gestanden, sondern sein Interesse an einer experimentellen Behandlung und Nutzung neuer Geräte in der Herzchirurgie.
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Richtig ist, dass das USZ nun Transparenz schafft und die strafrechtliche Prüfung einleitet. Das ist überfällig. Ebenso richtig ist, dass Betroffene entschädigungs- und beratungsmässig begleitet werden müssen. Aber die eigentliche Lehre bleibt: Wenn eine öffentliche Institution wie das USZ über Jahre hinweg auf Selbstkontrolle statt auf echte Kontrolle setzt, dann wird am Ende nicht nur Vertrauen zerstört, sondern auch politisches Kapital verbrannt. Die Schuldigen von damals sind längst nicht mehr an Bord. Aufräumen und Handeln müssen jetzt andere.