Es war, als hätte jemand im Rittersaal des Schlosses Rapperswil nicht nur das Licht gedimmt, sondern gleich auch die Milde des Chronisten aus der Stadt Zürich. Mit Vehemenz wird von da aus auf einen Hirsch eingeprügelt, der noch nicht einmal weiss, wie er heissen soll. Ein Tier ohne Namen, aber mit Schuld.
Vom Waschbär zum Wunderhirsch
Ja, der Waschbär «Leyki» geht in Rente, der Hirsch kommt. Evolution im Zeitraffer, vom nachtaktiven Plüschtier zum stolzen Waldbewohner. Dass Maskottchen selten den Literaturnobelpreis gewinnen, war schon vorher bekannt. Aber nun gleich das arme Tier zur Strecke bringen? Da schwingt einer den Federhalter wie ein Jagdgewehr.
Ein Fall für den Tierschutz?
Wer so hart über einen unschuldigen Hirsch richtet, der noch keinen einzigen Fehltritt gemacht hat, gefährdet ein junges Maskottchenleben. Vielleicht braucht es keine Namenssuche, sondern (Stoff-)Tierschutz.
Plädoyer für Gelassenheit
Der Hirsch kann nichts dafür. Nicht für den Zeitpunkt, nicht für den Rittersaal, nicht für die Mitteilung kurz vor der Meisterfeier von Fribourg-Gottéron. Er steht da, mit Geweih und Hoffnung. Und vielleicht – ganz vielleicht – wird er uns irgendwann ans Herz wachsen. Selbst dem strengsten Kolumnisten von der Zürcher Dufourstrasse.