Ein Kriegsfilm mit FSK 6? Wie schlimm kann das schon sein? Fragt vielleicht jemand, der sehr naiv ist und noch nie Die letzten Glühwürmchen gesehen hat. Denn der emotionale Schaden, den man von diesem Anti-Kriegsfilm in Anime-Form davontragen kann, ist doch nicht zu unterschätzen.

Erstmals 1988 parallel zu Mein Nachbar Totoro in Japan veröffentlicht, soll der Film von Studio Ghibli-Mitbegründer Isao Takahata nun auch flächendeckend in die deutschen Kinos kommen, nachdem er bisher eher im Rahmen von Spezialprogrammen auf hiesigen Leinwänden zu sehen war. Sony Pictures Germany und Crunchyroll haben diese Wiederaufführung für den 30. Juni dieses Jahres angekündigt.

Anime-Meisterwerk Die letzten Glühwürmchen: Krieg aus Kindesaugen

Das Re-Release von Die letzten Glühwürmchen kommt zu einem passenden Zeitpunkt. Schließlich leben wir zu einer Zeit, in der nicht wenige versuchen, unzählige Kinder als Kriegsopfer unter den Teppich zu argumentieren. Da schadet es nicht, sich mit einem Film wie diesem daran zu erinnern, dass es immer auch Unschuldige gibt, denen Krieg jenseits der von Sesselgenerälen diskutierten Politik einfach widerfährt.

In Die letzten Glühwürmchen widerfährt Krieg den Geschwistern Seita (Tsutomu Tatsumi) und Setsuko (Ayano Shiraishi), deren Geschichte auf einer autobiografischen Kurzgeschichte des Überlebenden Akiyuki Nosaka basiert. Nachdem die Mutter beim Bombenhagel auf die Stadt Kobe getötet wurde, versucht der 14-jährige Junge sich mit aller Kraft um seine 4-jährige Schwester zu kümmern. Doch das Essen ist knapp und kleine Glücksmomente können nur kurz über das allgegenwärtige Elend hinwegtäuschen.

Für viele ist Die letzten Glühwürmchen ein hervorragender Film, den sie nie wieder sehen wollen. Damit platziert Takahatas Anime sich in der Nachbarschaft traumatischer Kriegsdramen wie Komm und sieh, macht uns die Sache aber historisch nicht ganz so einfach. Denn während der sowjetische Film einem Jungen aus einem der überfallenen Länder im Zweiten Weltkrieg folgt, stammen Seita, Setsuko und ihre Geschichte aus dem Aggressorland Japan. Ein Fakt, der aber nur bei ganz zynischen zur Empathiebremse wird.

Auf Moviepilot genießt Die letzten Glühwürmchen jedenfalls großes Ansehen. Zum einen wählte die Community den Titel mit einer sehr starken 7,8 auf den Platz 3 der besten Anime-Filme und Platz 9 der besten Animationsfilme aller Zeiten. Darüber hinaus stellte die Redaktion ihn zum 40. Jubiläum von Studio Ghibli auf einen der oberen Plätze im Film-Ranking.

Kann man Die letzten Glühwürmchen auch streamen?

Wer nicht bis zur Wiederveröffentlichung von Die letzten Glühwürmchen im Sommer warten möchte, kann den Film natürlich auch jederzeit jetzt schon streamen. Er liegt, wie die meisten Produktionen aus dem Studio Ghibli, im Abo-Angebot von Netflix vor.