Kurzfassung des Artikels:
Marian Zech ist der Künstler hinter auffälligen Graffitis in Geeste-Dalum und Meppen.

Er betreibt zudem seit rund 5 Jahren mit seiner Frau Maren Zech das Tattoo-Studio „Blaec-Tattookunst“ in Dalum.

Der Künstler sprayt seine Graffitis oft auf eigene Initiative mit Genehmigung der Kommunen und legt großen Wert auf künstlerische Freiheit sowie die eigene Interpretation seiner Motive durch den Betrachter.

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Violette Hände vor mintgrünem Hintergrund auf einem Trafogebäude in Dalum, ein zerteilter Fisch auf einem Brückenpfeiler in Geeste und zwei Gesichtshälften an der B70-Emsbrücke in Meppen – wer steckt hinter diesen Graffitis? Diese Frage möchte Marina Zech aus dem Geester Ortsteil Dalum beantworten und wandte sich zur Aktion „Mein Ort, meine Geschichte“ an unsere Redaktion.

Denn hinter diesen Kunstwerken steckt ihr Sohn Marian Zech. Mit dem Mutter-Sohn-Duo treffen wir uns am Mehrgenerationenspielplatz in Dalum. Hier prangt eins seiner Werke.

Seit rund zwei Jahren schmückt dieses Bild ein Trafogebäude am Mehrgenerationenspielplatz in Dalum.
Foto: Lars Schröer

Seit rund zwei Jahren schmückt dieses Bild ein Trafogebäude am Mehrgenerationenspielplatz in Dalum.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Die 60-Jährige findet es schade, dass Menschen gar nicht wüssten, wer der Künstler ist. Er selbst hätte sich nicht gemeldet, sagt der 34-Jährige. Er spricht bereitwillig vor seinen Werken in Geeste. Schnell wird deutlich, welche Leidenschaft er für seine Kunst hat. Auch wenn er später sagt: „Es hat ewig gedauert, mich ‚Künstler‘ zu nennen.“

Marina Zech (m.) unterstützt die Kreativität ihres Sohnes. Sie hat ihn und seine Arbeit für einen Themen-Walk mit unserer Redaktion vorgeschlagen.
Foto: Lars Schröer

Marina Zech (m.) unterstützt die Kreativität ihres Sohnes. Sie hat ihn und seine Arbeit für einen Themen-Walk mit unserer Redaktion vorgeschlagen.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Seine Mutter nennt ihn den „Banksy von Dalum“. Aber er widerspricht ihr direkt: „Für einen Künstler ist es das Schlechteste, mit einem anderen Künstler verglichen zu werden.“ Dennoch versteht er den Vergleich – auch er arbeitet gern mit Stencils (Schablonen).

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Vielseitiges Repertoire – von Ölmalerei über Tattoos bis Graffiti

Sein Atelier, nur wenige Schritte weiter, gewährt einen umfassenden und eindrucksvollen Einblick in das Repertoire des Künstlers. An den Wänden alte Leuchtreklamen von Volkswagen und Burger King, ein Sofa mit Blick auf ein selbst gesprühtes Graffiti, Spraydosen liegen ordentlich gestapelt im Regal und zahlreiche Rahmen und Leinwände zieren die Mauer.

Der Künstler in seinem Atelier: Hier kann er variieren und ausprobieren.
Foto: Lars Schröer

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Bereits in der Fachoberschule Gestaltung ist er mit den verschiedensten Gestaltungstechniken in Berührung gekommen. Auch heute probiert er gerne noch Dinge aus. Sein aktuelles Lieblingsmotiv: „Sterne. Aber das kann nächste Woche anders sein.“

Gemälde mit Acryl- oder Ölfarben hängen neben einem Linoldruck und den Skizzenbüchern mit Bleistiftzeichnungen auf seinem Schreibtisch. Im Nebenraum schraubt er an alten Autos. Es ist bunt und doch wirkt es, als habe alles seinen Platz. Was zu seiner Arbeitsweise passt: „Ich bin schon durchgeplant im Kopf.“ Während Zeichnen zu seinem Job gehört, ist das Sprayen eins seiner Hobbys.

„Blaec Tattookunst“: Das eigene Studio seit fünf Jahren in Geeste

„Marian ist immer schon künstlerisch aktiv gewesen“, erzählt seine Mutter. Bleistiftzeichnungen waren „das Ding, was immer ging“, sagt Marian Zech. Auch beruflich schlägt er eine kreative Laufbahn ein: Vor knapp 13 Jahren beginnt er eine Ausbildung zum Mediengestalter und seit rund fünf Jahren betreiben er und seine Frau Maren Zech das eigene Tattoo-Studio „Blaec-Tattookunst“.

 Ihr Studio „Blaec“ haben Marian und Maren Zech eher im „cleanen Stil“ gestaltet. Bei den Tattoos an ihrer Seite: Die Hunde Nacho und Luna.
Foto: Lars Schröer

 Ihr Studio „Blaec“ haben Marian und Maren Zech eher im „cleanen Stil“ gestaltet. Bei den Tattoos an ihrer Seite: Die Hunde Nacho und Luna.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Von außen recht unscheinbar liegt es mitten in ihrer Dalumer Wohnsiedlung. Beide sind sich nicht einmal sicher, ob ihre Nachbarn davon wissen. Für beide war es ein kleiner Traum: „Es ist schon wild, mit Kunst Geld zu verdienen“, sagt Maren Zech.

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Weltweit mit Spraydosen unterwegs: Auf eigene Initiative

Graffitis sprayt Marian Zech bereits länger. Seine Bilder finden sich aber nicht nur in seiner Heimat im Emsland. „Ich bin auch schon mit Dosen geflogen“, berichtet er. Fuerteventura, Schweden, Kroatien und in Mexiko mitten in der Wüste: An diesen und weiteren Orten hat er seine Werke hinterlassen.

Bei den Graffitis an dem Trafogebäude und der Emsbrücke nahe Hallenbad in Meppen hat er auf eigene Initiative bei der Kommune und Westnetz angefragt. „Das sah immer super schäbbig aus“, sagt er. „Ich habe gedacht: Das geht auch schöner.“ Materialien – etwa 15 Spraydosen – und Zeit stellte er selbst.

Die Anwohner scheinen das ähnlich zu sehen, die Reaktionen seien positiv. Eine Anwohnerin am Mehrgenerationenspielplatz spricht Marian Zech während des Gesprächs hoffnungsvoll an: „Machst du bald die anderen Seiten?“

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Die Gemeinde sei offen gewesen, habe allerdings Zweifel geäußert, ob sein Motiv nicht bald übersprüht würde. Bisher unbegründet: Jetzt prangt sein Motiv mit einer von zwei Händen gehaltenen Blume rund zwei Jahre unberührt an der Stelle. Dahinter steckt ein ungeschriebener Ehrenkodex von Sprayern, die etwas auf sich halten: Graffitis nur übersprühen, wenn man es besser kann.

Graffitis und Motive: Warum er kein Auftragssprayer sein will

Was reizt ihn an diesen Graffitis? „Die Größe“ und das Arbeiten an der frischen Luft, antwortet der Dalumer. Trotzdem könne er sich nicht wirklich vorstellen, als Sprayer Auftragsarbeiten zu sprühen. „Wenn, dann will ich meine Motive umsetzen.“ Ihm liegt viel an seiner Freiheit dabei. „Da ist man zu viel Künstler, als dass man sich da gerne reinreden lässt.“

An einem Brückenpfeiler in Geeste hat sich Marian Zech ebenfalls mit Erlaubnis verewigt.
Foto: Lars Schröer

An einem Brückenpfeiler in Geeste hat sich Marian Zech ebenfalls mit Erlaubnis verewigt.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Welche Gedanken stecken hinter seinen Motiven? „Ich erkläre super ungern meine Bilder“, erwidert er. Er überlasse die Interpretation lieber den Betrachtern. Schmerz sei in seinen Bildern nicht zu finden. Stattdessen Freiheit, Harmonie und Liebe. „Liebe und Harmonie findet in meinem Kopf statt, deswegen findest du das auch in meinen Bildern.“

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Sein Traum für die Zukunft? „Riesen-Fassaden-Bilder“ zu malen, die man aus Großstädten kennt.