Wechsel im Vorstand | 6. Mai 2026
Weil Präsident Reto Müller bald im Regierungsrat sitzt, benötigt der Verband bernischer Burgergemeinden und burgerlicher Korporationen (VBBG) ein neues Präsidium. Am Samstag ernannten die Delegierten in Niederbipp Grossrätin Verena Aebischer zur Präsidentin. Anna de Quervain, Urs Kreuz und Anton Lanz wurden ebenfalls neu in den Vorstand gewählt.

Grossrätin Verena Aebischer präsidiert neu den Verband bernischer Burgergemeinden und burgerlicher Korporationen (VBBG).Foto: zvg
Am Samstag and in Niederbipp die diesjährige Hauptversammlung des VBBG statt. Für Reto Müller war es der letzte Auftritt als VBBG-Präsident. Der Langenthaler SP-Politiker wurde im März in den Berner Regierungsrat gewählt.
Die rund 180 Delegierten aus dem ganzen Kanton wählten Verena Aebischer zur neuen Präsidentin. Die SVP-Politikerin aus Guggisberg sitzt seit 2016 im Grossen Rat arbeitet im Kanton Freiburg als Gemeindeschreiberin. Daneben engagiert sich die Guggisberger Burgerin unter anderem als Sekretärin im Landwirtschaftlichen Verein Gantrisch und als Vizepräsidentin der IG Ländlicher Raum.
Bruno Gygax, Fritz Nikles und Christoph Bürgi treten ab
Neu in den Vorstand gewählt wurden auch die Grüne-Grossrätin Anna de Quervain (Zunftgesellschaft zu Metzgern, Bern), Urs Kreuz (Burgergemeinde Kappelen) und Anton Lanz (Burgergemeinde Huttwil).
Sie folgen auf die drei abtretende Mitglieder. Vizepräsident Bruno Gygax aus der Burgergemeinde Seeberg war seit 2015, im Vorstand, Christoph Bürgi aus der Burgergemeinde Burgdorf seit 2021 und Fritz Nikles aus der Burgergemeinde Worben, der seit 2014 Vorstandsmitglied war.
Verband lanciert eigene GEVER-Lösung
Das vergangene Verbandsjahr war geprägt durch das GEVER-Projekt des VBBG, wie Präsident Reto Müller ausführte. Bekanntlich müssen bis am 1. März 2027 alle Gemeinden im Kanton Bern digital arbeiten – auch Burgergemeinden, burgerliche Korporationen und Gemeindeverbände. Bis dahin sind alle Gemeindekörperschaften verpflichtet, ein so genanntes GEVER (digitales Geschäftsverwaltungsprogramm) einzuführen.
Da dies für viele Gemeindekörperschaften finanziell und personell kaum stemmbar ist, hat der VBBG 2025 gemeinsam mit der Burgergemeinde Bern eine webbasierte Gever-Lösung im Mandantenverbund lanciert.
Inzwischen beteiligen sich rund 165 burgerliche Körperschaften an diesem Projekt, rund 20 Burgergemeinden arbeiten inzwischen sogar bereits mit der Gever-Lösung des VBBG.
Funktioniert kollektives Eigentum überhaupt?
Im Anschluss an die Versammlung referierte Elias Bricker (Geschäftsführer des Verbands Schweizerischer Bürgergemeinden und Korporationen SVBK) darüber, wie Burgergemeinden und Korporationen in der Schweiz mit dem Thema Boden umgehen. Er ging dabei unter anderem darauf ein, dass Burgergemeinden in der Regel kein Boden verkaufen, sondern diesen nur im Baurecht abgeben. Zudem ging er der Frage nach, ob kollektives Grundeigentum überhaupt funktionieren könne. Er zeigte dabei historische Entwicklungen der Allmenden in der Schweiz auf.
Verband bernischer Burgergemeinden und burgerlicher Korporationen (VBBG)
Der 1947 gegründete Verband bernischer Burgergemeinden und burgerlicher Korporationen (VBBG) setzt sich für die Interessen der burgerlichen Körperschaften ein. Im Kanton Bern gibt es rund 250 Burgergemeinden, Gemischte Gemeinden und burgerliche Korporationen. Dazu kommen über dreissig altrechtliche Allmendkörperschaften gemäss kantonalem Einführungsgesetz des Schweizerischen Zivilgesetzbuches.
Die burgerlichen Körperschaften besitzen rund ein Viertel der Waldfläche des Kantons Bern. Zum Eigentum der Burgergemeinden gehören zudem landwirtschaftlich genutzte Flächen, darunter auch Rebanbauflächen, Obstplangagen und Alpgebiete. Mehrere Burgergemeinden und burgerliche Korporationen sind überdies für das Sozialwesen ihrer Burgerinnen und Burger zuständig, dafür betreiben sie eigene Sozialdienste sowie eine burgerliche Kindes- und Jugendschutzbehörden (bKESB).
Darüber hinaus engagieren sich die Burgergemeinden und burgerlichen Korporationen in den Bereichen Kiesabbau, (gemeinnütziger) Wohnbau, Immobilien, Gastronomie, Kultur, Jugend, Sportförderung, Gesellschaft und so weiter. Im Fokus ihres Engagements steht stets das Wohl der Allgemeinheit.