Der Schweizer Geheimdienst hat überraschend Einblick in die Akte über den KZ-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele gewährt. Das teilte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mit. Das Dossier könnte Informationen enthalten, ob die Schweizer Behörden
den international gesuchten Nazikriegsverbrecher möglicherweise im März
1961 aus dem Ort Kloten im Kanton Zürich entkommen ließen.

Mehrere Historiker hatten in den vergangenen Jahren Einsicht in die Akte »Mengele Josef« im Schweizer Bundesarchiv beantragt. Der NDB wies sie unter Verweis auf den Quellenschutz stets ab.

Grund für die Öffnung der Akte ist laut NDB ein Beschluss des Schweizer Bundesrats vom Dezember 2001. Dieser sehe vor, bestimmtes Archivgut »liberaler« einsehen zu lassen. Man sei dabei, die Zugangspraxis generell zu überprüfen.

Grausame Versuche an Häftlingen

Mengele hatte als SS-Arzt im Konzentrationslager Auschwitz Tausende Menschen ermordet und grausame Versuche an Häftlingen durchgeführt. Rund 15 Jahre nach dem Krieg floh er nach Südamerika und starb dort 1979, ohne je zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

Zuletzt hatte der Nachrichtendienst laut Schweizer Medienberichten argumentiert, für das Dossier gelte eine Schutzfrist von 80 Jahren. Weil darin Informationen ausländischer Geheimdienste eingeflossen seien, würde deren vorzeitige Freigabe die Vertrauenswürdigkeit der Schweiz untergraben. Zudem würden Mengele und seine Nachkommen »durch eine Einsichtnahme in ihrem privaten Interesse tangiert«.

Ein Historiker zog gegen diese Argumentation vor das Bundesverwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer werde nun »unter noch zu definierenden Auflagen und Bedingungen Zugang« zu dem Dossier erhalten, hieß es nun. Auch über dieses Beschwerdeverfahren hinaus werde die Akte Mengele »künftig unter denselben Auflagen und Bedingungen zugänglich« sein.

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