Bald fällt der Startschuss | 7. Mai 2026

16,093 Kilometer – und mittendrin du, vielleicht zum ersten Mal. Du bist nicht allein: 7325 der 17’674 Läuferinnen und Läufer über die 10 Meilen feiern dieses Jahr ihre Premiere. Damit du am Grand Prix vor heimischem Publikum nicht einbrichst, kommen hier die wichtigsten Tipps.

Am kommenden Samstag gehört die Stadt Bern den Läuferinnen und Läufern – rund 17'674 haben sich für den 16,093 Kilometer langen Lauf angemeldet.

Am kommenden Samstag gehört die Stadt Bern den Läuferinnen und Läufern – rund 17’674 haben sich für den 16,093 Kilometer langen Lauf angemeldet.Fotos: Max Saladin

Wie der Sprung in die Aare gehört der Grand Prix Bern für viele fix in die Agenda. Jahr für Jahr stehen sie am Start, binden routiniert ihre Laufschuhe und wissen ziemlich genau, was sie erwartet: 10 Meilen oder 16,093 Kilometer vorbei am Bärengraben, über die Nydeggbrücke, durch die Altstadt mit Zytglogge und Rathaus, entlang der Aare in den Dälhölzliwald, zurück Richtung Bundeshaus und Münster – und zum Schluss der berüchtigte Aufstieg am Aargauerstalden. Eine Herausforderung, die jedes Jahr aufs Neue reizt.

Seit dem 2. April sind die 35’000 Startplätze am Original-GP und am Altstadt-GP ausverkauft. 7325 der 17’674 Läuferinnen und Läufer, die die 10 Meilen laufen, stehen dieses Jahr zum ersten Mal am Start. Für sie kommen hier zehn Tipps – damit sie am Aargauerstalden alte Hasen überholen und den grossen Auftritt an der Ziellinie nicht verpassen.

Moser & Schelker geben ihre Premiere

Simon Moser und Michel Schelker (rechts) vom Duo Moser & Schelker stehen dieses Jahr erstmals auch am Start.

Simon Moser und Michel Schelker (rechts) vom Duo Moser & Schelker stehen dieses Jahr erstmals auch am Start.Foto: Denise Jacob

Am Samstag stehen auch Moser & Schelker, bekannt aus dem Podcast «Die Sprechstunde» erstmals am Start. Wie sie sich auf ihr GP-Debüt vorbereiten – und welche Tipps sie anderen Neulingen geben – liest und siehst du morgen hier auf der Plattform J.

1. Routine auf dem Teller

Am Vorabend landen Pasta, Reis oder Brot auf deinem Teller. Leicht, bekannt, gut verträglich. Was du jetzt nicht brauchst: kulinarische Experimente. Der Darm reagiert auf Nervosität sensibel – und du willst laufen, nicht unterwegs eine ungeplante Pause einlegen.

Am Lauftag selbst gilt: Die letzte grössere Mahlzeit etwa drei bis vier Stunden vor dem Start, damit dein Körper genügend Zeit hat, sie zu verdauen. Kurz vor dem Start kannst du – wenn du es gewohnt bist – mit einem kleinen Snack wie einem Energieriegel oder Gel nachhelfen. Generell gilt: Bleib bei dem, was du kennst und verträgst – der Renntag ist nicht der Moment für Neues.

Mit Musik oder ohne – Hauptsache ausgeschlafen, gut verpflegt und mit guter Laune, um die 10 Meilen gut ins Ziel zu bringen.

Mit Musik oder ohne – Hauptsache ausgeschlafen, gut verpflegt und mit guter Laune, um die 10 Meilen gut ins Ziel zu bringen.

2. Schlafen wie ein Weltmeister

Die Pasta-Party ist vorbei, draussen ist es noch warm, die Bars sind belebt, und das Feierabendbier lockt verführerisch – und du gehst trotzdem nach Hause.

Acht Stunden Schlaf sind mehr wert als jede spontane Verlängerung des Abends. Auch wenn dein Start erst am Nachmittag erfolgt: Bleib in deinem gewohnten Schlafrhythmus und geh zur üblichen Zeit ins Bett. Im Schlaf regenerieren sich deine Muskeln und dein Körper verarbeitet die Energie, die du ihm am Vortag zugeführt hast – wer hier spart, merkt das am nächsten Tag in den Beinen.

3. Wärme dich auf – aber übertreib es nicht

Ein paar Minuten locker einlaufen, Beine mobilisieren, vielleicht ein kurzer Sprint – mehr braucht es nicht. So bringst du deinen Kreislauf in Schwung, aktivierst die Muskulatur und bereitest deinen Körper auf die Belastung vor. Die zehn Meilen kommen noch früh genug.

Um gut durchzustarten, helfen ein lockeres Aufwärmen, passende Kleidung und ein «Doppelchnüppel».

Um gut durchzustarten, helfen ein lockeres Aufwärmen, passende Kleidung und ein «Doppelchnüppel».Foto: Keystone

4. Timing ist alles – auch bei Kaffee und Co.

Kaffee kann dir vor dem Start helfen: Koffein aktiviert dein Nervensystem und lässt die Anstrengung geringer wirken. Es wirkt aber nicht sofort – meist erst nach 20 bis 30 Minuten – und regt gleichzeitig die Verdauung an.

Plane ihn also so, dass du nicht fünf Minuten vor dem Start nervös Richtung MobiToil sprintest. Trink Kaffee nur, wenn du ihn gewohnt bist – und früh genug. Wasser bleibt die sichere Basis, und wenn du isotonische Getränke kennst, kannst du auch damit nachhelfen. Und erledige alles, was erledigt sein muss, bevor du im Startblock stehst.

5. Zieh dich für unterwegs an und mache den «Doppel-Chnüppel»

Im Schatten am Start ist es kühl. Zehn Minuten später nicht mehr. Wenn dir leicht frisch ist, passt es. Dein Körper produziert beim Laufen schnell Wärme – zu warme Kleidung führt dazu, dass du überhitzt und schneller ermüdest. Die Prognose sagt: sonnig, leicht bewölkt, rund 20 Grad – ideales Laufwetter. Und ja: Mach bei deinen Laufschuhen den doppelten «Chnüppel» – drei Sekunden jetzt sparen dir später einen unfreiwilligen Boxenstopp.

Nicht gleich zu Beginn den Turbo zünden, sondern mit Köpfchen laufen …

Nicht gleich zu Beginn den Turbo zünden, sondern mit Köpfchen laufen …

… und auch wenn dich das Publikum zu Höchstleistungen antreibt, bleib bei deinem Rhythmus.

… und auch wenn dich das Publikum zu Höchstleistungen antreibt, bleib bei deinem Rhythmus.

6. Starte langsamer, als du willst

Die Menge setzt sich in Bewegung, die Stimmung trägt dich, die Beine fühlen sich leicht an. Genau hier passiert es: Du bist zu schnell. Halte dich zurück. Dein Körper verbraucht zu Beginn sonst zu viel Energie und produziert vermehrt Laktat – ein Stoffwechselprodukt, das entsteht, wenn die Belastung zu hoch ist und deine Muskeln schneller ermüden lässt. Die Strecke wird dir noch genug abverlangen.

7. Lauf mit dem Kopf – nicht nur mit den Beinen

Teile dir die Strecke ein: Altstadt, Aare, Wald, zurück in die Stadt. Denk in Abschnitten, nicht in Kilometern. So wirkt die Distanz überschaubarer, und dein Kopf bleibt ruhiger – sonst werden aus 16 Kilometern plötzlich eine Ewigkeit. Und wenn dich die Zuschauer pushen – geniesse es, aber bleib bei deinem Rhythmus.

Trinken, sich erfrischen – auch wenn es nicht dem Knigge entspricht. Sonst droht ein Leistungseinbruch.

Trinken, sich erfrischen – auch wenn es nicht dem Knigge entspricht. Sonst droht ein Leistungseinbruch.Foto: Keystone

8. Trink – auch wenn es nicht elegant aussieht

Du greifst den Becher, drückst ihn leicht zusammen, nimmst einen Schluck – ein grosser «Gutsch» landet auf deinem T-Shirt. Ganz normal. Wichtig ist, dass überhaupt etwas ankommt. Schon ein kleiner Flüssigkeitsverlust kann deine Leistungsfähigkeit spürbar senken.

9. Plane deinen schwachen Moment ein

Er kommt. Vielleicht im Dählhölzliwald, wenn es etwas ruhiger wird, vielleicht am Aargauerstalden, der mit rund neun Prozent Steigung der steilste Abschnitt der Strecke ist. Wenn du ihn erwartest, erschrickst du weniger. Dein Kopf bewertet die Situation als «normal» statt als Krise – und genau das hilft dir, ruhig zu bleiben, und ein paar Minuten später läuft es wieder besser.

Ein Bild, das in Erinnerung bleibt – also feiere deinen Zieleinlauf, wie es der letztjährige Zweitplatzierte Dominik Rolli vorgemacht hat.

Ein Bild, das in Erinnerung bleibt – also feiere deinen Zieleinlauf, wie es der letztjährige Zweitplatzierte Dominik Rolli vorgemacht hat.

10. Behalte beim Zieleinlauf Contenance

Du biegst ein, hörst die Zuschauer, spürst die letzten Meter in den Beinen. Jetzt nicht mehr kämpfen, sondern aufnehmen: den Moment, die Stimmung, dein erstes Mal GP Bern. Das bleibt. Und vergiss nicht: Im Ziel wartet das Zielfoto – also Kopf hoch, lächeln und kurz so tun, als wäre alles ganz locker gewesen.