Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit Pantera 1996 ihr aggressives achtes Studioalbum THE GREAT SOUTHERN TRENDKILL veröffentlichten. Während der Vorgänger FAR BEYOND DRIVEN 1994 bereits als härtestes Pantera-Album durch die Szene fegte, entpuppte sich der Nachfolger in weiten Teilen als noch brachialer und emotional aufgewühlter. Ein Album, das nicht nur musikalisch, sondern auch bandintern an den Rand des Zerreißens führte. Anlässlich des heutigen Jubiläums blicken wir zurück auf die Entstehungszeit.

Zwischen Welterfolg und innerem Zerfall

Mitte der Neunziger ritten Pantera eigentlich die Welle ihres internationalen Erfolgs. COWBOYS FROM HELL (1990), VULGAR DISPLAY OF POWER (1992) und FAR BEYOND DRIVEN (1994) hatten die Texaner in Rekordzeit in die erste Metal-Liga katapultiert. Doch hinter den Kulissen sah die Realität düster aus. Frontmann Phil Anselmo entfernte sich zunehmend von der Band, kämpfte mit körperlichen Beschwerden und suchte nach eigenen Aussagen in der VH1-Dokuserie ‘Behind The Music’ (2006) Wege, mit den Schmerzen umzugehen, welche ihn zu den Drogen führten. Die Spannungen zwischen ihm und seinen Bandkollegen Dimebag Darrell, Rex Brown und Vinnie Paul wuchsen – und prägten die Entstehung des Albums.

Symbolisch dafür stehen die getrennten Aufnahmen: Anselmo nahm seinen Gesang in New Orleans in den Nothing Studios auf, während der Rest der Band in Dalworthington Gardens arbeitete. Es sollte das letzte Pantera-Album werden, das von Terry Date produziert wurde – ein kreatives Bündnis, das seit COWBOYS FROM HELL (1990) Bestand hatte.

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Musikalischer Sturm aus Wut und Wahnsinn

Musikalisch ist THE GREAT SOUTHERN TRENDKILL ein wilder Hybrid: irgendwie Thrash, irgendwie Death, aber vor allem Groove Metal in seiner schönsten Form. Heute gilt es als Panteras härtestes und aggressivstes Werk – und gleichzeitig als eines ihrer experimentellsten.

Die Band scheut bekanntermaßen keine Extreme und folgt keinen Konventionen, wie sich auch auf ihrem Achtwerk wieder zeigt. ‘Suicide Note Pt. I’ überrascht mit Akustikgitarren, Keyboards und balladesker Atmosphäre. ‘Suicide Note Pt. II’ hingegen explodiert kontrastierend dazu in purer Raserei. ‘Floods’ enthält ohne Frage ein Juwel von Dimebag Darrells Vermächtnis: laut Guitar World ist das Solo auf Platz 32 der besten Soli aller Zeiten.

Thematisch schlägt das Album in eine bekannte Kerbe: Wut auf Medien, Gesellschaft, Heuchelei und innere Dämonen. Der US-Amerikanische Rolling Stone schrieb 1996 treffend: „Pantera greift Polizisten und Kriminelle, Süchtige und Sucht, Angeber und Punks, die Wohlhabenden und die Unterschicht mit gleicher Schärfe an.“

Erfolg trotz Chaos

Trotz der schwierigen Umstände wurde das Album ein kommerzieller Erfolg. In den USA erreichte es Platz 4 der Billboard 200 und später den Platinstatus. Die beste Chartplatzierung gelang Pantera in Australien mit Platz 2, während es in Deutschland immerhin auf Platz 29 kletterte.

Tour, Tragödie und Vermächtnis

Die anschließende Tour mit Eyehategod und White Zombie wurde überschattet von einem dramatischen Vorfall: Anselmo erlitt eine schwere Überdosis und war mehrere Minuten lang klinisch tot, bevor er wiederbelebt wurde. Ein Ereignis, das die ohnehin fragile Banddynamik weiter belastete.

Trotz allem brachte das Album Klassiker hervor, die bis heute fester Bestandteil der Metal-DNA sind. Die beiden Teile von ‘Suicide Note’ wurden 1997 für einen Grammy nominiert, und zur Single ‘Drag The Waters’ erschien ein Musikvideo, das Panteras düstere Ästhetik der Ära perfekt einfängt.

Das vollständige Musikvideo seht ihr hier:

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30 Jahre später wirkt das Album wie ein Dokument einer Band, die am Abgrund tanzt – und gerade deshalb ist es so intensiv. Es bleibt ein Werk, das zeigt, wie kreativ und großartig Pantera sein konnten, selbst wenn sie innerlich auseinanderdrifteten.


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