Christoph Marti über sein Bern-Comeback | 7. Mai 2026

Christoph Marti und Tobias Bonn – bestens bekannt als zwei Drittel der «Geschwister Pfister» – kehren die nächste Saison von Bühnen Bern mit dem Dauerbrenner «My Fair Lady» ans Stadttheater zurück. Und mit ihnen: Regisseur Axel Ranisch, der schon «La Cage aux Folles» zu einem Triumph gemacht hat. Ein Gespräch über Paraderollen, freiwillige Unsympathen sowie eine Kostümschwärmerei für die Rolle der Mrs. Higgins. Und ob ein fester Wohnsitz in Bern bald eine Variante wird.

Den gebürtigen Berner und Wahl-Berliner Christoph Marti (links) zieht es mit seinem Partner Tobias Bonn, hier bei einem Ausflug auf dem Wannsee, immer wieder in die Heimat, und das hat öfter auch berufliche Gründe.

Den gebürtigen Berner und Wahl-Berliner Christoph Marti (links) zieht es mit seinem Partner Tobias Bonn, hier bei einem Ausflug auf dem Wannsee, immer wieder in die Heimat, und das hat öfter auch berufliche Gründe.Foto: Geschwister Pfister

Es ist kein Zufall, dass Christoph Marti und Tobias Bonn immer wieder nach Bern zurückkehren. Es ist eine Liebesgeschichte – und eine erstaunlich produktive dazu. «Hello, Dolly!», «Coco», «La Cage aux Folles»: Das Vierspartenhaus, das heute unter dem Namen Bühnen Bern firmiert, hat sich für das Paar zu einer künstlerischen Heimat entwickelt, die weit über ihr gemeinsames Dasein als Ursli und Toni Pfister hinausgeht. Nun also «My Fair Lady» – mit demselben Regisseur, der «La Cage aux Folles» zu einem gefeierten Abend gemacht hat: Axel Ranisch.

Für Marti hat das Stück einen besonderen Klang. 1978 sass er als 13-Jähriger im Stadttheater Bern und schaute sich zum ersten Mal in seinem Leben «My Fair Lady» an – damals noch mit Siegfried Meisner in der Hauptrolle. Der Theatervirus packte ihn in jenem Moment und liess ihn nie mehr los. «Das Berner Stadttheater ist für mich das schönste Theater auf der ganzen Welt», sagt er heute, ohne eine Sekunde zu zögern. «Ein Ort, an dem tatsächlich Träume wahr werden.» Dass er nun selbst auf dieser Bühne in diesem Stück steht – wenn auch nicht als Eliza – empfindet er als «unglaubliches Geschenk».

Ihre Haltung, ihre Grandezza, ihr Stil. Es ist eine kurze Rolle, ja. Aber für mich ist sie die grösste, die beste

Christoph Marti über die Rolle der Mrs. Higgins

Christoph Marti wurde 1965 in Bern geboren und ist auch bekannt als Ursli Pfister …

Christoph Marti wurde 1965 in Bern geboren und ist auch bekannt als Ursli Pfister …Foto: Max Saladin

… und feierte 2024 einen grossen Erfolg als Zaza im Musical «La Cage aux Folles» im Stadttheater Bern.

… und feierte 2024 einen grossen Erfolg als Zaza im Musical «La Cage aux Folles» im Stadttheater Bern.Foto: Rob Lewis

Drei Figuren, ein Schauspieler

Marti spielt in der neuen Produktion gleich drei Rollen: Alfred Doolittle, Mrs. Higgins und Professor Zoltan Karpathy. Eine Bandbreite, die von derber Cockney-Komik bis zur aristokratischen Grandezza reicht. Seine Traumrolle? Eindeutig Mrs. Higgins. «Ihre Haltung, ihre Grandezza, ihr Stil – und natürlich ihre unverhohlene Abneigung gegen ihren berühmten Sohn Henry», schwärmt er. «Ich hätte überhaupt kein Problem damit gehabt, nur diese Rolle zu spielen.» Das Theater und Ranisch sahen das freilich anders: Die Partie sei zu kurz, zu wenig für einen Künstler seiner Qualitäten. Kein eigenes Lied. Marti lässt das nicht gelten: «Klein ist sie deswegen auf gar keinen Fall. Eine kurze Rolle, ja. Aber für mich ist sie die grösste, die beste.»

Am anderen Ende des Spektrums steht Doolittle – und hier hört der Spass auf, zumindest für Marti: «Hinter seiner derben Komik verbirgt sich ein tieftrauriger Mensch, der in seinem Leben nicht viel auf die Reihe gekriegt hat. Das weiss er auch. Niemand kann mich glauben machen, dass es lustig sein soll, ein so schwerer Säufer zu sein.» Scham, Selbstschutz, zwei grosse Nummern. Er freue sich «wahnsinnig» darauf. Über Karpathy hat er noch nicht viel nachgedacht – «vom Namen her ist er auf jeden Fall ein Exzentriker», gibt er zu Protokoll. «Da fällt Axel Ranisch und mir bestimmt etwas sehr Schönes ein.» Die grösste Herausforderung werden ohnehin die Umzüge sein, die raschen Verwandlungen zwischen den drei Figuren. «Aber ich liebe die Verwandlung – sie ist der Grund, weshalb ich zum Theater gegangen bin.»

Christoph Marti als Schlägersängerin Peggy March.

Christoph Marti als Schlägersängerin Peggy March.Foto: Tan Kadam

Tobias Bonn freut sich auf die Rolle von Professor Higgins.

Tobias Bonn freut sich auf die Rolle von Professor Higgins.Foto: Fokke

Und die Absätze von Mrs. Higgins? Offen. Ausstatter Falko Herold – schon bei «La Cage aux Folles» dabei – hat das letzte Wort. Martis Vision ist bereits fertig: «Ein Stilettopumps wird es nicht, wir wollen ja nicht ins Milieu abrutschen. Aber Grösse muss schon sein. Vielleicht eine elegante Hochsteckfrisur, silbernes Haar mit einem Stich ins Lavendel. Graue Seide mit Schleppe, ein bodenlanger Umhang in Schilfgrün, Schmuck en masse, gerne auch einen Stock. Ach, wird das aufregend!»

Einen Unsympathen zu spielen, einen Miesepeter, einen herrschsüchtigen oder selbstverliebten Menschen – das ist eine sehr reizvolle Aufgabe

Tobias Bonn über die Rolle des Professor Higgins

Der freiwillige Unsympath

Tobias Bonn übernimmt Professor Higgins – Sprachgenie, Kontrollfreak, Egomane. Eine Figur, die man leicht zu platt spielen kann. Bonn sieht das anders: «Einen Unsympathen zu spielen, einen Miesepeter, einen herrschsüchtigen oder selbstverliebten Menschen – das ist eine sehr reizvolle Aufgabe.» Den Publikumsbezug fürchtet er nicht: «Jeder von uns kennt doch solche Menschen und hatte schon mit ihnen zu tun. Und wenn im Stück ihr Weltbild ins Schwanken kommt, kann das berührend oder komisch werden.»

Christoph Marti und Tobias Bonn in den Rollen des legendären Schlagerduos Cindy & Bert …

Christoph Marti und Tobias Bonn in den Rollen des legendären Schlagerduos Cindy & Bert …

… und als die fast noch legendäreren Stars Mireille Mathieu und Peter Alexander.

… und als die fast noch legendäreren Stars Mireille Mathieu und Peter Alexander.Fotos: Fokke

Die Koproduktion mit Gisa Flake als Eliza Doolittle verspricht Spannung. Noch kennen sich die beiden nicht persönlich, ein erstes Arbeitstreffen mit Ranisch und Heiko Pinkowski, der Colonel Pickering spielen wird, ist für Juni geplant. «Ich schätze Gisa Flake sehr», sagt Bonn, «und ich bin sicher, dass wir mit ihr eine Eliza haben werden, die Higgins ordentlich was entgegenzusetzen hat.»

Man muss sich mit den Ideen des Regieteams auseinandersetzen, sich anpassen. Was natürlich umgekehrt genauso der Fall sein kann

Tobias Bonn über das Wirken ausserhalb der «Geschwister Pfister»

Zwischen Freiheit und Fremdbestimmung

Die Zusammenarbeit mit Ranisch kennen beide bereits bestens – und sie schätzen sie. Bei den Gastspielen gebe man Verantwortung ab, sagt Bonn, und dürfe sich «nur» auf die eigene Rolle konzentrieren. Ein Luxus, der mit Einschränkungen kommt: «Man muss sich mit den Ideen des Regieteams auseinandersetzen, sich anpassen – und vielleicht mit den Macken einer Kollegin oder eines Kollegen auskommen, den man sich nicht ausgesucht hat.» Kurze Pause. «Was natürlich umgekehrt genauso der Fall sein kann.»

Die Geschwister Pfister mit ihrem Programm «Relaxez-vous» (vlnr): Toni (Tobias Bonn), Ursli (Christoph Marti) und Fräulein Schneider (Andreja Schneider).

Die Geschwister Pfister mit ihrem Programm «Relaxez-vous» (vlnr): Toni (Tobias Bonn), Ursli (Christoph Marti) und Fräulein Schneider (Andreja Schneider).Foto: Fokke/Held

Ihre Eigenproduktionen als «Geschwister Pfister» funktionieren nach anderen Gesetzen: volle Kontrolle, volle Verantwortung. Derzeit tourt Marti solo mit «Peggy March, Frau Huggenberger und ich» – autobiografisches Material mit Bern-Bezug, Mitte Mai geht es nach München und Wien. Eine neue Pfister-Produktion zu dritt, unter dem Arbeitstitel «Pfisters & Friends», ist in Planung, aber noch Zukunftsmusik. «Gut Ding will bekanntlich Weile haben», sagt Marti.

Und der Traum vom Wohnsitz in Bern? Berlin bleibt vorerst Zentrum – dort lässt sich die Eigenproduktion am besten stemmen. «Gegen einen Zweitwohnsitz in Bern hätte ich überhaupt nichts einzuwenden», meint Marti. «Das stelle ich mir sehr schön vor.» Erst «My Fair Lady», dann vielleicht das Haus an der Brückfeldstrasse. Der Theatervirus lässt ihn nicht los. Zum Glück.