„Ich nehme mich nicht so wichtig, ich bin bloß ein Kind aus Deutschland“, sagt der berühmte Hollywood-Regisseur Roland Emmerich am Donnerstagabend bei seiner Stippvisite im Böblinger Gründerzentrum AI xpress. Im Gespräch mit AI xpress-Chefin Kathrin Steinbrink versuchte er aufzuzeigen, wie die künstliche Intelligenz (KI) die Filmbranche verändern wird. „Mann muss immer mit der Technik mitgehen“, sagt der Regisseur, „und am besten man geht der Technik voraus.“
Der Mann, der mit seinen Blockbustern „Independence Day“ und „The Day after tomorrow“ Meilensteine der Tricktechnik geschaffen hat, testet jetzt in diesem Monat selbst die KI. Ein Dorn im Auge ist ihm, dass die KI nie die gleichen Ergebnisse ausspuckt. „Das müssen die reparieren“, sagt er, „damit ich verlässliche Szenen erhalte.“
Die AI xpress-Chefin Kathrin Steinbrink moderierte das Gespräch. Foto: Stefanie Schlecht
Für ihn geht es auch darum, die immensen Produktionskosten der Filme zu senken. „Jeder Film ist ein Unternehmen“, sagt der 70-Jährige, der überhaupt keine Berührungsängste zur KI hat. „Die KI ist ein Werkzeug“, antwortet er auf die Fragen von Kathrin Steinbrink, „ein Werkzeug ist weder gut noch böse. Ein Werkzeug wird auch nicht die Weltherrschaft übernehmen.“ Sie werde auch nie den Menschen ersetzen, denn der Mensch sei es ja, der die KI benutze. Emmerich ist auch ganz sicher, dass in fünf bis sieben Jahren die Tricktechnik in Filmen allein von der KI generiert wird.
Roland Emmerich: Die Verwandtschaft sitzt im Gründerzentrum
Geballte Aufmerksamkeit für den Star: Der Landrat Roland Bernhard (links) und der Oberbürgermeister Stefan Belz (Mitte) Foto: Stefanie Schlecht
Dabei ist ein Film keine Spielwiese. Emmerich hat einen klaren Plan, was er drehen will und wie er es angeht. „Man kann Sachen ausprobieren, aber nicht zu viel“, sagt er, das würden Budgets der Filme nicht her geben.
In Deutschland ist der 70-Jährige einer der Stargäste der weltweit wichtigsten Veranstaltung zum Animationsfilm FMX, die zur Zeit in Stuttgart spielt. Emmerich, der in Sindelfingen aufgewachsen ist und aus der Gründerfamilie der Firma Solo Kleinmotoren kommt, hat in Böblingen einen seiner Verwandten besucht: Marc Emmerich, der im Gründerzentrum Batterien herstellt und erforscht.
KI wird Tricktechnik revolutionieren
Es war eine kleine feine Veranstaltung am Donnerstag mit knapp 100 Besuchern, zu der auch der Böblinger Bürgermeister Stefan Belz und der Landrat Roland Bernhard gestoßen waren. Anwesend waren auch viele Vertreter der örtlichen Industrie und der etwa 50 Start-ups, die im AI xpress untergekommen sind.
Aus dem Publikum wurde Roland Emmerich gefragt, ob er sich angesichts der politischen Entwicklungen Sorgen um die Bundesrepublik Deutschland mache. „Nein“, sagte der Regisseur, „aber um Amerika unter Donald Trump mache ich mir Sorgen.“
Nach den Fragen des Publikums überreicht ein hoffnungsvoller junger Mann Roland Emmerich seinen ersten Film – in der Hoffnung, von ihm gefördert zu werden. Vielleicht klappt es ja, und dann wäre das Böblinger Gründerzentrum wieder der Start für eine neue Karriere gewesen, wenn auch in einer Branche, die mit den Technikern im Gründerzentrum bislang wenig zu tun hatte.