Ein Traumhaus am Zürichsee, kostenlos – doch das Inserat richtet sich nur an Frauen mit einem ganz bestimmten Lebensstil.

DDLGDer Anbieter veröffentlichte das Wohninserat zusammen mit einem Gruppenfoto. Die Gesichter wurden von Nau.ch anonymisiert. – Facebook/Wohnen gegen Hand unzensiert

Das Wichtigste in Kürze

Ein Mann bot gratis Wohnen am Zürichsee an – mit ungewöhnlichen Bedingungen.

Das Inserat richtete sich an Frauen, die einen intimen Rollenspiel-Lebensstil mittragen.

Der Anbieter bestreitet sexuelle Absichten – Experten warnen vor Abhängigkeitsrisiko.

Grosses Haus, Pool, Garten, Blick auf den Zürichsee – gratis wohnen, aber mit «DDLG-Vibe». Ein Facebook-Inserat aus Schönenberg ZH hat in einer Gruppe für handfesten Aufruhr gesorgt.

Im Facebook-Inserat wirbt der Anbieter mit einem grossen Haus, Pool, Garten und einem «Little Space / DDLG-Vibe».Im Facebook-Inserat wirbt der Anbieter mit einem grossen Haus, Pool, Garten und einem «Little Space / DDLG-Vibe». – FacebookGesucht wurde laut Inserat keine klassische Mieterin, sondern jemand, der Teil der Hausgemeinschaft werden soll.Gesucht wurde laut Inserat keine klassische Mieterin, sondern jemand, der Teil der Hausgemeinschaft werden soll. – Facebook

Das Angebot lief unter dem Modell «Wohnen gegen Hand»: Wer einzieht, zahlt keine Miete, hilft dafür im Haushalt und Garten. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches: Solche Modelle existieren zuhauf, von Tierbetreuung auf dem Bauernhof bis zur Mithilfe bei älteren Personen.

Für Aufregung sorgte nicht das Modell selbst, sondern zwei Dinge: Das Inserat richtete sich explizit an Frauen und warb mit einem «Safe Space» mit «Little Space / DDLG-Vibe».

Viele Nutzerinnen und Nutzer reagierten irritiert. Manche fragten, was die Begriffe überhaupt bedeuten. Andere sprachen von einem sektenartigen Eindruck oder warnten vor Abhängigkeit.

Unter dem Inserat diskutierten zahlreiche Facebook-Nutzer über den Begriff DDLG und den Hintergrund des Angebots.Unter dem Inserat diskutierten zahlreiche Facebook-Nutzer über den Begriff DDLG und den Hintergrund des Angebots. – FacebookMehrere Kommentare warnten vor dem Wohnmodell oder bezeichneten das Inserat als «gruselig» und «krank».Mehrere Kommentare warnten vor dem Wohnmodell oder bezeichneten das Inserat als «gruselig» und «krank». – FacebookAndere Nutzer verteidigten die Frauen im Kommentarbereich gegen sexistische Aussagen und forderten mehr Respekt.Andere Nutzer verteidigten die Frauen im Kommentarbereich gegen sexistische Aussagen und forderten mehr Respekt. – FacebookEinzelne Kommentierende verglichen das Wohnangebot mit einer Sekte oder äusserten deutliche Zweifel am Konzept.Einzelne Kommentierende verglichen das Wohnangebot mit einer Sekte oder äusserten deutliche Zweifel am Konzept. – Facebook

DDLG steht für «Daddy Dom / Little Girl». Der Begriff stammt aus BDSM-Subkulturen und beschreibt ein Rollenmodell rund um Dominanz und Machtgefälle zwischen einvernehmlich handelnden Erwachsenen.

«Little Space» beschreibt einen mentalen Zustand, in dem sich eine erwachsene Person bewusst kindlicher oder schutzbedürftiger gibt. Beides muss nicht zwingend sexuell sein, wird in entsprechenden Kreisen aber klar diesem Spektrum zugeordnet.

Anbieter: «Keinerlei sexueller Kontext»

Gegenüber Nau.ch nimmt der Anbieter ausführlich Stellung. Er habe das Inserat bewusst in der Gruppe «Wohnen gegen Hand unzensiert» veröffentlicht, für ihn stehe «unzensiert» für ehrliche Kommunikation.

Die Erwähnung von DDLG sei eine proaktive Information gewesen, damit potenzielle Mitbewohnende vorab wüssten, welcher Lebensstil im Haus gepflegt werde.

Findest du solche «Wohnen gegen Hand»-Angebote mit DDLG-Bezug problematisch?

1Ja, das wirkt heikel

2Kommt auf die Transparenz an

3Nein, solange alles freiwillig ist

4Ich kannte DDLG bisher gar nicht

Im Haus lebe er gemeinsam mit seiner 26-jährigen Schwester. «Little Space» versteht er als mentalen Rückzugsort vom Alltag – als private Form der Entspannung, «ohne jeglichen sexuellen Kontext».

Seine Schwester lebe diesen Lebensstil seit Jahren selbstbestimmt. Zwei freie Zimmer hätten der neuen Person zur exklusiven Nutzung gestanden.

Den Vorwurf, explizit eine Frau gesucht zu haben, weist er zurück: Gesucht worden sei eine Person, «die menschlich in unser Umfeld passt».

«Verletzlichkeit könnte ausgenutzt werden»

Susanne Schaaf von der Fachstelle Infosekta kennt das konkrete Inserat nicht, ordnet es aber klar ein. Wer mit Begriffen wie «Safe Space» oder «starke Schultern» werbe, spreche gezielt vulnerable Menschen an.

Diese sehnten sich oft «genau nach diesem vordergründigen Schonraum». Vulnerable Personen seien oft nicht in der Lage, «problematische Dynamiken auf Anhieb zu erkennen und sich gesund abzugrenzen».

Susanne Schaaf InfosektaSusanne Schaaf von der Fachstelle Infosekta warnt davor, vulnerable Menschen mit Begriffen wie «Safe Space» oder «starke Schultern» emotional abhängig zu machen. – Instagram/eks_eers

Das DDLG-Konzept sei das «genaue Gegenteil» professioneller Schutzräume, sagt Schaaf. Während seriöse Angebote die Autonomie fördern, sieht Schaaf hier eine problematische Beziehungsdynamik.

Der Gastgeber übernehme Führung und Fürsorge und suche gezielt Frauen, die bereit seien, sich in einen «kindlichen Zustand» zurückzuziehen. «Es besteht das Risiko, dass die Verletzlichkeit der Frauen ausgenutzt wird», sagt Schaaf.

Frauen in instabilen Lebenssituationen rät sie, solche Angebote zu meiden. Wer es dennoch ausprobieren wolle, solle vorher mit einer Vertrauensperson sprechen und einen Plan B haben. Zudem empfiehlt Schaaf ein eigenes Einkommen und klar definierte Grenzen.

Der ursprüngliche Beitrag ist inzwischen gelöscht. Der Anbieter begründet das damit, dass die Diskussion unsachlich geworden sei. Niemand habe das direkte Gespräch gesucht, stattdessen sei öffentlich geurteilt worden.