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Viel wurde im Vorfeld spekuliert, wie der erste Stopp des Downhill World Cup 2026 in Südkorea wohl laufen würde. Und groß war vorab die Ungewissheit: Schließlich ist ein Saison-Auftakt immer mit diversen Fragezeichen verbunden – insbesondere, wenn der World Cup zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder auf den asiatischen Kontinent zurückkehrt und zum ersten Mal überhaupt ein Rennen in Südkorea, dazu logischerweise noch auf einer brandneuen Strecke, ausgetragen wird.



Zum ersten Mal überhaupt fand am vergangenen Wochenende ein Mountainbike World Cup in Südkorea statt

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Zum ersten Mal überhaupt fand am vergangenen Wochenende ein Mountainbike World Cup in Südkorea statt – was bleibt nach der Premiere hängen? War das Event ein Erfolg? Und wo herrscht dringender Handlungsbedarf? Wir haben die Erkenntnisse des Downhill-Rennens zusammengefasst.

Entsprechend überraschend waren teilweise die Ergebnisse, auch wenn zumindest ganz an der Spitze die großen Sensationen ausgeblieben sind. Selbst der Sieg von Asa Vermette in der Elite-Kategorie – zum erst dritten Mal in der World Cup-Geschichte konnte ein ehemaliger Junioren-Fahrer in seinem ersten Elite-Rennen überhaupt Platz 1 eintüten – wurde vorab bereits als Möglichkeit diskutiert. Trotzdem bleiben natürlich diverse Erkenntnisse hängen, die über die reinen Ergebnislisten hinausgehen und gleichzeitig ein Fingerzeig für die Saison sein können, aber selbstverständlich nicht müssen. Mit etwas Abstand haben wir unsere wichtigsten Erkenntnisse für euch zusammengefasst.

Diashow: Viel Licht, aber auch Schatten: 9 Erkenntnisse vom World Cup-Auftakt in Südkorea

Rot, Weiß & Blau: USA und Frankreich dominieren

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Briten das Maß aller Dinge im Downhill-Sport: Rachel Atherton, Tahnée Seagrave und Manon Carpenter bei den Frauen sowie Steve Peat, Gee Atherton, Danny Hart, Laurie Greenland und Josh Bryceland bei den Männern haben nicht selten die Siege unter sich ausgemacht. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch stark gewendet. Bei den Männern ist in Yongpyong nur ein britischer Fahrer in den Top 20 gelandet, auch bei den Frauen hatten die Fahrerinnen des Vereinigten Königreichs – mit Ausnahme von Hattie Harnden – nichts mit der Entscheidung zu tun. Ähnlich sieht es aktuell in den Junioren-Kategorien aus.



Ryan Pinkerton ist auch in diesem Jahr einer der aufstrebenden Fahrer, der sich mittlerweile fest in der erweiterten Weltspitze etabliert hat

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Ryan Pinkerton ist auch in diesem Jahr einer der aufstrebenden Fahrer, der sich mittlerweile fest in der erweiterten Weltspitze etabliert hat – sechs US-Amerikaner waren im Elite-Finale in den Top 20, sodass die USA mittlerweile die klare Nummer 2 sind.

Neben den Franzosen hat sich stattdessen eine andere Nation ganz klar zur aktuellen Nummer 2 gemausert. Neben 9 Franzosen haben sich im Finale der Männer gleich 6 US-Amerikaner in den Top 20 platziert. Zusammengerechnet kommen die beiden Nationen auf sage und schreibe 75 % der 20 besten Fahrer. Neben etablierten Fahrern wie Aaron Gwin und Luca Shaw hat natürlich vor allem Asa Vermette für Furore gesorgt, aber auch junge Amerikaner wie Ryan Pinkerton, Evan Medcalf oder Dylan Maples haben mehr als abgeliefert.

Bei den Frauen hätte mit Aletha Ostgaard ebenfalls eine Amerikanerin gewonnen, wenn sie denn alt genug wäre. Einziger Haken: Die junge Canyon-Fahrerin startet aktuell noch in der Kategorie der Juniorinnen. Und Luke Mallen hat im Rennen der Junioren bis zur dritten Split eine Zeit hingelegt, die wohl zu Platz 3 gereicht hätte – wohlgemerkt in der Elite-Kategorie, vor einem gewissen Loïc Bruni. Die Dominanz der Franzosen und der Amerikaner in Yongpyong dürfte also keine Eintagsfliege bleiben, sondern sich zukünftig – wenn auch nicht so ausgeprägt – regelmäßig wiederholen. Und gäbe es ein Nationen-Ranking, dann würden dahinter ziemlich sicher die Österreicher mit Andi Kolb, Vali Höll, Rosa Zierl und Lina Frener folgen.

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An den Franzosen führt weiterhin kein Weg vorbei

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An den Franzosen führt weiterhin kein Weg vorbei – gefühlt braucht man einfach nur einen jungen Mann mit schraffiertem Oberlippenbart, den man auf ein Commencal setzt, und schon hat man einen Downhill-Star.

Look at the time!?: Der Kommentar ist und bleibt eine Katastrophe

Man muss es leider so deutlich sagen: Im Vergleich zu den Red Bull-Zeiten mit Rob Warner ist auch im vierten WBD-Jahr der englischsprachige Kommentar, den sicherlich ein Großteil der internationalen Fans im Stream hören, eine mittelschwere Katastrophe. Beim Downhill-Rennen in Yongpyong wurde Ric McLaughlin erstmals von Marc Beaumont in der Kommentatoren-Kabine unterstützt. Der Brite stand in seiner Karriere zwar nie im ganz großen Fokus, hat aber immerhin zwei World Cups für sich entscheiden können und verfügt absolut unbestritten über ein großes Fachwissen.

Das Problem an der Sache: Dieses Fachwissen konnte der Sidekick des Lead-Kommentators praktisch nie sinnvoll anbringen, während bei Ric Mclaughlin vor allem darauf Verlass ist, dass er die Herzfrequenz-Daten von Whoop gebetsmühlenartig vorträgt. Grundlegende Aspekte wie die Linienwahl wurden währen der gesamten Übertragung falsch eingeordnet, was auch daran liegen könnte, dass das Kommentatoren-Team nicht vor Ort war. Dass sich Jordan Williams in einer der ersten Kurven den Hinterreifen zerstört hat, wurde erst nach der Hälfte des Runs erkannt. Und der Hinweis von Marc Beaumont, dass Asa Vermette wohl mit einigen Prototyp-Komponenten unterwegs ist, wie ihm jemand von Burgtec geflüstert hat, ist so ziemlich die irrelevanteste Info, die jemals als Expertenwissen in einem Siegeslauf verkündet worden ist.



Wie soll man ein Rennen sinnvoll kommentieren, wenn man selbst nicht vor Ort ist, die Strecke nicht kennt und sich einfach nur auf das verlassen muss, was die Kameras zeigen?

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Wie soll man ein Rennen sinnvoll kommentieren, wenn man selbst nicht vor Ort ist, die Strecke nicht kennt und sich einfach nur auf das verlassen muss, was die Kameras zeigen? – Prinzipiell geht das schon, aber auch im vierten WBD-Jahr lässt der englischsprachige Kommentar weiterhin zu wünschen übrig. Mehr persönliche Stories zu den Fahrerinnen und Fahrern und mehr Fachwissen wären definitiv wünschenswert!

So beeindruckend die Leistungen von den Fahrerinnen und Fahrern vor Ort waren, so sehr lebt der Downhill-Sport – wie jede andere Sportart im Übrigen auch – davon, dass es sich (auch) um Entertainment handelt. Die besten Leistungen sind wertlos, wenn die Geschichten und die Personen dahinter keinen Platz mehr finden. Diese Entwicklung im World Cup ist bedenklich, denn die negativen Auswirkungen sind nachhaltig. Das muss sich dringend ändern, denn ansonsten wird der World Cup trotz zunehmender Professionalisierung immer irrelevanter. Wie es geht, zeigen diverse andere Sportarten, beispielsweise die Formel 1. Und der Fairness halber sei auch gesagt, dass sich diese Kritik nicht persönlich an Ric McLaughlin oder Marc Beaumont richtet. Rob Warner war zu Beginn seiner Karriere auch nicht der geborene Kommentator, doch er hat das passende Coaching bekommen, um zu DER Stimme im Mountainbike-Sport zu werden. Warner Bros Discovery wäre dringend beraten, hier helfend einzugreifen, um den Kommentar der Rennen in die passenden Bahnen zu lenken. Die Übertragungen selbst sind mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau angekommen, sodass selbst bei komplett neuen Austragungsorten kein Qualitätsabfall festzustellen ist. Es wäre aber schön, wenn der Kommentar mit der Qualität der Übertragung mithalten könnte.

Jugend forsch: Die neue Generation ist endgültig da

Viel wird über den Generationen-Wechsel gesprochen, aber so deutlich wie in diesem Jahr war es noch nie. Im 30er-Finale der Männer sind gleich 6 Fahrer, also 20 %, zum ersten Mal überhaupt einen Elite World Cup-gefahren. In der Vergangenheit haben sich oft nur ein, zwei ehemalige Junioren für die große Show qualifizieren können. Abgesehen von Aaron Gwin war kein Finalist aus den 80ern, die Hälfte der Final-Fahrer ist in diesem Jahrtausend geboren.

Dass sich die Alrans oder Asa Vermette fürs Finale qualifizieren würden, ist keine besonders große Überraschung. Auch, dass Tyler Waite das Zeug dazu hat, auf Anhieb in die Top 30 zu fahren, war vorab klar. George Madley und Bode Burke waren bei den Junioren allerdings keine absoluten Überflieger, auch wenn sie immer wieder ihr Potenzial angedeutet haben. Alle sind noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen, aber schon jetzt mehr als konkurrenzfähig. Und auch wenn es kein Muss-Kriterium ist, in den 2000ern geboren zu sein, um in die Top 10 zu fahren, so wird die Luft für die erfahrenen Racer immer dünner.



Aletha Ostgaard hätte mit ihrer Zeit das Rennen der Frauen für sich entschieden

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Aletha Ostgaard hätte mit ihrer Zeit das Rennen der Frauen für sich entschieden – bei den Männern waren gleich 6 Fahrer im 30er-Finale zum ersten Mal überhaupt in einem Elite-Rennen am Start.

Ähnlich sieht es bei den Frauen aus, wo Vali Höll im zarten Alter von 24 Jahren die mit Abstand älteste Gewinnerin der vier Kategorien war. Fahrerinnen wie Valentina Roa Sanchez, Sacha Earnest oder Phoebe Gale sind mittlerweile regelmäßig auf den vorderen Plätzen zu finden, Gracey Hemstreet (2004) hat ohnehin schon mehrere World Cups gewonnen. Und spätestens 2027 wird hier nochmal mehr Bewegung in die Sache kommen, denn dann wechseln Aletha Ostgaard, Rosa Zierl, Rosa Marie Jensen, Gianna Nef und Lina Frener allesamt in die Elite-Kategorie.

Next Level: Die Rennen der Frauen sind so packend wie nie zuvor

Mit ihrer Zeit von 3:13.937 hätte Aletha Ostgaard das Rennen der Frauen für sich entschieden, obwohl sie noch in der Kategorie der Juniorinnen fährt. Auch Rosa Zierl, amtierende Junioren-Weltmeisterin und World Cup-Gesamtsiegerin, wäre mit ihrer Zeit auf dem Elite-Podest gelandet. Natürlich ist ein Vergleich zwischen Junioren und Elite immer nicht ganz fair, weil sich die Strecke leicht verändert und der Druck ein anderer ist. Trotzdem, und das haben auch die Eindrücke aus dem Training bestätigt, sind die Juniorinnen inzwischen auf demselben Niveau wie die Elite unterwegs.



Vali Höll konnte sich (mal wieder) durchsetzen, aber die Rennen sind alles andere als ein Selbstläufer

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Vali Höll konnte sich (mal wieder) durchsetzen, aber die Rennen sind alles andere als ein Selbstläufer – gerade einmal gut 4 Sekunden haben im Elite-Feld der Frauen die Top 8 voneinander getrennt. Auf eine Länge von 3 Minuten ist das fast nix.

Rechnet man die Zeiten von Aletha Ostgaard und Rosa Zierl in die Elite-Kategorie, dann hätten die Top 3 gerade einmal 1,3 Sekunden voneinander getrennt – was knapper ist als der Vorsprung, den Asa Vermette bei den Männern auf Loïc Bruni herausgefahren hat. Und auch innerhalb der Top 10 wäre es unter diesen Umständen knapper zugegangen als bei den Männern, denn Phoebe Gale hätte auf Platz 10 einen Rückstand von 4,4 Sekunden auf Aletha Ostgaard gehabt, während Andi Kolb bei den Männern auf Platz 10 immerhin 4,8 Sekunden hinter Asa Vermette lag. Die Zeiten, dass man bei den Frauen mit einem gemütlichen Run trotzdem aufs Podium kommt, sind längst vorbei. Wer richtig packende Rennentscheidungen sehen will, ist gut beraten, sich schon den Stream der Frauen anzuschauen.

Das Setup? Ziemlich egal, wie es scheint

Normalerweise wird der Winter immer genutzt, um extrem viel am Setup rumzufüfteln und die Arbeitsgeräte bis ins Detail zu tunen. Und auch beim diesjährigen World Cup-Auftakt gab es einige innovative Ansätze wie beispielsweise das ABS-System am Bike von Rémi Thirion, Massedämpfer soweit das Auge reicht oder natürlich abgefahrene Räder wie der Gamux-Prototyp mit XXL-Vorbau von Reece Wilson.

Schaut man sich die Räder an, die am Ende ganz oben in den jeweiligen Kategorien gelandet sind, muss man jedoch konstatieren, dass das Setup in Südkorea eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat. Das Frameworks von Asa Vermette ist beispielsweise ein ziemlich normaler Viergelenker mit Alu-Hauptrahmen, der so ganz ohne Kettenumlenkungs-Schnickschnack oder Verstell-Optionen bis zum Abwinken daherkommt. Aletha Ostgaard hat auf einem Carbon-Bike gewonnen, während Vali Höll auf ihrem brandneuen Commencal aus Aluminium praktisch keine Eingewöhnungszeit benötigt hat.



Hier zu sehen ist das Bike von Altmeister Aaron Gwin, doch das Arbeitsgerät von Asa Vermette ist sehr, sehr ähnlich

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Hier zu sehen ist das Bike von Altmeister Aaron Gwin, doch das Arbeitsgerät von Asa Vermette ist sehr, sehr ähnlich – kein Firlefanz, stattdessen ein ziemlich normaler Viergelenker hat in Südkorea zum Sieg geführt. Der wichtigste Aspekt am Setup war beim World Cup-Auftakt wohl die Reifenwahl, ansonsten hat es eine eher untergeordnete Rolle gespielt.

Ein roter Faden, welches Setup oder welche Art von Bike am schnellsten zu sein scheint, war in Südkorea jedenfalls nicht zu erkennen. Das lag zum einen am ungewöhnlichen Charakter der Strecke mit eher niedriger Durchschnittsgeschwindigkeit, sodass das Setup zwar haltbar sein musste, die Bikes aber nicht so sehr wie auf manch anderer World Cup-Strecke gefordert worden sind. Und zum anderen deutlich entscheidenden Aspekt: Der Qualität des Fahrers.

Entscheidender Faktor: Die Qualität

Das englische Sprichwort „The cream always rises to the top“ hat sich einmal mehr in Südkorea gezeigt. Eine ganz passende Übersetzung gibt es hierfür nicht, auch wenn Google solch tolle Sachen wie „Die Sahne schwimmt immer obenauf“ oder „Fett schwimmt oben“ vorschlägt. Deutlich passender ist, dass sich Qualität am Ende eben durchsetzt.



Fahrer wie Till Alran zeigen, dass es am Ende einfach eine Qualitätsfrage ist

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Fahrer wie Till Alran zeigen, dass es am Ende einfach eine Qualitätsfrage ist – am Ende haben sich in ihren jeweiligen Kategorien dann doch wieder die üblichen Verdächtigen durchgesetzt, die es einfach verstehen, mit herausfordernden Bedingungen perfekt umzugehen.

Das hat sich bei den Final-Entscheidungen mal wieder gezeigt, denn am Ende wurde jede Kategorie von Favoriten gewonnen. Der Sieg von Asa Vermette mag eine kleine Sensation sein, doch der junge Amerikaner hat bereits bei der Red Bull Hardline die Elite-Konkurrenz versägt. Auch mit den Siegen von Vali Höll, Jonty Williamson und Aletha Ostgaard musste man rechnen. Ähnlich sieht es aus, wenn man sich die sonstigen Spitzen-Platzierungen anschaut. So waren Fahrer wie Loïc Bruni, Amaury Pierron, Myriam Nicole oder Loris Vergier in ihren Kategorien ganz weit vertreten. So ungefähr läuft es immer – egal, ob die Strecke staubig, steinig, matschig, steil, flach, simpel, anspruchsvoll oder wie auch immer ist.

Grundsätzlich ist es so, dass neue, unbekannte Austragungsorte immer für große Überraschungen gut sind. In der Quali war das auch in gewisser Hinsicht so, aber wenn es hart auf hart kommt, sind es mal wieder die üblichen Verdächtigen, die das Rennen unter sich ausmachen. Bedeutet auch: Die Fahrer, die als Stars gefeiert werden, werden ziemlich zurecht als solche gefeiert.



Wie kaum ein anderer beherrscht Loïc Bruni die Kunst des Puzzelns

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Wie kaum ein anderer beherrscht Loïc Bruni die Kunst des Puzzelns – bereits im Timed Training war der Franzose extrem konstant unterwegs, was zeigt, wie gut er auf Anhieb eine brandneue Strecke beherrscht.

Safety Third: Das Thema Sicherheit scheint völlig egal zu sein

Bereits beim Track Walk wurden zahlreiche Bedenken seitens der Fahrerinnen und Fahrer bezüglich der (mangelnden) Sicherheit auf der Strecke geäußert. Und so dauerte es leider nicht lang, bis sich mit Lou Ferguson auf einem großen Double direkt eine Frau ins Krankenhaus manövriert hat, die unter anderem schon die Red Bull Hardline in Wales komplett von oben bis unten gefahren ist.

Hinsichtlich der Dimensionen war besagter Sprung an sich kein Problem. Aber: Er war direkt nach einer rutschigen Kurve, bei der man auch noch voll in den Gegenwind gefahren ist – und zu allem Überfluss war der Bereich unmittelbar vor, neben und hinter der Landung voll mit scharfkantigen, großen Steinen. Dass es hier richtig knallen würde, war bereits beim Track Walk klar. Besagter Sprung war jedoch nicht die einzige Stelle, bei der das Thema Sicherheit scheinbar völlig ignoriert worden ist. Weiter unten gab es einen High Speed-Sprung mit B-Line, wobei die B-Line direkt in die Landung des Sprungs geführt hat. Das wurde Wyn Masters zum Verhängnis, der hier einem langsamen Fahrer aufgefahren ist und die Wahl hatte, ob er entweder diesen Fahrer abräumt oder ausweicht und über den nächsten Anlieger drüberfliegt. Wyn hat sich für letztere Variante entschieden, sich dabei Knochenbrüche zugezogen und muss operiert werden – wegen einer völlig unnötigen Streckenführung.



Leider musste bereits während der ersten Trainings-Session der Rettungshelikopter anrücken

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Leider musste bereits während der ersten Trainings-Session der Rettungshelikopter anrücken – und das aufgrund eines Sprungs, der schon im Vorfeld als ziemlich unnötig gefährlich eingeschätzt worden ist. Spektakel und Gefahr? Gerne – aber bitte auf eine vernünftige Art und Weise!

Vor einigen Jahren hatte sich Amaury Pierron mal in der Schweiz schwer verletzt, als er bei einem eigentlich harmlosen Crash in eine B-Zone geflogen ist und dort in einem Baumstumpf geknallt ist. Die B-Zone ist die eigentliche Sturz-Zone, in der sich dazu noch Fotografen und Line Spotter aufhalten können – in dem Wissen, dass es riskant ist. Um das Risiko, das bei einer Disziplin wie Downhill immer bestehen wird, jedoch zu reduzieren, sollte diese B-Zone frei von gefährlichen Gegenständen sein. In Südkorea war hingegen das Gegenteil der Fall. In seinem Blog hat Andi Kolb geschrieben, dass die Strecke nach europäischen Standards nichtmal ansatzweise eine World Cup-Strecke wäre. Selbiges lässt sich leider auch zur Sicherheit sagen. Nach diversen Bestrebungen in den vergangenen Jahren scheint das Thema leider wieder ziemlich in den Hintergrund zu rücken.

Ist der World Cup in Südkorea eine gute Idee? Eventuell nicht …

Nicht nur beim Thema Sicherheit hat die World Cup-Premiere in Südkorea leider einige handfeste Defizite offenbart. Generell haben sich viele Leute des Rennzirkus gefragt, wieso die Asien-Rückkehr ausgerechnet in Südkorea stattfinden muss. Damit wir uns nicht falsch verstehen: An einen für viele komplett neuen Ort zu reisen war eine tolle Sache und die Stimmung vor Ort war sehr gut. Dazu wird die Reise nach Südkorea für praktisch alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Gleichzeitig hat es so gewirkt, als ob man vor Ort kein Gespür und Verständnis dafür hat, wie ein Downhill World Cup überhaupt abläuft. So musste die erste Trainings-Session aus organisatorischen Gründen ohne Vorwarnung um eine Stunde verschoben werden. Der Crash von Louise Ferguson hat die Streckenposten und Rettungskräfte vor eine gigantische Herausforderung gestellt, sodass die Rettung vom Berg viel länger gedauert hat, als dies eigentlich nötig wäre. Die Versorgung in den umliegenden Krankenhäusern war von allem, was man so mitbekommen hat, wohl katastrophal schlecht.



Die Rennen waren packend, doch der Weg dahin war eher kompliziert. So waren unter anderem die Streckenposten mit der Durchführung des Trainings ziemlich überfordert

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Die Rennen waren packend, doch der Weg dahin war eher kompliziert. So waren unter anderem die Streckenposten mit der Durchführung des Trainings ziemlich überfordert – gut möglich, dass das in anderen asiatischen Ländern, die einen stärkeren Bezug zum Downhill haben, eventuell anders ausgesehen hätte. So oder so muss aber sichergestellt sein, dass alle Personen auf und neben der Strecke sinnvoll instruiert sind.

Gleichzeitig waren die (wirklich sehr netten und äußerst freundlichen!) Streckenposten komplett mit der Durchführung eines Downhill-Rennens überfordert. Flaggen wurden oft entweder gar nicht geschwenkt oder so, dass man diese als Fahrer unmöglich gesehen hat, sodass hier oft andere Fahrer, Team-Mitglieder oder Media-Personen einspringen mussten. Auch Englisch-Kenntnisse waren häufig Mangelware, was die Kommunikation mit den Fahrern logischerweise sehr erschwert. Dass es im Zielbereich des Downhills lediglich einen einzige Bildschirm gab, der dazu auch noch winzig klein war, war für die Stimmung auch nicht besonders förderlich. Gerade in Bezug auf die Disziplin Downhill gäbe es ein Asien mehrere Länder, die einen deutlich stärkeren Bezug zur Sportart haben, was sich sicherlich auch positiv auf die Organisation vor Ort auswirken würde.

Aber: Der World Cup MUSS zurück nach Asien!

Trotz all dieser validen Kritikpunkte bleibt jedoch festzuhalten, dass der World Cup unbedingt nach Asien zurückkehren muss. Mona Yongpyong wird wohl auch 2027 und 2028 Teil des Rennkalenders sein, sodass dies in den nächsten beiden Jahren ohnehin gegeben sein wird. Und wenn man sich die Begeisterung der Fans vor Ort anschaut, dann war es mehr als überfällig, dass der World Cup endlich mal wieder auf einen anderen Kontinent zurückkehrt.



Die Begeisterung bei den Fans war grenzenlos, auch wenn nicht so viel los war wie beispielsweise in Les Gets

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Die Begeisterung bei den Fans war grenzenlos, auch wenn nicht so viel los war wie beispielsweise in Les Gets – insgesamt ist der World Cup gut beraten, neue Gegenden zu erkunden und den Sport zu den Fans zu bringen, die es mittlerweile auf der ganzen Welt und nicht nur in den Alpen gibt.

So beeindruckend, wie die Fan-Massen in Les Gets sind, und so hart, wie die Strecke in Val di Sole knallt, und so lecker, wie der Kaiserschmarrn in Leogang mundet, so wichtig ist es, dass der World Cup neue Destinationen erkundet und den Sport zu den Fans bringt. In der Hinsicht ist die WBR-Ära übrigens sehr positiv zu bewerten: Sei es mit den XC-Rennen in Brasilien, oder aber auch mit neuen Destinationen wie La Thuile, Lake Placid und nun eben auch Yongpyong in Südkorea und später im Jahr dann noch Whistler.

Allein schon die strahlenden Augen der jungen Fans, die endlich mal ein Selfie mit Loïc Bruni oder Asa Vermette machen konnten, oder die riesige Schlange, die sich noch ein Autogramm von den Santa Cruz Syndicate-Fahrern holen wollte, zeigt, wie wichtig es ist, dass sich der World Cup zumindest hin und wieder aus der gewohnten Komfort-Zone rausbewegt. Vor Ort waren die Fans bei weitem nicht so chaotisch wie bei manch europäischem World Cup, aber auch nicht minder begeisterungsfähig – inklusive sehr friedlichem, sehr respektvollem, aber gleichzeitig sehr enthusiastischem Platzsturm nach dem Sieges-Run von Asa Vermette. Solche Szenen sind es, die den World Cup ausmachen – und solche Bilder sind es übrigens auch, die Warner Bros. Discovery gerne sehen und zeigen möchte. Trotz der oben genannten Kritikpunkte wie der Sicherheit auf und neben der Strecke sowie organisatorischen Unzulänglichkeiten kann der World Cup-Auftakt in Südkorea also insgesamt als Erfolg bezeichnet werden – natürlich noch mit Luft nach oben, aber auch mit der Chance, kommendes Jahr ein noch besseres Rennerlebnis zu liefern.



Für uns war der World Cup-Auftakt in Südkorea definitiv ein sehr beeindruckendes Ereignis, an das wir uns trotz einer Widrigkeiten noch lange zurückerinnern werden

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Für uns war der World Cup-Auftakt in Südkorea definitiv ein sehr beeindruckendes Ereignis, an das wir uns trotz einer Widrigkeiten noch lange zurückerinnern werden – 2027 wird der World Cup wohl wieder in Yongpyong stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass das lokale Orga-Team und WBD die richtigen Schlüsse aus dem Saison-Auftakt ziehen!

Wie fällt dein Fazit zum World Cup-Auftakt in Südkorea aus?

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