Noch extremer ist aber „Blume Island“, eine Art Abrechnung mit den Epstein-Files und prominenten Namen aus Popkultur, Politik und Entertainment. Der Track beginnt mit drastischen Bildern: „Dreckige Sexdetails in Epstein-Files. Mal seh’n, wen ich heute von der Death-List streich’“.
Der Musiker arbeitet hier mit Namenslisten, Schockeffekten und Vernichtungsfantasien. Beim Hören denkt man immer wieder: Okay, jetzt geht er wirklich noch einen Schritt weiter. Oprah Winfrey, Beyoncé, Jay-Z, Bill Clinton, Ellen DeGeneres, Lady Gaga, Harvey Weinstein – Er zieht zahlreiche Namen in seinen düsteren Kosmos und inszeniert sich als Rachefigur. Wichtig ist: Der Track funktioniert nicht als sachliche Aufarbeitung, sondern als extreme Fantasie – er lebt von Übertreibung, Gewaltbildern und moralischer Selbstermächtigung. Das ist wirkungsvoll, aber auch teilweise unangenehm.
Genau darin liegt die Spannung von „Alpha DNA“. Felix Blume ist technisch brillant. Seine Reime sind präzise, seine Stimme sitzt, seine Bilder bleiben hängen. Man hört sofort, warum er im deutschen Rap jahrelang eine Sonderstellung hatte. Gleichzeitig ist dieses Album aber voll von Größenwahn, Provokation und politischen Kampfansagen, die nicht immer sauber trennbar sind zwischen Kunstfigur, Meinung und Inszenierung.
Dass Dieser einst Jura studierte, passt dabei fast ironisch gut zu diesem Werk. Er baut seine Tracks wie Plädoyers auf: Anklage, Beweisführung dann Urteil. Nur dass er selbst Richter, Staatsanwalt und Vollstrecker zugleich sein will. Dazu kommt der Fitness-Unternehmer, der Körper, Disziplin und Härte immer wieder in seine Sprache einfließen lässt. Und Last but not Least der Maler, der seine Tracks inzwischen auch visuell in Szene setzt.
Seine Musik ist kein entspannter Rap-Ausflug, sondern ein weiteres Kapitel in Felix Blumes Selbsterschaffung. Er hat Kollegah offiziell hinter sich gelassen, doch dessen DNA steckt noch immer in jeder Ecke dieser Musik. Fast wirkt es, als würde Blume mit seiner alten Kunstfigur ringen – und dabei feststellen: Ein bisschen Kollegah schadet offenbar doch nicht.
Fazit: „Alpha DNA“ beeindruckt und irritiert zugleich. Das Album zeigt Felix Blume in Bestform, wenn es um Technik, Reimkunst und Präsenz geht. Gleichzeitig lebt seine Kunst weiterhin von Überhöhung, Feindbildern und Provokation. Wer sauberen Battle-Rap ohne Autotune sucht, bekommt hier reichlich Material. Wer politische Tiefe erwartet, landet eher in einer überdrehten Kanzlerfantasie. Und wer sich für einen Moment wie der nächste Mafiaboss fühlen will, findet hier vermutlich den passenden Soundtrack.