Die Vorwürfe gegen Francesco Maisano, den ehemaligen Direktor der Herzklinik am Zürcher Universitätsspital, wiegen schwer. Ein aktueller Untersuchungsbericht spricht von 71 vermeintlich unnötigen Todesfällen während seiner Amtszeit. Es ist eine Zahl, die in ihrer schieren Wucht beinahe jede sachliche Debatte im Keim erstickt und medial weitgehend ungeprüft als absolute Wahrheit übernommen wurde. Doch wer sich die Mühe macht, die methodischen Grundlagen dieses Berichts einer journalistischen Prüfung zu unterziehen, stösst auf erhebliche Ungereimtheiten.

© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER

Universitätsspital Zürich (Symbolbild)

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Es stellt sich die grundlegende Frage, wie seriös diese statistische Ableitung einer Übermortalität tatsächlich ist. Der Bericht vergleicht Patientengruppen der Universität Zürich mit jenen anderer Kliniken, ohne dabei das spezifische Risikoprofil ausreichend zu gewichten. Professor Maisano galt als Spezialist für avantgardistische, minimalinvasive Operationsmethoden, was zwangsläufig dazu führt, dass ihm besonders risikobehaftete Patienten zugewiesen wurden – Menschen, die für herkömmliche Eingriffe bereits zu schwach waren. Eine statistische Eins-zu-eins-Vergleichbarkeit mit Standorten wie Lausanne oder Bern erscheint daher logisch fragwürdig.

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Besonders kritisch ist zudem die Aufschlüsselung der Fälle: Der Bericht hält fest, dass von insgesamt 263 Todesfällen 11 «nicht erwartbar» und 63 «eher nicht erwartbare» gewesen seien. In der medialen Darstellung werden diese Zahlen einfach zusammengezählt, um die dramatische Marke von 71 Toten zu erreichen. Dabei machen die 11 nicht erwartbaren Fälle lediglich 4 Prozent aus – für einen Chirurgen, der innovative, minimalinvasive Methoden bei extrem geschwächten Patienten anwendet, ist dies keine massive statistische Abweichung.

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Zudem gibt es erhebliche Ungereimtheiten bei den Kritikern: Wie Recherchen der NZZ zeigen, haben prominente Maisano-Kritiker, die die Verwendung sogenannter Cardiobänder anprangern, diese Instrumente in ihrer eigenen Zeit als Klinikdirektoren selbst in Dutzenden Fällen eingesetzt. Die grössten Kritiker der Elche sind am Ende oft selber welche. Es herrscht ein Klima, in dem die Gerichtshöfe der Moral vorausgaloppieren und Götter in Weiss auf andere Götter in Weiss losgehen, während die Unschuldsvermutung und der elementare Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» auf der Strecke bleiben.