Energie-Engpässe
Ölschock erschüttert ganze Region
Aktualisiert am 11.05.2026 – 14:33 UhrLesedauer: 4 Min.
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Im Video: So viele Schiffe stecken in der Straße von Hormus fest (Quelle: t-online)
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Asiens Regierungen greifen zu drastischen Mitteln, um Öl, Gas und Devisen zu sparen. Die Krise zeigt, wie abhängig die Region vom Persischen Golf ist – und wie schnell daraus politische Risiken entstehen.
Die Energiekrise hat Asien mit voller Wucht erreicht. In Indien ruft Premierminister Narendra Modi die Bevölkerung zum Sparen auf, in Sri Lanka steigen die Strompreise, in Pakistan bleiben Schulen geschlossen, in Thailand werden Klimaanlagen gedrosselt. Aus einer geopolitischen Krise am Persischen Golf ist binnen Wochen ein Stresstest für Haushalte, Unternehmen und Regierungen geworden.
Der unmittelbare Auslöser ist der Iran-Krieg sowie die Blockade der Straße von Hormus. Für Asien ist das besonders gefährlich: Die Region ist stärker von Öl und Gas aus dem Nahen Osten abhängig als andere Weltregionen.
Was in Europa vor allem als Preisschock ankommt, trifft viele asiatische Länder direkt bei der Versorgung, der Währung und letztlich der sozialen Stabilität.
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Indien zeigt, wie eng diese Ebenen zusammenhängen. Modi forderte die Bürger auf, Speiseöl zu sparen, unnötige Auslandsreisen zu vermeiden und vorerst kein Gold zu kaufen. Das trifft in Indien nicht nur einzelne Kaufentscheidungen, sondern auch tief verankerte Gewohnheiten: Speiseöl gehört zum Alltag, Gold spielt bei Hochzeiten und als private Geldanlage eine große Rolle.
Auch Landwirte sollten weniger Düngemittel einsetzen, fordert Modi. Die Begründung ist bemerkenswert direkt: Indien müsse seine Devisenreserven schonen. Der Staat will die Preise für Diesel und Benzin an den Tankstellen dennoch nicht erhöhen.
Sparen wird zur Staatsaufgabe
Noch härter trifft es Länder, die weniger finanziellen Spielraum haben. Sri Lanka hat angekündigt, die Strompreise für größere Verbraucher deutlich zu erhöhen. Stromkunden, die mehr als 180 Kilowattstunden im Monat verbrauchen, müssen ab Montag einen Aufschlag von 18 Prozent zahlen, kündigte die Versorgungskommission des Inselstaates am Sonntag an. Für Kunden, deren Konsum darunter liegt, soll sich am Preis nichts ändern.
Der Schritt folgt auf verschiedene andere Maßnahmen, mit denen der Energieverbrauch in Sri Lanka gesenkt werden soll. «Der Preisanstieg wird auf die Industrie, Hotels, Unternehmen und Regierungsbehörden sowie religiöse Kultstätten angewandt, die mehr als 180 Einheiten pro Monat verbrauchen», hieß es in der Mitteilung der Kommission. Schon im vergangenen Monat waren die Strompreise um 40 Prozent erhöht worden. Benzin wurde um mehr als 35 Prozent teurer, zudem wurde die Zuteilung rationiert.
