Warum San Marino scheiterte – trotz Superstar unter der Discokugel.
Ein ESC mitten in der Stadt: Anders als etwa in der Arena-Zone von Liverpool 2023 muss heuer ein ganzes Viertel eingehegt werden. Vor dem verschachtelten Mehrzweck-Messehallen-Komplex namens Wiener Stadthalle patrouillieren auch fesche Polizistinnen in schwarzen Kampfwesten mit gelber Rückenaufschrift „Social Media“. Austria kann modern.
In der Halle selbst wird die Zeitmaschine angeworfen. Ein VIP namens Boy George war eigens zur Opening Party am Wochenende angetreten. Im Rampenlicht wähnt man sich dann in der Hochphase von MTV: Glitzer, Regenbogenfarben, Diskokugel-Ästhetik und ein Popstar, dessen campe Superhits den UK-Pop der 1980er aufgemischt hatten.
Gemeinsam mit der italienischen Popsängerin Senhit aus San Marino sollte die Culture-Club-Ikone den Zwergstaat ins Finale führen. Der große Coup blieb aus. Bereits im Halbfinale ist Schluss.
Wochenlange Spekulationen um Boy Georges Auftritt
Wochenlang wurde über einen möglichen ESC-Auftritt von George O’Dowd (64) spekuliert, ehe sein Auftritt endgültig bestätigt wurde. Anders als Flo Rida, der 2021 erst auf den letzten Drücker in Marino-Mission eingeflogen wurde, ging George den gesamten Rehearsal-Parcours. Dieses Projekt wollte offenbar mehr sein als ein billiger Promo-Stunt.
Und tatsächlich lieferte die Performance von „Superstar“ genau das, was ESC-Fans von dieser Kombi erwartet hatten: maximalen Camp-Faktor. Senhit funkelte im silbernen Jumpsuit wie eine wandelnde Diskokugel, George thronte in einem kristallartigen DJ-Pult, während Spiegelwände und Regenbogen-Lichter die Mehrzweckhalle in eine knallige Pride-Party verwandelten. Zum Ausklang marschierten beide über den Catwalk, begleitet von massiver Pyrotechnik. Vergebliches Geballer.
Am Ende durften zehn andere Länder jubeln: Griechenland, der Favorit Finnland, Belgien, Schweden, Moldau, Israel, Serbien, Litauen, Kroatien und Polen schafften den Sprung ins große Finale.
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Vicky Leandros, Victoria Swarovski und ein skurriler Klamauk-Moment
Nach einer nostalgischen Rückschau auf 70 Jahre Songwettbewerb intonierte Chanson-Lady Vicky Leandros mit „L’amour est bleu“ ihren Retro-Hit in Funkelrobe. Das rote Gewand von Kristall-Erbin und Moderatorin Victoria Swarovski wurde vom Wiener Boulevard als „Guckloch“-Design abgeheftet, während Sidekick Michael Ostrowski den „Schmäh“-Part übernahm.
Besonders skurril wurde es bei einer Einlage gemeinsam mit Australiens Ex-Teilnehmer Go-Jo. Zwischen Kängurus, Dirndl-Klischees und einer singenden Swarovski schwankte der Auftritt zwischen Klamauk und Fremdschämerei, was für wilde Resonanz in den sozialen Netzwerken sorgte.
Überraschung aus Griechenland, Geige aus Finnland
Einer der Überraschungs-Acts kam aus Griechenland: Akylas mischte in „Ferto“ Techno, Rap und eine völlig überdrehte Bühnenshow inklusive Katzenohren-Beanies. Manche Fans sehen darin bereits einen möglichen ESC-Sieger.
Ganz anders der Vorab-Favorit Finnland: Linda Lampenius und Pete Parkkonen lieferten mit „Liekinheitin“ einen exaltierten Mix aus echter (!) Geige, Rock plus dem offenbar unverzichtbaren Feuerinferno.

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Israel-Auftritt mit Zwischenrufen, Pro-Gaza-Demo zum Finale erwartet
Der israelische Sänger Noam Bettan musste während seines Auftritts vereinzelt Zwischenrufe aus dem Publikum hinnehmen, zog seinen Stiefel aber souverän durch. Im Vergleich zu den Wettbewerben im schwedischen Malmö und in Basel hielten sich die Anti-Israel-Aktionen bislang in Grenzen. Gleichwohl wird zum Finale am Samstag eine große Pro-Gaza-Demo erwartet.
Und natürlich durfte auch der ganz große Star-Moment des Abends nicht fehlen: Boy George verfranzte sich in der Retro-Schleife. Zu durchschaubar war das Spiel mit dem Legionär aus London.