44 Autoren des Weltklimarats IPCC erklären zentrale Katastrophenszenarien früherer Klimaberichte für «unplausibel». Das schreibt der frühere Hamburger SPD-Umweltsenator und Energieexperte Fritz Vahrenholt unter Berufung auf eine am 7. April veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit unter Leitung des niederländischen Klimaforschers Detlef van Vuuren auf dem Portal Tichys Einblick. Demnach verabschieden sich die Autoren faktisch von jenen Extremmodellen, die in den vergangenen Jahren Temperaturanstiege von bis zu 5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 prognostiziert hatten.

Patrick Pleul/DPA/Keystone

Blühende Wiesen-Margeriten in Ostbrandenburg (Symbolbild)

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Konkret geht es um das sogenannte Szenario RCP 8.5, das sowohl im fünften als auch im sechsten Sachstandsbericht des IPCC eine zentrale Rolle spielte. Dieses Modell basierte auf der Annahme, dass sich die weltweiten CO2-Emissionen bis Ende des Jahrhunderts mehr als verdreifachen würden. Laut den nun veröffentlichten Einschätzungen gilt diese Entwicklung unter den heutigen wirtschaftlichen, technologischen und demografischen Bedingungen jedoch als unrealistisch.

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Vahrenholt verweist darauf, dass das RCP-8.5-Szenario über Jahre hinweg als Grundlage für politische Entscheidungen, Klimagesetze und weitreichende Eingriffe in Energie- und Industriepolitik gedient habe. Selbst das deutsche Bundesverfassungsgericht habe sich in seinem Klimaurteil von 2021 ausdrücklich auf IPCC-Prognosen gestützt, wonach ohne zusätzliche Massnahmen ein Temperaturanstieg von mehr als 3 Grad wahrscheinlich sei.

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Die neuen Modellrechnungen der IPCC-Autoren zeichnen nun ein deutlich weniger dramatisches Bild. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt laut der Veröffentlichung eine Entwicklung, die sich an den aktuellen Prognosen der Internationalen Energieagentur orientiert. Dabei würden die weltweiten Emissionen bis etwa 2050 auf heutigem Niveau bleiben und danach stagnieren. Unter diesen Annahmen rechnen die Forscher bis 2100 mit einer zusätzlichen Erwärmung von rund 1,1 Grad gegenüber heute.

Vahrenholt sieht darin eine fundamentale Korrektur der bisherigen Klimadebatte. Die Extremprognosen hätten politische Massnahmen legitimiert, die inzwischen erhebliche wirtschaftliche Folgen hätten – insbesondere für Deutschland. Zugleich kritisiert er, dass die Neubewertung der Szenarien in Politik und Medien bislang kaum diskutiert werde.