Umschlag unter Scheibenwischer | 30. April 2026

Ein paar Banknoten, über tausend Reaktionen und ein erstaunter Feuerwehrkommandant: Benjamin «Benu» Känzig weiss nicht, von wem die besondere Botschaft stammt. Das etwas andere Dankesschreiben machte auf Facebook schnell die Runde. Die Freude ist gross und ein willkommener Kontrast zu den manchmal auch unschönen Szenen im Alltag der Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen.

Es ist kein Notruf, der an diesem Abend die Feuerwehr Heimberg beschäftigt. Keine Sirene schrillt, kein Blaulicht blinkt. Stattdessen klemmt ein unscheinbarer Zettel unter einem Scheibenwischer. «Einmal im Jahr durchlaufen wir ein spezielles Training», erzählt Benjamin «Benu» Känzig.

Mit montierten Atemschutzgeräten geht es ins nahegelegene Fitnessstudio, um ein Ganzkörpertraining zu absolvieren. «Nachdem wir fertig waren, wollte eines unserer Mitglieder zurück zu den Einsatzfahrzeugen, um uns aufzuladen.»

Die Feuerwehr Heimberg staunte nicht schlecht über die anonyme Botschaft mit den zwei Hunderternoten.

Die Feuerwehr Heimberg staunte nicht schlecht über die anonyme Botschaft mit den zwei Hunderternoten.Fotos: Ben Abegglen

Kleiner Zettel mit grosser Wirkung

Als sich der Feuerwehrmann dem Fahrzeug nähert, entdeckt er den Umschlag. Als dieser geöffnet wird, kommen zwei Hunderternoten zum Vorschein. Und eine Nachricht. «Danke für alles, was dir leischtet». Auf die erste Zeile des Dankesschreibens folgen zwei Herzen. Eine Unterschrift hat es nicht, auch keinen Absender. Nur weitere aufmunternde Worte.

Die Schrift deutet auf eine Frau hin […]

Benjamin «Benu» Känzig Feuerwehrkommandant Heimberg

Diese Worte sind für Benu fast wertvoller als das Geld: «Aber auch das ist natürlich eine schöne Geste». Die anonyme Botschaft wurde von der Feuerwehr Heimberg auf Facebook geteilt, was mehr als 1700 Daumen-hoch-Reaktionen und Dutzende Kommentare zur Folge hatte.

Das aussergewöhnliche Dankeschön löste auch auf Facebook zahlreiche Reaktionen aus ...

Das aussergewöhnliche Dankeschön löste auch auf Facebook zahlreiche Reaktionen aus …

... während die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen trainierten, wurde der Umschlag mit dem Geld deponiert.

… während die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen trainierten, wurde der Umschlag mit dem Geld deponiert.Foto: Screenshot Trainingsvideo

Ein solches anonymes Dankeschön unter dem Scheibenwischer ist neu, auch für Benu, der mittlerweile 20 Jahre bei der Milizfeuerwehr tätig ist. «Begonnen habe ich in Bönigen.» Danach ging es für den Vater von Zwillingen nach Heimberg, wo der 40-Jährige die Karriereleiter zum Feuerwehrkommandanten erklommen hat.

«Nach unseren Einsätzen gibt es immer wieder Zeichen der Dankbarkeit, es wird auch mal ein Kaffee oder ein Sandwich serviert.» Von wem aber die Botschaft und die beiden Hunderternoten stammen, darüber könne nur spekuliert werden. «Die Schrift deutet auf eine Frau hin, mehr wissen wir leider nicht. Wir hätten uns herzlichst gerne bei der Person bedankt.»

Heimbergs Feuerwehrkommandant Benjamin «Benu» Känzig mit einem der Atemschutzgeräte, die auch während des einmal jährlich stattfindenden Trainings getragen werden.

Heimbergs Feuerwehrkommandant Benjamin «Benu» Känzig mit einem der Atemschutzgeräte, die auch während des einmal jährlich stattfindenden Trainings getragen werden.

Geselligkeit und Gedanken

Mit dem Geld wird für die insgesamt 54 Männer und 12 Frauen der Feuerwehr Heimberg ein geselliger Abend organisiert, so der Plan. «Das Zusammensein darf nicht zu kurz kommen. Wir werden wahrscheinlich ein paar Grillwürste kaufen.» Gemeinsam einen Abend geniessen, für Benu nicht selbstverständlich – auch nicht, wenn es um die eigene Familie geht.

«Einer meiner Söhne ist bereits in der Jugendfeuerwehr, dem anderen sagt es weniger zu – was völlig okay ist.» Seine beiden Buben haben sich demnach längst daran gewöhnt, dass der Vater auch mal während des Abendessens davoneilen muss. «Es sind Einsätze, in die auf irgendeine Art Kinder involviert sind, welche mir ganz besonders in Erinnerung bleiben.»

Der gebürtige Oberländer und heutige Feuerwehrkommandant von Heimberg, Benu Känzig, im Tanklöschfahrzeug (TLF), das für den Ernstfall bereitsteht.

Der gebürtige Oberländer und heutige Feuerwehrkommandant von Heimberg, Benu Känzig, im Tanklöschfahrzeug (TLF), das für den Ernstfall bereitsteht.

Das kantonale Feuerwehrinspektorat stellt Expertinnen und Experten, erklärt Benu, die bei der Nachbearbeitung von schwierigen oder traumatischen Erlebnissen zur Verfügung stehen. «Wenn der Vater am Boden liegt, daneben das kleine Kind mit dem Nuscheli in der Hand und dem Nuggi im Mund – das bleibt.» Benu konnte nach dem Einsatz heimkehren, der betroffene Familienvater nicht mehr.

«Was ich gottlob noch nie hatte, war ein Unfall in meinem Team.» Und es gebe auch die anderen Momente. «Wir kommen natürlich unangemeldet in Wohnungen. In solchen Momenten trifft man manchmal auch auf Personen, die nicht so schnell mit uns gerechnet haben.» Dass dann jemand keine Kleidung trage, liege in der Natur des Notrufs. «Gewisse Augenblicke regen auch zum Nachdenken an. Messie-Wohnungen oder Zustände, die einem noch länger im Gedächtnis bleiben.»

Die Tröte, welche am Hüftgürtel des Atemschutzgerätes angebracht ist, dient bei einem Ausfall der Funkgeräte zur Kommunikation: «Viermal tröten bedeutet – alle sofort raus!».

Die Tröte, welche am Hüftgürtel des Atemschutzgerätes angebracht ist, dient bei einem Ausfall der Funkgeräte zur Kommunikation: «Viermal tröten bedeutet – alle sofort raus!».

Die Schutzausrüstungen für die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen werden im TLF transportiert, dessen Anschaffung laut Benu 450'000 Franken gekostet hat.

Die Schutzausrüstungen für die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen werden im TLF transportiert, dessen Anschaffung laut Benu 450’000 Franken gekostet hat.

Kameraerfahrener Benu

Eines dürfe man trotz der professionellen Herangehensweise nicht vergessen: «Wir sind eine Milizfeuerwehr, keine Berufsprofis im eigentlichen Sinne». Trotzdem muss bei einem Notruf jeder Handgriff sitzen, so der Familienvater, der in Frutigen bei der BLS arbeitet. «Ich bin in der Intervention tätig, auf dem Lösch- und Rettungszug.» Im Rahmen einer gross angelegten Übung im Lötschberg-Tunnel vergangenen November mit rund 1000 Teilnehmenden stand Benu auch schon vor der Kamera.

«Das SRF hat darüber berichtet. Und wer weiss, vielleicht findet sich auf diesem Weg bald die Person, die uns die zweihundert Franken und die schöne Botschaft hinterlassen hat.» Der Brief hängt mittlerweile in der Einsatzzentrale der Feuerwehr Heimberg, neben weiteren Dankesbotschaften und Zeichnungen von Kindern.

Die aussergewöhnliche Botschaft wurde mittlerweile in der Einsatzzentrale der Feuerwehr Heimberg aufgehängt …

Die aussergewöhnliche Botschaft wurde mittlerweile in der Einsatzzentrale der Feuerwehr Heimberg aufgehängt …

… daneben finden sich weitere Dankesschreiben von Kindern oder Familien.

… daneben finden sich weitere Dankesschreiben von Kindern oder Familien.