Es ist mehr als 50 Jahre her, dass US-amerikanische Astronauten bei den sechs Apollo-Missionen Fahnen in den Mondstaub pflanzten. Diese „Stars and Stripes“ dürften bei all der ungefiltert dort ankommenden UV-Strahlung inzwischen ziemlich verblasst sein. Nun aber sollen wieder Astronauten auf dem Erdtrabanten landen.
Und zwar möglichst vor den sogenannten „Taikonauten“. So werden in westlichen Medien chinesische Raumfahrer genannt, abgeleitet vom chinesischen Wort „Taikong“ für Weltraum. Auch China verfolgt konsequent Mondpläne: Die Raumfahrtbehörde China Manned Space Agency hat mehrfach angekündigt, bis spätestens 2030 eine bemannte Mondlandung zu realisieren.
Konkurrenzkampf der Multimilliardäre
Wie damals gegen die Sowjetunion wollen die USA auch den neuen Wettlauf zum Mond unbedingt wieder gewinnen. Präsident Donald Trump hat per Dekret angeordnet, dass spätestens 2028 wieder „Americans“ den Mond betreten sollen.
Aus welchem Raumschiff sie dann aber aussteigen sollen, ist noch offen. Die beiden Multimilliardäre Elon Musk und Jeff Bezos liefern sich dabei einen heftigen Konkurrenzkampf, in den zeitweise sogar schon die Gerichte eingeschaltet waren.
Das ist der Stand der Dinge derzeit.
Bei der Mission „Artemis 2“ haben vor ein paar Wochen vier Nasa‑Astronauten den Mond in einem Raumschiff umrundet. Ursprünglich sollte bereits die nächste Mission „Artemis 3“ – auch aufgrund des Wettbewerbs mit China und unter politischem Druck der US-Regierung – wieder eine bemannte Mondlandung sein.
Der geplante Ablauf für eine tatsächliche Mondlandung ist komplex: Zunächst soll eine Landefähre unbemannt den Mond erreichen und in eine Umlaufbahn einschwenken. Danach folgt das Raumschiff „Orion“ mit den Astronauten. Zwei von ihnen wechseln in die Landefähre, landen am Südpol des Mondes und kehren nach einigen Tagen wieder zur „Orion“ zurück, die währenddessen in der Mondumlaufbahn bleibt. Anschließend erfolgt die Rückreise zur Erde an Bord der „Orion“.
Änderung des Zeitplans
Offenbar war die Ungeduld aber doch etwas zu groß. Ende Februar 2026 gab Jared Isaacman, der amtierende Direktor der Nasa, eine Änderung des Zeitplans bekannt: Nun sollen die Astronauten bei der Mission „Artemis 3“ noch nicht zum Mond fliegen. Der Ablauf des Rendezvous- und Andockmanövers ihres Raumschiffs „Orion“ an eine Mondlandefähre soll vielmehr als Generalprobe erst einmal im Erdorbit durchgespielt werden, ähnlich wie im März 1969 bei Apollo 9.
Hat Pläne für den Mond: Jeff Bezos.
© AFP/Getty Images/Michael M. Santiago
Bis jetzt ist allerdings ungeklärt, welche Mondlandefähre bei „Artemis 3“ für diesen Test zur Verfügung stehen wird: die „Starship“ der Firma SpaceX von Elon Musk oder die „Blue Moon“ der Firma Blue Origin von Jeff Bezos? Oder sogar beide?
1300
Tonnen Treibstoff müssten für die Starship-Mission zu einer Orbit-Tankstelle gebracht werden.
Ursprünglich hatte die Nasa im Jahr 2021 allein Elon Musks Firma SpaceX beauftragt, eine Mondlandefähre zu entwickeln. Grundlage ist hier ein zweistufiges Raketensystem. Die untere Stufe, der „Super Heavy Booster“, soll mit 33 Triebwerken die Rakete starten und beschleunigen. In rund 100 Kilometern Höhe trennt sich die obere Stufe ab und fliegt als eigenständiges, unbemanntes Raumschiff „Starship“ weiter.
Mit eigenen sechs Triebwerken bringt es sich zunächst in eine Erdumlaufbahn und beschleunigt anschließend auf Kurs Richtung Mond. Dort soll das „Starship“ schließlich als Landefähre dienen: Es nimmt die Astronauten auf und bringt sie aus der Mondumlaufbahn zur Oberfläche.
Tankstelle im All
Doch bei den bislang elf Testflügen erreichte das „Starship“ nicht einmal eine Erdumlaufbahn. Entweder explodierte es, wie bereits mehrfach geschehen. Oder es wasserte, hier zumindest planmäßig, nach kurzen Suborbitalflügen im Ozean.
Wenn seine Triebwerke das „Starship“ aber erst einmal in eine Erdumlaufbahn befördern werden, die erste Etappe seiner Reise zum Mond, verbrauchen sie schon dafür so viel Treibstoff, dass bereits das nächste Problem wartet: Die Tanks werden fast leer sein. Damit das „Starship“ weiter zum Mond fliegen, auf ihm landen und wieder zurückstarten kann, muss es dafür zuerst wieder aufgetankt werden: mit rund 1000 Tonnen flüssigem Sauerstoff und 300 Tonnen flüssigem Methan.
Konkurrent für Bezos auch im All: Elon Musk.
© Reuters/Mike Blake
Zu diesem Zweck muss SpaceX eine außerirdische Raketentankstelle einrichten. Dazu wird ein Raumschiff mit großen Tankbehältern ausgerüstet und als zunächst leeres „Depot“ in eine Erdumlaufbahn gebracht. Danach müssen weitere Raketen als „Tanker“ gestartet werden, die Treibstoff von der Erde zum „Depot“ hochbringen.
Nasa wurde allmählich nervös
Da jeder dieser „Tanker“ aber nur etwa 100 Tonnen in einen Erdorbit tragen kann, dürften wohl mehr als zehn Raketenstarts von „Tankern“ notwendig werden, um das „Depot“ zu füllen. Erst dann kann die „Starship“ an jenem Depot andocken, um zu tanken: für ihre Weiterreise zum Mond, die Landung und die Rückreise.
Keines dieser verschiedenen Manöver für den Flug von Musks „Starship“ zu seinem Einsatzort am und auf dem Mond ist bis jetzt aber jemals durchgeführt worden. Verständlich also, dass die Verantwortlichen der Nasa allmählich nervös wurden. Hatten sie Jeff Bezos bei der Vergabe der Entwicklung eines Mondlandesystems doch etwas zu schnell abblitzen lassen?
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2023 erteilte die Nasa dann doch noch dessen Firma „Blue Origin“ den Auftrag, ihr eigenes „Human Landing System“ weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist die Mondlandefähre „Blue Moon“. Im Vergleich zum 52 Meter hohen „Starship“ von SpaceX ist sie mit rund 15 Metern Höhe deutlich kleiner und kompakter.
Nach ihrem Start müsste „Blue Moon“ auch nicht erneut in einer Erdumlaufbahn aufgetankt werden, um zum Mond gelangen zu können. Sie kann vielmehr von einer Rakete direkt zum Mond getragen werden. Die dafür notwendige Transportrakete wird ebenfalls bereits von Jeff Bezos’ Firma „Blue Origin“ gebaut.
Jeff Bezos hüllt sich in Schweigen
Offen ist jedoch, wann diese 120 Meter hohe Rakete namens „New Glenn 9 × 4“ startbereit sein wird. Auch über den aktuellen Entwicklungsstand der Landefähre „Blue Moon“ hüllen sich Bezos und seine Ingenieure in Schweigen. Vor wenigen Tagen gab die Nasa aber bekannt, dass eine kleinere Version der „Blue Moon“ einen Drucktest in ihrer Vakuumkammer bestanden hat. Diese Landefähre „Blue Moon Mark 1“ kann jedoch nur Fracht auf den Mond befördern, aber keine Menschen.
In den kommenden Wochen erwarten wir ihren zwölften Testflug.
Lauren Low, Nasa-Pressesprecherin, zu den angeblichen Fortschritten bei SpaceX
Der Informationsstand zum Konkurrenzprodukt ist nicht besser: Denn auch zum Stand der Dinge bei Musks Mondfähre „Starship“ durch seine Firma „SpaceX“ gibt es kaum Neuigkeiten. Auf Nachfrage des Tagesspiegels sagte Nasa-Pressesprecherin Lauren Low lediglich, auch bei „SpaceX“ gebe es „Fortschritte bei ihrer Landefähre“. Und weiter: „In den kommenden Wochen erwarten wir ihren zwölften Testflug.“ Offen ließ sie, ob das „Starship“ dabei zum ersten Mal eine Umlaufbahn um die Erde erreichen soll.
Die Nasa jedenfalls hält an ihrem Zeitplan für das Artemis-Mondprogramm fest: Am 27. April traf die untere Hauptstufe ihres „Space Launch Systems“ im „Kennedy Space Center“ in Florida ein. Nach deren Zusammenbau soll die Rakete im kommenden Jahr bei der Mission „Artemis 3“ das bemannte Raumschiff „Orion“ in eine Erdumlaufbahn tragen.
Zwei bemannte Mondlandungen 2028?
Wirklich Sinn ergibt solch ein Flug aber nur, wenn dann auch zumindest eine Landefähre starten könnte. Am liebsten wäre es der Nasa natürlich, wenn dann sowohl „Starship“ als auch „Blue Moon“ für Andocktests mit „Orion“ bereitstünden. Die würden dann, gleichsam im direkten Konkurrenzkampf im Erdorbit, hintereinander stattfinden. Wenn beide Tests erfolgreich verliefen, bliebe der aktuelle Plan realistisch: Mit „Artemis 4“ und „Artemis 5“ soll es im Jahr 2028 gleich zwei bemannte Mondlandungen geben: eine mit „Starship“, die andere mit „Blue Moon“.
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In diesem Zusammenhang spricht die Nasa von einem „goldenen Zeitalter der Innovation und Erkundung“, in dem Artemis-Astronauten zu immer anspruchsvolleren Missionen aufbrechen sollen: um den Mond wissenschaftlich und wirtschaftlich zu erschließen und zugleich die Grundlage für erste bemannte Missionen zum Mars zu schaffen.
Die US-Raumfahrtbehörde setzt dabei auch im All auf eine alte Binsenweisheit: Konkurrenz belebt das Geschäft – während die eigentliche Konkurrenz aus Fernost es eher mit Planwirtschaft versucht. Der Ausgang des Rennens ist offen.