Kandersteg wehrt sich | 13. Mai 2026
Weil die Informationsveranstaltung des Kantons ihrer Meinung nach zu viele Fragen offenliess, schliessen sich die Kandersteger zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Im Zentrum stehen neben der Frage der Kollektivunterkunft auch jene nach Wohnraum für Einheimische.

Im ehemaligen Institut Kandersteg plant der Kanton Bern eine kollektive Asylunterkunft mit einer Kapazität von 200 Betten.Foto: Fabian Wyssen
Der Kanton Bern plant im ehemaligen Institut Kandersteg eine kollektive Asylunterkunft mit einer Kapazität von 200 Betten. Am 24. April veranstaltete der Kanton eine Informationsveranstaltung, bei der vier Behördenvertreter das Projekt vorstellten und sich den Fragen der Bevölkerung stellten. Auch die Plattform J war vor Ort und berichtete. Sowohl der Gemeinderat als auch die Bevölkerung stellt sich mehrheitlich gegen das Vorhaben.
Die Ängste und Sorgen der Anwesenden wurden von den Kantonsvertretern belächelt und verharmlost. Die Veranstaltung verlief nicht zufriedenstellend
IG Asylzentrum Kandersteg
Dieser Widerstand geht mit der Gründung der Interessengemeinschaft (IG) Asylzentrum Kandersteg einen Schritt weiter. Die Verantwortlichen bringen ihren Ärger auf der Website der IG zum Ausdruck. «Die Fragen an der Veranstaltung mit 340 Anwesenden wurden grösstenteils nicht oder nur oberflächlich beantwortet», schreiben sie auf der Seite. «Die Ängste und Sorgen der Anwesenden wurden von den Kantonsvertretern belächelt und verharmlost. Die Veranstaltung verlief nicht zufriedenstellend.»
Gemeinsam wolle man nun ein Zeichen setzen und Antworten finden. Die zentrale Frage stellt die IG auf ihrer Webseite gleich selbst: «Warum kann der Kanton ausserhalb der roten Zone ein Asylzentrum errichten, während einheimische Familien seit Jahren Wohnraum suchen und teilweise wegziehen müssen?»

Fabian Wyssen, der bereits eine Petition gegen das Asylzentrum lanciert hat, ist auch Teil der Arbeitsgruppe der IG Asylzentrum Kandersteg.Fotos: Yannick Mühlemann
Wohnraum bleibt zentrales Thema
Auf Anfrage der Plattform J bestätigt Fabian Wyssen, dass er auch bei der Gründung der IG mitgewirkt habe. Der junge Vater aus Kandersteg hat vor der Infoveranstaltungeine Petition gegen das Asylzentrum lanciert. Er ist auf deren Website auch als Teil der Arbeitsgruppe vermerkt.
Für die IG steht hauptsächlich die Frage nach Wohnraum im Zentrum. Dieser sei in Kandersteg knapp. Auch aufgrund der Situation mit dem «Spitze Stei» und der deswegen verfügten Planungszone. «Einheimische dürfen nicht mehr bauen», schreibt die IG dazu auf ihrer Website. «Wohnraum für Einheimische ist daher kaum verfügbar.»

340 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten den Informationsabend des Kantons zur geplanten Asylunterkunft.
Deshalb findet die IG es auch fragwürdig, dass die Eigentümerschaft des Instituts die ursprünglich geplanten Erstwohnungen im ehemaligen Institut Kandersteg nicht umsetzen konnte. «Die Eigentümerschaft hat eine Voranfrage bei den Behörden für 15 Erstwohnungen eingereicht, und diese wurde abgelehnt. Weshalb der Kanton nun ein Asylzentrum bauen kann, ist aus unserer Sicht fraglich», erklärt Fabian Wyssen der Plattform J. «Insbesondere Fragen zur Zweiklassengesellschaft wegen der Brandschutzvorschriften von Asyl- zu Erstwohnungen oder warum die Behörden das ursprünglich geplante Erstwohnungsprojekt ablehnten und nun anstelle ein Asylzentrum bauen.»
Deshalb stelle man sich bei der IG auch die eingangs erwähnte Frage:
Warum kann der Kanton ausserhalb der roten Zone ein Asylzentrum errichten, während einheimische Familien seit Jahren Wohnraum suchen und teilweise wegziehen müssen?
IG Asylzentrum Kandersteg
«Liegenschaften können nicht saniert, Neubauten und Komplettsanierungen nicht realisiert werden», steht auf der Webseite der IG weiter. «Der gesamte Dorfkern liegt wegen der Naturgefahren vom Spitze Stei in der roten Zone.» Deshalb sei das Thema der geplanten Unterkunft so eng mit dem Thema Wohnraum in Kandersteg verbunden. «Bei Einheimischen werden Wohn- oder Sanierungsprojekte nicht bewilligt, und diese müssen wegen des mangelnden Wohnraums wegziehen», so Fabian Wyssen. «Dieses Thema ist in Kandersteg sehr emotional und auch nicht mit anderen Gemeinden im Kanton vergleichbar.»
So bleiben denn auch die vier zentralen Forderungen der IG an die Nutzung der Liegenschaft für Erstwohnungen gebunden. Der Kanton solle die Asylunterkunft überdenken und den Mietvertrag auflösen. Stattdessen soll er der Eigentümerschaft ermöglichen, die ursprünglich geplanten Erstwohnungen zu schaffen. Die IG fordert dabei alle betroffenen Behörden auf, die Eigentümer bei den nötigen Bewilligungen zu unterstützen, damit diese innert kürzester Zeit bauen könnten.
Mit welchen Mitteln sich die IG gegen die Asylunterkunft wehren will, lässt sie bisher offen. Man konnte jedoch innert zwei Tagen bereits 500 Mitglieder aktivieren. Zum Vergleich: Kandersteg hat 1300 Einwohner. Bisher hat der Kanton Bern nicht auf die Gründung und die Forderungen der IG Asylzentrum Kandersteg reagiert.