Ausnahmen beim ESC
Sie kommen nicht aus Europa – und nehmen dennoch teil
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15.05.2026 – 15:39 UhrLesedauer: 4 Min.
Der israelische ESC-Teilnehmer Noam Bettan: Er darf am Wettbewerb teilnehmen, obwohl sein Land nicht in Europa liegt. (Quelle: Jens Büttner/dpa)
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Australien und Israel sind im Finale des Eurovision Song Contests vertreten. Dass sie überhaupt beim Wettbewerb dabei sein dürfen, hat interessante Gründe.
Tobias Schibilla berichtet aus Wien.
Der Eurovision Song Contest 2026 nähert sich seinem Höhepunkt: Am Samstagabend findet das große Finale vor rund 10.000 Zuschauern in der Wiener Stadthalle statt. An den Start gehen werden dabei auch Australien mit der Powerballade «Eclipse» von Delta Goodrem und Israel, dessen Teilnehmer Noam Bettan das gefühlvolle Lied «Michelle» singt.
Beide Länder gehören geografisch nicht zu Europa und nehmen doch seit Jahren am ESC teil. Regelmäßig wirft das bei Fans, die den Wettbewerb nur zu seinem Höhepunkt verfolgen, eine Frage auf: Warum können Staaten, die Tausende Kilometer von Wien entfernt liegen, überhaupt am größten Musikwettbewerb des Kontinents teilnehmen?
ESC 2026: Darum ist Israel dabei
Die Antwort liegt nicht in der Geografie, sondern in der Organisationsstruktur des Wettbewerbs. Der Eurovision Song Contest wird seit 1956 von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) veranstaltet, einem Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Medienorganisationen.
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Trotz des europäisch klingenden Namens umfasst die EBU insgesamt 68 Mitglieder aus 56 Ländern – und nicht alle davon liegen geografisch auf dem europäischen Kontinent. Zur Teilnahme am ESC berechtigt sind laut den Regeln der EBU alle aktiven Vollmitglieder der Organisation. Die geografische Lage ist dabei kein Kriterium.
Der israelische öffentlich-rechtliche Rundfunk trat bereits 1957 der Europäischen Rundfunkunion bei – nur ein Jahr nach deren Gründung und ein Jahr nach dem allerersten Eurovision Song Contest. Bis 1973 nutzte Israel die Mitgliedschaft nicht für eine Teilnahme am Wettbewerb, unter anderem, weil die staatlichen Ressourcen fehlten. Doch seitdem ist Israel ein fester Teil des ESC. Bis heute konnte das Land im Nahen Osten den Wettbewerb sogar viermal gewinnen.
Eurovision: Australien ist ein echter Sonderfall
Australien hingegen ist ein echter Sonderfall. Das Land, das von Europa aus gesehen auf der anderen Seite des Globus liegt, ist kein Vollmitglied der EBU, sondern lediglich ein assoziiertes Mitglied – eine Kategorie, die grundsätzlich nicht zur Teilnahme am ESC berechtigt. Dennoch singt Australien seit 2015 mit.
Der Grund: Der Wettbewerb wird seit 1983 im Frühstücksfernsehen in Down Under übertragen und hat dort eine außergewöhnlich treue Fangemeinde aufgebaut. Zum 60-jährigen Jubiläum des ESC lud die EBU Australien einmalig als Gast ein. Die positive Resonanz war so groß, dass aus der Einmaligkeit eine feste Einladung wurde. Seitdem muss Australien – anders als beim Debüt – an einem der beiden Halbfinale teilnehmen und sich für das Finale qualifizieren, erhält aber jedes Jahr erneut eine gesonderte Einladung der EBU.

