Schwere psychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und bipolare Störungen haben auch eine biologische Seite. Mediziner der Uni Magdeburg fassen jetzt in zwei neuen Studien zusammen, wie sich die drei Krankheiten im Immunsystem des Gehirns und in seinem Stoffwechsel zeigen.

Psychische Krankheiten im Körper: Immunsystem der Gehirns reagiert

Das Problem bisher: Verschiedene Patienten mit Depressionen können zwar ähnliche psychische Symptome haben, auf der körperlichen Ebene können die Veränderungen aber sehr unterschiedlich sein. Das neue Vorgehen soll dabei helfen, verschiedene Untertypen der jeweiligen Erkrankung sichtbar zu machen, um die Patientinnen und Patienten gezielter zu behandeln.

Die Analyse greift einerseits auf Daten von bildgebenden Verfahren zurück. So wurden die Aktivitäten der sogenannten Mikroglia im Gehirn von lebenden Patienten untersucht. Dabei handelt es sich um eine Art Wartungs- und Wachdienst des Gehirns. Außerdem interessierte sich das Team um Johann Steiner für den Kynurenin-Stoffwechsel-Weg, der in der Nervenflüssigkeit (Liquor) von Gehirn und Rückenmark untersucht werden kann. Diese In-vivo-Daten verglichen die Forscher mit Post-Mortem-Studien, bei denen die Gehirne verstorbener Patienten auf die gleichen Marker untersucht wurden.

Gleiche Diagnose, unterschiedliche Biologie: Depression und Schizophrenie unterscheiden sich zwischen Patienten

Die Ergebnisse bestätigen, dass sich trotz gleicher Diagnose bei verschiedenen Patienten ein sehr unterschiedliches Bild zeigen kann. Bei Major Depression zeigten sich im Gehirn lebender Personen Entzündungsreaktionen in Hirnregionen, die für Stimmung, Verarbeitung von Stress und Regulierung von Gefühlen wichtig sind.

Bei Schizophrenie war das Bild weniger einheitlich. Die Mikroglia zeigten sehr unterschiedliche Aktivität. Hier waren die Befunde aus der Untersuchung des Nervenwassers aufschlussreicher. So könnte der Kynurenin-Stoffwechsel auf eine Art verschoben sein, dass er die Übertragung von Reizen zwischen Nervenzellen beeinträchtigt. «Das passt zu einer langjährigen Hypothese, wonach genau diese Störung zu psychotischen Symptomen und kognitiven Einschränkungen beitragen könnte», heißt es in einer Mitteilung.

Bei bipolaren Störungen hingegen reichen die Daten nicht aus, um ein klares Bild zu gewinnen. Dort seien weitere Studien notwendig, schreiben die Autoren.