An einem einsamen schwedischen See, im Hotel mit Blick auf die Alpen, auf der Durchreise nach Frankreich – wann immer möglich setzt sich der Erbonkel in die Sauna. Nicht um abzunehmen (Fett „verbrennen“ funktioniert ohnehin nicht), sondern wegen des entspannenden Effekts. Doch jetzt stellt sich heraus, dass die kurzzeitigen Hitzeschübe auch Demenzerscheinungen im Alter verhindern könnten. Jedenfalls deutet die Geschichte von Doug Whitney darauf hin.

In der Familie des US-Amerikaners ist Alzheimer eher die Regel als die Ausnahme. Das liegt an einer Mutation im Gen Presenilin 2. Es stammt von seinen Vorfahren, Wolgadeutschen, die im 18. Jahrhundert in die USA auswanderten. Praktisch jeder, der diese Mutation erbt, erkrankt spätestens mit Anfang 50 an Alzheimer. „Diese Krankheit hat meine Familie schwer getroffen“, wird Whitney zitiert. „Meine Mutter hatte 13 Geschwister, und 10 von ihnen starben, bevor sie 60 Jahre alt waren. Es war eine Geißel.“ Offenbar verursacht die Genveränderung eine falsche Faltung von Proteinmolekülen, wodurch sie verklumpen. Die Nervenzellen sterben ab und das Gedächtnis schwindet.

Ein biologisches Rätsel

Auch Doug Whitney hat die Mutation geerbt, doch inzwischen ist er 75 Jahre alt – und verfügt noch immer über ein gutes Gedächtnis. Ein biologisches Rätsel.

Das erregte die Neugier von Geoffrey Canet vom nationalen französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und Randall Bateman von der Washington University in St. Louis, USA. In Gesprächen mit Whitney fanden sie heraus, dass er fast sein ganzes Arbeitsleben als Mechaniker im Maschinenraum von Schiffen verbracht hatte und daher regelmäßig stundenlang großer Hitze (über 50 Grad Celsius) ausgesetzt war.

Tatsächlich gibt es schon länger Hinweise, dass Hitze womöglich helfen könnte, die mit Alzheimer einhergehende Verklumpung von Eiweißen, etwa das Tau-Protein, im Gehirn zu verhindern. Zwar fördert Wärme über 40 Grad Celsius eigentlich die Fehlfaltung von Proteinen, doch der Körper hat dagegen einen natürlichen Schutzmechanismus. Sobald die Temperatur steigt, werden „Hitzeschock“-Gene aktiviert. Sie sorgen dafür, dass Proteine „in Form“ bleiben, oder schaffen bereits defekte Eiweiße rasch beiseite.

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Mäuse, die man regelmäßig Sauna-ähnlichen Temperaturen aussetzte, sammelten weniger defekte Tau-Proteine im Hirn an und entwickelten seltener Alzheimer ähnliche Symptome als kühl gehaltene Tiere. Auch eine finnische Langzeitstudie stützt die These: Wer regelmäßig in die Sauna geht, reduziert sein Risiko, im Alter an Alzheimer zu erkranken, deutlich. Das absolute Risiko sank von 1,8 auf 1,17 Prozent. Kein Beleg, aber interessant in diesem Zusammenhang: In heißen Ländern erkranken die älteren Menschen vergleichsweise seltener an Alzheimer.

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Tatsächlich fanden Canet und Bateman in Witneys Blut höhere Mengen von Hitzeschockproteinen und geringe Mengen verklumpten Tau-Proteins. Unklar ist jedoch, ob sich sein Körper damit an die ständige Hitze auf den Schiffen angepasst hat oder der Mann vielleicht schon von Geburt an eine besondere genetische Ausstattung hatte, die die Mutation des Presenilin-Gens wettmacht.

Auf jeden Fall haben Witney die unfreiwilligen Saunagänge nicht geschadet. Weshalb der Erbonkel jetzt einen guten Grund hat, noch häufiger in die Sauna zu gehen. Endlich mal etwas Angenehmes, womit man fürs Alter vorsorgen kann. Jetzt muss sich nur noch eine Studie finden lassen, derzufolge das Bier danach im Alter schön macht …