Viktor Orbán galt in Europa jahrelang als Inbegriff des politischen Machtinstinkts. Nun hat Ungarn einen neuen Regierungschef, und schon nach wenigen Tagen zeigt sich: Péter Magyar könnte seinem Vorgänger ähnlicher werden, als vielen lieb ist.

Der neue Ministerpräsident kündigte beziehungsweise unterstützte die Kündigung eines milliardenschweren Vertrags mit der Stiftung des Nobelpreisträgers Ferenc Krausz. Bereits ausgezahlte Milliarden sollen zurückgefordert werden. Im Vorstand der Stiftung sitzen mit Nobelpreisträger Randy Schekman und dem Abel-Preisträger László Lovász weitere hochdekorierte Wissenschaftler.

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Regierungschef Péter Magyar an einer Medienkonferenz in Budapest

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Das ist ein erstes Zeichen dafür, wie der neue Machthaber mit Institutionen umgeht, sobald er selbst am Hebel sitzt. Wer politisch unter Verdacht gerät oder dem alten System zu nahe stand, muss offenbar damit rechnen, öffentlich vorgeführt und finanziell abgewickelt zu werden, selbst wenn es sich um einen Nobelpreisträger handelt.

The government is terminating the 261.7 billion forint contract signed with the foundation of Nobel Prize-winning researcher Ferenc Krausz. We call on Professor Krausz to return the 22 billion forints already disbursed.

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— Magyar Péter (Ne féljetek) (@magyarpeterMP) May 15, 2026

Das ist keine Kleinigkeit. Wissenschaft lebt gerade davon, dass sie nicht nach parteipolitischer Opportunität organisiert wird. Sobald Regierungen beginnen zu definieren, welche Forschung moralisch oder politisch akzeptabel ist, wird es gefährlich. Heute trifft es Ferenc Krausz, morgen vielleicht andere.

Besonders erstaunlich ist die Reaktion vieler europäischer Beobachter. Dieselben Kreise, die bei Orbán jede problematische Formulierung als Angriff auf den Rechtsstaat interpretierten, begegnen Magyar derzeit mit bemerkenswerter Nachsicht. Weil er als Hoffnungsträger gegen das alte System gilt, scheint plötzlich vieles entschuldbar.

Wer bereits in den ersten Amtstagen beginnt, mit demonstrativer Härte gegen Wissenschaft, Institutionen und missliebige Strukturen vorzugehen, verdient zumindest dieselbe kritische Aufmerksamkeit, die man jahrelang Orbán entgegengebracht hat.