Zukunft Kunstmuseum Bern | 17. Mai 2026

Eine Exklusiv-Umfrage der Plattform J vor dem Kunstmuseum Bern. Vor der wegweisenden Abstimmung vom 14. Juni über das Sanierungs- und Neubauprojekt «Eiger» haben wir den Puls bei den Besucherinnen und Besuchern gefühlt. Von der dreijährigen Stillleben-Liebhaberin über weit gereiste Kultur-Touristen bis hin zu Jugendlichen, die vor historischen Schweizer Gemälden Selfies machen – die Stimmen zeigen eindrücklich, warum Bern Raum für die Kunst der Zukunft braucht.

Ein bissiger Wind pfeift an der Hodlerstrasse in Bern und treibt die Passanten zur Eile an. Doch wer die Türen des Kunstmuseums Bern aufstösst, lässt das ungemütliche Wetter hinter sich. Drinnen erwartet einen das, was die Menschen an diesem Tag quer durch alle Generationen und Herkunftsländer verbindet: nachhaltige Begeisterung.

Maximale Offenheit

Für die Plattform-J-Serie «Zukunft Kunstmuseum Bern» haben wir uns – bewaffnet mit Kamera, Mikrofon und vielen Fragen – unter die Museumsbesucher gemischt. Das Resultat? Fast keine Absagen, maximale Offenheit und Statements, die so knackig und herzerwärmend sind, dass die kühle Bise draussen schnell vergessen geht. Die Menschen bewegt das Thema – und sie sind sich einig: Bern braucht dieses Museum. Und es braucht das Projekt «Eiger».

Von der Aareseite her gesehen erkennt man die zwei Bauten des Kunstmuseums recht gut.

Von der Aareseite her gesehen erkennt man die zwei Bauten des Kunstmuseums recht gut.Fotos: Patrick Schmed

Worum geht es am 14. Juni?

Die Berner Stimmbevölkerung entscheidet am 14. Juni über die Zukunft ihrer wichtigsten Kunstinstitution. Unter dem Projektnamen «Eiger» liegt ein wegweisendes Konzept auf dem Tisch: Der historische Stettler-Bau wird dringend saniert, während der mittlerweile untragbare und energetisch veraltete Bau vom Atelier 5 durch einen modernen Kubus ersetzt werden soll. Es geht um Raum, um zeitgemässe Vermittlung und darum, ob Bern als Kulturstadt national und international den Anschluss behält oder zwangsläufig abgehängt wird.

Wer das Kunstmuseum Bern betritt, findet sich in einem offenen Foyer wieder.

Wer das Kunstmuseum Bern betritt, findet sich in einem offenen Foyer wieder.

Dass der Platzmangel schon heute spürbar ist, zeigen die zwei aktuellen Publikumsmagnete: «Panorama Schweiz» und «Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard». Die Ausstellungen bieten eine fesselnde Essenz des Schweizer Kunstschaffens über Jahrhunderte hinweg – und liefern den Besuchern den besten Beweis dafür, warum das Haus dringend mehr Raum braucht.

Mehrgenerationenausflug – Rolf, Mina und Samuel Klopfenstein (vlnr) haben sich für das Kunstmuseum Bern entschieden, wo unter anderem ansprechende Stillleben zu sehen sind.

Mehrgenerationenausflug – Rolf, Mina und Samuel Klopfenstein (vlnr) haben sich für das Kunstmuseum Bern entschieden, wo unter anderem ansprechende Stillleben zu sehen sind.

Ein Herz für Stillleben und Hodler-Fieber

Die Bandbreite der Besucher an diesem windigen Tag ist gross – und das zeigt sich schon im Foyer. Da ist ein junger Vater, Samuel, der mit seiner kleinen Tochter Mina die Ausstellungen besucht hat. Auf die Frage nach seinen Eindrücken meint der Vater strahlend: «Es hat mir sehr gut gefallen.» Und das kleine Mädchen nickt scheu, aber bestimmt mit einem «Gut». Ein bestimmtes Genre hat es der jüngsten Museumsbesucherin angetan. Der Vater übersetzt schmunzelnd, was sie im zugeflüstert hat: «Du warst vom Stilleben begeistert!» Das Töchterchen nickt erneut. Es braucht eben nicht immer das ganz grosse Drama – manchmal reicht die ruhige Kraft der Kunst, um schon die Kleinsten zu verzaubern.

Anne Kersten ist regelmässig im Kunstmuseum Bern zu Gast.

Anne Kersten ist regelmässig im Kunstmuseum Bern zu Gast.

Wir treffen Anna, eine treue Berner Stammkundin, die das Haus als Oase im Alltag nutzt. Sie erzählt: «Ich habe einen Museumspass und bin immer wieder hier. Wenn ich Zeit habe, gehe ich eine Stunde hierher. Ich schaue auch nicht, welche Ausstellungen es sind. Ich laufe durch und bleibe dort, wo es mir gefällt, stehend oder sitzend.»

Wichtiger Teil der Kultur

Heute hat es ihr die Ausstellung «Panorama Schweiz» sowie «Das volle Leben» besonders angetan. Ein Name fällt dabei sofort: Ferdinand Hodler, der Berner Säulenheilige der Moderne. «Von der Farbkombination und der Tiefe in seinen Bildern finde ich ihn immer wieder fantastisch.» Für die Bernerin ist der Fall mit Blick auf den 14. Juni sonnenklar: «Das Kunstmuseum braucht es, weil es ein wichtiger Teil der Kultur ist. Den Neubau braucht es ebenso, weil man sonst nicht mehr mithalten kann mit Basel und Zürich. Es wäre schade. Bern hat es verdient.»

Hartmut von der Heide wartet mit der Hündin Charlotte draussen, während seine Frau die Ausstellung besucht.

Hartmut von der Heide wartet mit der Hündin Charlotte draussen, während seine Frau die Ausstellung besucht.

Kultur-Tourismus: Der Ruf des Gurlitt-Erbes

Dass das Kunstmuseum Bern weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinausstrahlt, beweist Hartmut, der mit seiner Frau Annegret aus einem Ort in der Nähe von Paderborn in Deutschland nach Bern gereist ist. Für ihn war das Museum ein Fixpunkt der Städtereise – angelockt auch durch das Gurlitt-Erbe. «Wir waren schon in der Schweiz, aber noch nie in Bern. Und in dem Zusammenhang suchten wir die künstlerische Perspektive. Meine Frau interessiert sich für Künstlerinnen wie Gabriele Münter und andere Impressionisten». Hartmut ergänzt: «Das waren die Dinge, die wir im Original anschauen wollten. Nicht nur auf Papier.» Es zeigt sich: Ein attraktives Kunstmuseum ist ein harter Wirtschaftsfaktor und zieht gezielt Kultur-Touristen an.

Eren und David gefiel vor allem das Bild der Ingenieure im Nebel.

Eren und David gefiel vor allem das Bild der Ingenieure im Nebel.

Ein Selfie vor den Ingenieuren im Nebel

Wie wichtig die Vermittlung an die Jugend ist, erleben wir kurz darauf im Foyer. Eine Schulklasse ist da, mittendrin David aus der Ukraine und Eren, der aus der Türkei stammt. Beide sind 16 Jahre alt, beide zum ersten Mal im Kunstmuseum Bern – und beide sichtlich geflasht von der Wucht der Bilder.

«Ich habe meiner Meinung nach viele emotionale Werke gesehen. Auch freizügige Bilder, die aber auch viele Bedeutungen haben. Je nach Bild halt», erzählt Eren mit glänzenden Augen. Ein Werk hat sich dem 16-Jährigen regelrecht ins Gedächtnis eingebrannt: Ein historisches Gemälde, das die heroische Epoche des Schweizer Alpinismus einfängt. «Ich habe eines jetzt noch genau im Kopf: Das Gemälde ‚Ingenieure im Gebirge‘ von Raphael Ritz, das ist von 1870. Da sieht man mehrere Menschen auf einem Berg oben, wo es kalt und neblig ist. Und im Hintergrund erkennt man ein Teleskop.»

Auch Vanessa (links) und Sophie gehören zu den jüngeren Besucherinnen und Besuchern des Museums.

Auch Vanessa (links) und Sophie gehören zu den jüngeren Besucherinnen und Besuchern des Museums.

Die Faszination ging so weit, dass die beiden Jugendlichen die historische Kulisse ins 21. Jahrhundert holten. Eren schmunzelt: «Ich habe ein gleiches Bild gemacht – ein Selfie genau davor!» Wenn Teenager heute ein Selfie vor einem Schweizer Gemälde von 1870 machen, dann hat das Museum seine wichtigste Aufgabe erfüllt. Und wie denken sie über den Wert von Kultur im Allgemeinen? Eren bringt es auf den Punkt: «Ich finde, Kultur ist immer etwas Interessantes. Überall auf der ganzen Welt gibt es verschiedene Kulturen. Und es ist einfach interessant, auch die anderen Eindrücke des Lebens von einer anderen Person zu sehen.» David nickt energisch und lacht schelmisch: «Ich habe genau die gleiche Meinung wie er!»

Aus Winterthur reiste Margret schon mehrmals nach Bern, um das Kunstmuseum zu besuchen.

Aus Winterthur reiste Margret schon mehrmals nach Bern, um das Kunstmuseum zu besuchen.

Ein klares JA zur Zukunft

Unser Streifzug durch das Kunstmuseum Bern zeigt: Ob die kleine Mina, Stammgast Anna, das Touristenpaar aus Deutschland oder die Jugendlichen aus aller Welt – die Menschen wollen Kunst im Original erleben. Sie wollen Räume, die atmen können. Die aktuellen Ausstellungen zeigen das «volle Leben» – doch damit dieses Leben auch in Zukunft einen adäquaten Platz in Bern hat, braucht es am 14. Juni ein Ja zum Projekt «Eiger». Denn Bern hat ein erstklassiges Museum mehr als verdient.

Aus Indiana in den Staaten reisten Eva und Logan in die Schweiz, und da gehört der Besuch im Kunstmuseum natürlich dazu.

Aus Indiana in den Staaten reisten Eva und Logan in die Schweiz, und da gehört der Besuch im Kunstmuseum natürlich dazu.

Peters Kultur-Tipp

thema/peterskulturtipp

«Panorama Schweiz. Von Caspar Wolf bis Ferdinand Hodler»

Bis 5. Juli

«Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard»

Kunstmuseum Bern

Bis 27. September

www.kunstmuseumbern.ch

Kulturredaktor Peter Wäch sieht sich die Visualisierung im Modell an.

Kulturredaktor Peter Wäch sieht sich die Visualisierung im Modell an.

In eigener Sache und für das neue Kunstmuseum Bern

Die Plattform J ist eine von wenigen inhabergeführten Medienhäusern der Schweiz und berichtet mit Schwerpunkt auf den Kanton Bern. Sie erachtet die Erneuerung des Kunstmuseums Bern als genau so wichtig für die Kultur im Kanton wie die Medienvielfalt. In einer Serie blickt die Newsplattform deshalb hinter die Kulissen des renovationsbedürftigen Kunstmuseums.

Im zweiten Teil geht es um die Meinung der Besucherinnen und Besucher des heutigen Museums, welche aus der ganzen Schweiz und dem Ausland stammen.

Weitere Informationen zum Kunstmuseum Bern unter www.kunstmuseumbern.ch

Urs aus Gümligen ist ehemaliger Architekt, und er findet das Projekt «Eiger» perfekt für das kantonal-bernische Museum.

Urs aus Gümligen ist ehemaliger Architekt, und er findet das Projekt «Eiger» perfekt für das kantonal-bernische Museum.