Er ist bis heute sauer. Angelo Kelly enthüllt in einer Doku, was ihm das Jugendmagazin «Bravo» einst antat.
Angelo Kelly blickt in der RTL-Doku auf seine schwierige Zeit mit der «Bravo» zurück. – RTL
Das Wichtigste in Kürze
Angelo Kelly ist bis heute sauer auf die «Bravo».
Es geht um den Kelly-Hit «I Can’t Help Myself».
Die «Bravo» soll die Geschichte hinter dem Song verdreht haben.
Aus einem Liebeslied wurde laut Kelly eine Vater-Geschichte.
Wir schreiben das Jahr 1996. Angelo Kelly ist 14 Jahre alt.
Der jüngste Spross der Kelly Family steckt mitten in der Pubertät und schreibt einen Song. Nicht irgendeinen. Den grössten Hit, den die Kelly Family je haben wird.
«I Can’t Help Myself» landet auf Platz eins der Schweizer Hitparade. Noch vor «An Angel».
Der Text ist eine einzige Liebeserklärung: «Küss mich, errege mich, sag nicht Lebewohl. Umarme mich, liebe mich, sag nicht Lebewohl.»
Angelo Kelly war beliebt bei den Bravo-Leserinnen. – Bravo-Archiv.de
Angelo schrieb ihn für Kira Harms, das Mädchen, das später seine Frau werden sollte. Gemeinsam haben sie heute fünf Kinder.
Das Lied war ihm wichtig. Sehr wichtig. Umso mehr freute er sich, als die Jugendzeitschrift «Bravo» ein Interview darüber machen wollte.
Angelo Kelly erzählte der «Bravo» offen, für wen der Song entstanden war. Er war verliebt. Dann kam das Heft an den Kiosk.
Da stand schwarz auf weiss: Er habe das Lied für seinen Vater geschrieben.
Die «Bravo» prägte über Jahrzehnte die Jugendkultur im deutschsprachigen Raum. In der Kelly-Mania spielte das Magazin eine zentrale Rolle. – RTL
Angelo griff sofort zum Telefon. «Wie konntest du mir das antun? Wie kannst du so was schreiben?», konfrontierte er die zuständige Redakteurin.
Die Frau am anderen Ende der Leitung entschuldigte sich kleinlaut und lieferte den eigentlich Schuldigen: «Der Chef hat’s geändert.»
Hast du dich früher getraut, die «Bravo» am Kiosk zu kaufen?
1Ja, klar. War mir egal.
2Nur heimlich oder etwas verschämt.
3Nein, das war mir zu peinlich.
Dessen Logik: Die Leserinnen dürften nicht erfahren, dass Angelo verliebt ist. «Die Mädels denken, er hat ne Freundin. Das geht nicht.»
Das Kalkül war klar. Angelos Gefühle: egal.
Fast drei Jahrzehnte sind seither vergangen. Angelo Kelly ist heute 44, Familienvater, seit Jahren wieder auf der Bühne.
Den Groll hat er nicht abgelegt. In der RTL-Dokumentation «70 Jahre Bravo – Das grosse Jubiläum» sagt er ohne Umschweife: «Deswegen bin ich immer noch nachtragend.»
Es war nicht das einzige Mal, dass die «Bravo»-Maschinerie über die Menschen hinwegrollte, die sie gross machte. Die massive Berichterstattung katapultierte die Kelly Family in den Mainstream, aber sie hatte ihren Preis. Als die «Kellymania» auf dem Höhepunkt war, konnten sich die Familienmitglieder ohne Bodyguards nicht mehr auf die Strasse wagen.
Sein Fazit fällt deshalb kühl aus: «Am Anfang hat uns ‹Bravo› gutgetan, langfristig aber auch geschadet.»
Die Kelly Family und ihr Aufstieg
Die Kelly Family ist eine irisch-amerikanische Musikerfamilie, die in Europa aufwuchs. Die Band wurde vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr populär. Ihre Musik verbindet Folk, Pop und Rock.
Die Kelly Family war in der Hochphase vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Massenphänomen. Ihr Image lebte lange vom Kontrast: Strassenmusik-Roots, aber später riesige Hallen und TV Shows. – keystone
Die «Kelly Family» startete als reisende Musiker Familie und spielte jahrelang auf der Strasse. Der Direktverkauf von Kassetten und später CDs war Teil ihres Geschäftsmodells, lange bevor Streaming existierte. – keystone
Der «Kelly Family»-Bus in Zürich. Die Schweiz war für die Band ein wichtiger Markt, nicht nur als Tour Stopp, sondern auch in den Charts. – keystone
In den 1990er-Jahren erlebte die Gruppe ihren grössten Erfolg. Die Familie tourte jahrelang durch Europa und lebte zeitweise auf einem Hausboot.
Nach dem Boom zog sich die Band vorübergehend zurück. Einzelne Mitglieder verfolgten Solo-Karrieren. Angelo Kelly gehört zu jenen, die bis heute aktiv Musik machen. Er tritt sowohl solo als auch mit seiner eigenen Familie auf.