Ein schmerzverzerrtes Gesicht, zum Himmel erhobene Arme, ein leises, kaum wahrnehmbares Lächeln oder zerwühltes Haar: Die Bildsprache der Gefühle ist universell und wird unabhängig von Zeit und Kultur verstanden. Die Ausstellung „Expressiv! Grafik von Dürer bis Schlichter“ beleuchtet zentrale Bestände der eigenen Sammlung aus neuen Perspektiven und zeigt in thematischen Räumen, wie Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten die innere Gefühlswelt sichtbar machen. Von Albrecht Dürer über Rembrandt und Guido Reni bis zu Käthe Kollwitz und Rudolf Schlichter entfaltet sich ein breites Spektrum künstlerischer Strategien. In rund 250 Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem 15. bis 21. Jahrhundert präsentiert das Kunstmuseum Karlsruhe facettenreiche Annäherungen an menschliche Emotionen.
Was zeigt ein Gesicht wirklich?
Die in der Ausstellung präsentierten Studien zeigen, mit welcher Genauigkeit Dürer, Rembrandt und ihre Zeitgenossen Mimik und Gestik beobachteten und darstellten. Diesen historischen Positionen stellt die Ausstellung zeitgenössische Arbeiten gegenüber: Künstlerinnen und Künstler wie Marlene Dumas, Ulrike Michaelis und Arnulf Rainer brechen in ihren „Ich-Spielen“ bewusst mit starren Zuschreibungen und thematisieren das Künstler*innensubjekt selbst.

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Bild 2: Hanna Nagel, Das Geschenk, 1962, Foto: Kunstmuseum Karlsruhe
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Bild 2: Hanna Nagel, Das Geschenk, 1962, Foto: Kunstmuseum Karlsruhe
Nicht nur individuelle Mimik, auch zwischenmenschliche Beziehungen finden Ausdruck in den gezeigten Werken. Liebe, Hingabe, Zuneigung und Zusammenhalt bilden die emotionale Basis sozialer Gefüge. Von der Heiligen Familie als christlichem Ideal bis hin zu modernen Darstellungen von Partnerschaft und Familie spannt sich ein Bogen, der Vorstellungen von Eintracht, Fürsorge und Gemeinschaft reflektiert. Zugleich macht die Ausstellung den Wandel von Familienbildern sichtbar: von der funktional geprägten Hausgemeinschaft der Frühen Neuzeit hin zu modernen Auffassungen.
Auch der menschliche Körper wird zur Ausdrucksfläche intensiver Affekte: In Darstellungen der Passion Christi, der Qualen von Märtyrern, aber auch in weltlichen Szenen setzen sich Künstler wie van Leyden, Callot und Schoofs eindringlich mit Schmerz, Gewalt und Tod auseinander. Den Werken liegt eine bis heute gültige Bildstrategie zu Grunde: Sie zielen darauf ab, emotionale Reaktionen wie Mitleid, Staunen oder Erschrecken hervorzurufen und die Betrachtenden unmittelbar in das Bildgeschehen einzubeziehen.

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Bild 3: Albrecht Dürer, Das Meerwunder, um 1498, Foto: Kunstmuseum Karlsruhe, Siegelsche Sammlung
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Bild 3: Albrecht Dürer, Das Meerwunder, um 1498, Foto: Kunstmuseum Karlsruhe, Siegelsche Sammlung
Meisterblätter der Siegelschen Sammlung
1896 gelangte die „Siegelsche Sammlung“ durch seine Erben in den Besitz der Stadt Karlsruhe und bildete den Grundstock des heutigen Kunstmuseums. Ihr Schwerpunkt liegt auf deutschen und niederländischen Meistern vom 15. bis 19. Jahrhundert. Ergänzt wird sie durch bedeutende Werke italienischer und französischer Künstler. Die Ausstellung „Expressiv! Grafik von Dürer bis Schlichter“ ist vom 23. Mai bis 4. Oktober 2026 zu sehen.
Über das Kunstmuseum Karlsruhe
Das Kunstmuseum Karlsruhe ist das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst der Stadt. Mit rund 20.000 Werken und einem Schwerpunkt auf Malerei und Fotografie verbindet es historische Positionen mit internationaler Gegenwartskunst. Im Hallenbau, in direkter Nachbarschaft zu ZKM, HfG und Staatlicher Kunsthalle, ist das Museum ein zentraler Ort im kulturellen Gefüge Karlsruhes. Als Schaufenster für die lokale Kunstproduktion und Plattform für internationale Positionen entsteht hier ein lebendiger Raum für Austausch, neue Perspektiven und die Begegnung von Kunst, Stadt und Öffentlichkeit. Seit 2026 heißt die ehemalige Städtische Galerie Karlsruhe Kunstmuseum Karlsruhe.
Mehr Informationen zu Veranstaltungen finden Interessierte unter https://kunstmuseum-karlsruhe.de/calendar
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