Ein Feuerwehrmann hält am Dienstagnachmittag noch Brandwache. Im Hintergrund ist bereits ein Bagger mit Aufräumarbeiten beschäftigt.
Bild: Jochen Tempelmann
Am Dienstagnachmittag ist die Lage an der Heiligkreuzstrasse in St.Gallen wieder ruhig. Feuerwehrleute ruhen sich aus, ein letzter hält Brandwache und spritzt gelegentlich etwas Wasser in die immer noch rauchenden Überreste. Als die Feuerwehr zwölf Stunden zuvor um halb vier Uhr morgens den Einsatzort erreichte, traf sie ein Mehrfamilienhaus im Vollbrand an. Ein Grossaufgebot von mehr als 80 Einsatzkräften war vor Ort.
Jascha Müller, Einsatzleiter der Feuerwehr St.Gallen, ist erleichtert. Für das Haus kam jede Hilfe zu spät – es stürzte im Verlauf der Löscharbeiten weitgehend ein. Doch die Bewohnenden konnten in Sicherheit gebracht werden: «Eine Person, die im Keller von den Flammen eingeschlossen war, hat den Notruf gewählt», sagt Müller. «Wir konnten sie retten.» Auch die Umgebung wurde nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Das angrenzende Nachbarhaus, lediglich durch eine Brandmauer getrennt, wurde kaum beschädigt, ebenso wenig die Häuser und parkierten Autos in der unmittelbaren Umgebung.
Neun Verletzte, aber keine Toten
Lange war unklar, ob alle Bewohnenden das Haus verlassen konnten. Wie die Kantonspolizei St.Gallen am Dienstagmorgen schrieb, traf sie insgesamt 19 Bewohnende an. Sieben von ihnen wurden leicht verletzt, zwei schwer. Einer der Schwerverletzten erlitt schwere Verbrennungen und wurde mit dem Helikopter ins Unispital Zürich geflogen, wie Polizeisprecher Simon Anderhalden gegenüber «BRK News» sagt. Zwei Personen, die als Bewohnende im Haus gemeldet waren, wurden zu diesem Zeitpunkt noch vermisst.
Im Laufe des Tags konnte die Polizei die beiden Personen ausfindig machen, sie sind wohlauf. Bei den Verletzten handelt es sich um acht Männer zwischen 23 und 68 Jahren sowie eine 23-jährige Frau, die Personalien eines Schwerverletzten konnten noch nicht geklärt werden.
Video: TVO / Tobias Lenherr / Kantonspolizei St.Gallen / CH Media Video Unit / Linus BauerViele Mieterinnen und Mieter auf wenig Raum
Auch am Nachmittag ist das Gebiet noch immer grossräumig abgesperrt, zeitweise war der Busverkehr eingeschränkt. Schaulustige haben sich vor den Absperrbändern versammelt und beobachten, wie ein grosser Kran die Gebäudereste entfernt. Vielen war das alte Holzhaus bekannt, niemandem aber dessen Bewohnerinnen und Bewohner.
Beim abgebrannten Gebäude handelt es sich um ein Haus mit möblierten Monatszimmern. Einzelzimmer werden auf der Website des Anbieters ab rund 450 Franken pro Monat angeboten, Doppelzimmer ab 700 Franken. Gemäss Polizeiangaben hatte das Haus mindestens 21 Bewohnende – laut Wohnregister aber nur eine Wohnung mit sieben Zimmern und 130 Quadratmetern Fläche.
Der Vermieter, der sich auf seiner Website als «grösster privat organisierter Anbieter von Monatszimmern in der Region» bezeichnet, bietet Zimmer in vier weiteren Liegenschaften in Gossau, Oberuzwil und Flawil an. Auf Anfrage wollte er sich nicht zum Brand äussern und verwies an die Kantonspolizei. Die Brandursache ist nach wie vor unklar, die Ermittlungen laufen.