The Testament of Ann Lee, SzenenbildFoto: © 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

„The Testament of Ann Lee“ ging in den deutschen Kinos unter und wurde von den Oscars überraschend vernachlässigt. Warum man ihn jetzt bei Disney+ nachholen sollte.

Als „The Testament of Ann Lee“ vergangenen Herbst Weltpremiere in Venedig feierte, galt er schnell als wahrscheinlicher Oscar-Anwärter. Die beiden kreativen Köpfe hinter dem Projekt, das Paar Mona Fastvold und Brady Corbet, hatten zuvor bereits den preisgekrönten Historienfilm „Der Brutalist“ auf die Beine gestellt. Und ihr Nachfolgeprojekt ist nicht weniger faszinierend geglückt. Erneut haben beide ein originelles Drehbuch verfasst, das von Mona Fastvold mit großer Wucht inszeniert wurde.

Am Ende folgte jedoch die ernüchternde Überraschung: Der Film wurde mit keiner einzigen Oscar-Nominierung bedacht, obwohl er wie prädestiniert dafür erschien und zuvor unter anderem bei den Golden Globes vertreten war. Auch an den Kinokassen schnitt der originelle Historienfilm kaum überzeugend ab. Gerade in Deutschland ging des Werk nach seiner Premiere auf der Berlinale ziemlich unter. Jetzt kann man „The Testament of Ann Lee“ zu Hause im Streaming-Abo sehen.

„The Testament of Ann Lee“: Darum geht es

Mona Fastvold und Brady Corbet haben die wahre Geschichte der Ann Lee adaptiert und in eine Heiligenlegende verwandelt. Ann Lee, das ist die Gründerin der Shaker-Sekte in Amerika. Im 18. Jahrhundert wächst Ann in Manchester auf und gerät dort an die sogenannten Quäker, die mit ihren ekstatischen Lauten und Körperbewegungen für Unmut bei den Sittenwächtern sorgen.

Ann gerät derweil in eine unglückliche Ehe. Ihr Mann hat sadomasochistische Gelüste, die sie nicht teilt. Dazu verliert sie ein Kind nach dem anderen. Als sie die Qualen nicht länger erträgt, verschreibt sie sich voll und ganz dem Glauben und flieht mit anderen verfolgten Gläubigern nach Amerika, um ihre eigene Gemeinschaft zu errichten.

Szenenbild aus The Testament of Ann Lee© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

Das ist besonders an dem Film

Mona Fastvold hat „The Testament of Ann Lee“ als historisches Musical in mehreren Kapiteln inszeniert. Sie setzt dabei auf Choreografien und einen Soundtrack, die sich erstaunlich frisch und unverbraucht anfühlen. Hier kann man endlich mal wieder ein originelles Musical erleben, das mit seinen im besten Sinne befremdlichen Bildern und Klängen in den Bann zieht. Daniel Blumberg hat die Lieder komponiert und dabei alte Shaker-Hymnen einfließen lassen.

Dazu arbeitet der Film mit sehr expressiver Körpersprache, die einen Eindruck von den Praktiken der Shaker vermitteln will. Hände werden in den Himmel gehoben und rhythmisch auf die Brust geschlagen. Es wird orgiastisch geschrien, gekreischt, gestöhnt. Schon die mystische Eröffnungsnummer, bei der einige Frauen in einem Wald tanzen, ist zutiefst hypnotisch anzusehen. Später dann begibt sich die Kamera etwa in einer langen Einstellung mitten hinein in einen Kreistanz, dreht sich um die eigene Achse und beobachtet die Choreo im Raum. Es sind Versuche, über die filmische Form selbst eine Ekstase zu kreieren. Nicht zuletzt auch über die vielen Wiederholungen der gesungenen Verse und die Überlagerung von Stimmen.

Szenenbild aus The Testament of Ann Lee, Tanz auf dem Schiff© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

Amanda Seyfried begeistert in der Hauptrolle

Mit vergleichsweise geringen Mitteln ist hier imposantes Ausstattungskino gelungen, das einen großen Reiz daraus ziehen will, sein Publikum in die vergangene Epoche des 18. Jahrhunderts zu entführen. Dass Fastvold und Corbet (wie schon in „Der Brutalist“) auf Analogfilm gesetzt haben, verleiht den Bildern außerdem weitere Tiefe, Textur und Atmosphäre.

Vor allem aber besticht der Film mit dem facettenreichen Spiel der Hauptdarstellerin Amanda Seyfried, die man bei den diesjährigen Oscars vor allem übergangen hat. Sie verkörpert hier vor der Kamera einen echten Leidenstrip, der aber zugleich auch eine große Reibung zwischen ihrer Figur und dem Publikum kreiert. Der Film lädt dazu ein, selbst Stellung zu Ann Lee zu beziehen, inwiefern man ihrer Utopie folgen würde und inwiefern ihre Geschichte zwischen Selbstüberhöhung, spiritueller Erweckung und religiösem Fundamentalismus tatsächlich zur emanzipatorischen Fabel taugt.

Amanda Seyfried als Ann Lee© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

So kann man „The Testament of Ann Lee“ streamen

Seit dem 20. Mai 2026 ist der Film exklusiv im Streaming-Abo von Disney+ enthalten. Auf anderen Plattformen wie Prime Video ist „The Testament of Ann Lee“ nur als kostenpflichtiges Video-on-Demand erhältlich. Ein physischer Release auf DVD und Blu-ray ist in Deutschland aktuell nicht geplant.

„The Testament of Anne Lee I Teaser Trailer I Ab 12. März im Kino“ von YouTube anzeigen

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