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Spaziergänger auf der Brücke Pointe de La Jonction in Genf sehen dort ein ungewöhnliches Schauspiel: Zwei Flüsse treffen aufeinander – und ihr Wasser bleibt zunächst deutlich getrennt. Die Rhone schimmert grünlich-klar, die Arve dagegen braun und trüb. Was steckt dahinter?

„Die Rhone fließt aus dem Genfer See und führt daher klares, leicht grünliches Seewasser“, erklärt Gewässerexperte Dr. Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei auf Anfrage von TRAVELBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer). Weil der Fluss nur wenige Schwebstoffe mit sich führe, wirke das Wasser besonders sauber.

Anders sieht es bei der Arve aus. Der Gebirgsfluss transportiert auf seinem Weg aus der Region rund um den Mont Blanc zahlreiche mineralische Schwebstoffe mit sich. Vor allem nach Regenfällen oder während der Schneeschmelze wird feines Gesteinsmaterial aufgewirbelt. Dadurch färbt sich das Wasser braun.

Warum sich die Flüsse nicht sofort mischen

Besonders auffällig ist die scharfe Grenze zwischen den beiden Wasserfarben. „Wenn die beiden Flüsse aufeinandertreffen, mischen sie sich nicht sofort“, sagt Pusch. Die Ursache liege unter anderem darin, dass beide Flüsse unterschiedlich schnell fließen.

Hinzu kommt die Bewegung des Wassers selbst. „Es fließt niemals einfach geradeaus, sondern vielmehr in Wirbeln und Spiralen“, erklärt der Experte. Normalerweise seien diese Strömungen unsichtbar. In Genf würden sie aber durch die unterschiedlichen Wasserfarben plötzlich sichtbar.

Je nach Wetter und Wasserstand sieht das Naturschauspiel dabei immer etwas anders aus. Mal verläuft die Trennlinie zwischen den Flüssen besonders klar, mal wirken die Farben stärker verwischt und verwirbelt.

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Gerade im Frühling zieht der Zusammenfluss viele Menschen an. Vor allem an der linken Flussseite sitzen und baden dann zahlreiche Einheimische direkt am Wasser.

Ein einmaliges Phänomen ist das Schauspiel allerdings nicht. Laut Pusch gilt der Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimões im brasilianischen Manaus als das bekannteste Beispiel weltweit. Dort treffen ebenfalls unterschiedlich gefärbte Flüsse aufeinander, bevor sie gemeinsam den Amazonas bilden.

Auch in Deutschland lässt sich ein ähnlicher Effekt beobachten – etwa in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, oder in Passau mit Donau, Inn und Ilz. Besonders deutlich sichtbar wird das Farbspiel dort bei Hochwasser der Zuflüsse.