Im Infektiologie-Blog bieten wir Ihnen jede Woche eine kurze Übersicht zu den aktuellen Entwicklungen in der Epidemiologie, Diagnostik und Therapie von COVID-19, Grippe und weiteren Infektionskrankheiten. 

Infektiologie-Newsblog, Update vom 21. Mai 2026COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in DeutschlandMasern: Deutschland verfehlt WHO-Ziel vorerstCOVID-19: Impfung könnte auch die Virusübertragung verringernHantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO sieht keine gefährliche MutationEbola: Ausbruch in der DR Kongo – Virus-Variante ohne ImpfmöglichkeitMycoplasma genitalium: Kein erhöhtes Risiko für erneute FrühgeburtenCMV-Infektionen nach einer Stammzelltransplantation: Maribavir als mögliche TherapieCOVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland

Auf der Website „Infektionsradar“ stellt das Bundesministerium für Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner): 

 Aktuelle WocheVorwocheCOVID-190,10,1Influenza0,230,21Respiratorisches Synzytialvirus (RSV)0,730,92Masern: Deutschland verfehlt WHO-Ziel vorerst

Deutschland stand kurz davor, offiziell als masernfrei zu gelten. Nachdem im Jahr 2022 lediglich 15 und im Jahr 2023 auch nur 79 Masernfälle registriert wurden, bestätigte die WHO für beide Jahre eine unterbrochene Virusübertragung. Darüber berichtet das Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin

Im Jahr 2024 wurden allerdings wieder 645 Fälle gemeldet. Nach Einschätzung des RKI handelte es sich überwiegend um importierte Infektionen und kleinere, zeitlich begrenzte Ausbrüche – nicht um eine dauerhaft endemische Verbreitung des Virus. Moderne Genanalysen stützen diese Einschätzung. Trotzdem erkannte die WHO den Eliminationsstatus wegen bestehender Datenlücken nicht an. Deutschland muss nun erneut über 3 Jahre hinweg nachweisen, dass keine dauerhafte Viruszirkulation besteht.

Sorge bereiten weiterhin Impflücken, speziell bei Kleinkindern. Experten betonen deshalb, dass hohe Impfquoten und eine konsequente Überwachung entscheidend bleiben, um die Masern dauerhaft zurückzudrängen.

COVID-19: Impfung könnte auch die Virusübertragung verringern

COVID-19-Impfstoffe schützen primär vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen. Eine US-Studie liefert jetzt Hinweise darauf, dass sie möglicherweise auch die Weitergabe von SARS-CoV-2 innerhalb von Haushalten bremsen. Die Studie wurde in JAMA Network Open veröffentlicht.

Forscher haben 362 infizierte Personen und deren 763 Haushaltskontakte aus den Bundesstaaten New York, Tennessee und Washington eingeschlossen. Die Studie lief zwischen Januar 2024 und Januar 2025. Alle Haushaltsmitglieder führten über 10 Tage hinweg tägliche Corona-Tests durch – unabhängig davon, ob sie Symptome hatten oder nicht. Insgesamt infizierten sich 476 Haushaltskontakte, was einer Übertragungsrate von mehr als 62% entspricht.

Besonders auffällig war der Einfluss des Impfstatus der zuerst infizierten Person. Hatte diese innerhalb der vergangenen 6 Monate eine COVID-19-Impfung erhalten, war das Risiko für andere Haushaltsmitglieder, sich zu infizieren, deutlich geringer. Laut Analyse hatten Kontakte von kürzlich geimpften Infizierten ein nahezu halb so hohes Infektionsrisiko wie Kontakte ungeimpfter Infizierter.

Einen klaren Zusammenhang zwischen dem Impfstatus der Haushaltskontakte selbst und ihrem Infektionsrisiko fanden die Forscher allerdings nicht. Entscheidend für die Weitergabe des Virus schien vor allem zu sein, ob die infizierte Person kürzlich geimpft worden war.

Die Autoren sehen in ihren Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass COVID-19-Vakzine nicht nur individuell vor schwerem COVID-19 schützen, sondern auch indirekt zur Verringerung der Viruszirkulation beitragen könnten.

Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO sieht keine gefährliche Mutation

Nach dem Ausbruch des Andes-Virus auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit keine Hinweise auf eine gefährliche Mutation des Virus gefunden. Genetische Analysen hätten bislang weder eine erhöhte Übertragbarkeit noch schwerere Krankheitsverläufe gezeigt. Dennoch bleiben wichtige Fragen zur Ausbreitung des Virus offen.

Laut WHO wurden im Zusammenhang mit der Atlantik-Kreuzfahrt 10 Fälle registriert, 8 davon sind laborbestätigt. 3 infizierte Personen starben, darunter auch eine Frau aus Deutschland. Als Auslöser gilt vermutlich ein Passagier aus den Niederlanden, der sich bereits vor Reisebeginn in Südamerika mit dem sogenannten Andesvirus infiziert hatte. Es gibt Hinweise, dass er während Vogelbeobachtungen Kontakt mit Nagetieren hatte, dem typischen Übertragungsweg von Hantaviren.

Besonders aufmerksam verfolgen Experten nun die Frage, wie es zu weiteren Infektionen an Bord kommen konnte. Das Andes-Virus gilt als einer der wenigen Hantavirus-Typen, bei denen auch Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich sind – normalerweise jedoch nur bei engem und längerem Kontakt. Die WHO räumt ein, dass es noch offene Fragen zu möglichen Infektionen bei weniger intensivem Kontakt gibt (Medscape hat berichtet). 

Ebola: Ausbruch in der DR Kongo – Virus-Variante ohne Impfmöglichkeit

In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ist es erneut zu einem Ebola-Ausbruch gekommen. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC spricht inzwischen von Hunderten Verdachtsfällen und Dutzenden mutmaßlichen Todesfällen. Mindestens ein Fall wurde aus dem benachbarten Uganda gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Ein mit Ebola infizierter US-Arzt ist zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden; weitere sollen folgen. 

„Das ist ein Zeichen dafür, dass Gesundheitseinrichtungen in Deutschland international anerkannt werden“, kommentiert der Virologe Prof. Dr. Stephan Becker von der Universität Marburg. „Sonderisolierstationen, etwa an der Charité oder in Frankfurt, sind dafür bekannt, gut mit Ebola-Patienten umgehen zu können.“

Es handelt sich bereits um den 17. dokumentierten Ebola-Ausbruch in der DRK seit 1976. Sorgen bereitet Fachleuten vor allem, dass sich das Virus offenbar über Wochen unbemerkt ausgebreitet hat. Nach Angaben der WHO entwickelte der vermutlich erste Patient bereits am 24. April Symptome und starb kurze Zeit später. Die WHO wurde jedoch erst am 5. Mai informiert. Hinzu kam ein diagnostisches Problem: Erste Laborproben fielen negativ aus, weil die eingesetzten Tests lediglich den Zaire-Stamm des Ebolavirus erkennen. Tatsächlich zirkuliert derzeit jedoch das seltenere Bundibugyo-Ebolavirus, das erst am 14. Mai eindeutig identifiziert wurde.

Damit steht die internationale Gesundheitsgemeinschaft vor einem Problem. Der zugelassene Ebola-Impfstoff Ervebo schützt nur gegen den Zaire-Stamm zuverlässig. Auch das frühere 2-Dosen-Schema Zabdeno/Mvabea des Herstellers Johnson & Johnson ist auf diese Variante ausgelegt. Gegen das nun kursierende Bundibugyo-Virus existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff. Forschende der Universitäten Oxford und Leipzig arbeiten zusammen mit Moderna an einem multivalenten Filovirus-Impfstoff, der sowohl gegen Ebola- als auch gegen Marburgviren wirken könnte. 

Beim Bundibugyo gebe es keine spezifischen Therapien, so Becker. Patienten würden intensivmedizinisch versorgt und symptomatisch behandelt. 

Erschwert wird die Eindämmung zusätzlich durch die schwierige Lage vor Ort. Die betroffene Provinz Ituri liegt mehr als 1.000 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt und verfügt über eine schlechte Infrastruktur. Viele Straßen gelten als kaum passierbar. Gleichzeitig ist die Region politisch instabil: Teile des Ostkongo werden von Rebellen kontrolliert. Hilfsorganisationen und medizinische Teams können deshalb viele Gebiete nur eingeschränkt erreichen.

Mycoplasma genitalium: Kein erhöhtes Risiko für erneute Frühgeburten

Infektionen mit Mycoplasma genitalium (MG) werden seit einigen Jahren mit verschiedenen gynäkologischen und geburtshilflichen Komplikationen in Verbindung gebracht. Eine neue Studie, zu finden im American Journal of Obstetrics and Gynecology, revidiert diese Einschätzung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Bakterium zwar häufiger bei Frauen mit früheren spontanen Frühgeburten vorkommt, das Risiko für eine erneute Frühgeburt in einer Folgeschwangerschaft jedoch offenbar nicht erhöht.

Für die prospektive Kohortenstudie wurden zwischen den Jahren 2023 und 2024 insgesamt 490 werdende Mütter mit Einlingsschwangerschaften untersucht, die bereits zuvor eine problematische Schwangerschaft erlebt hatten. Darunter befanden sich viele Frauen mit einer spontanen Frühgeburt in der Vorgeschichte. Mittels vaginaler Abstriche haben Ärzte geprüft, ob eine Infektion mit Mycoplasma genitalium vorlag.

In der Kohorte waren 57 Frauen – also rund 12% – MG-positiv. Bei Frauen mit früherer spontaner Frühgeburt lag die Rate sogar bei 14,8%. Damit zeigte sich ein statistischer Zusammenhang zwischen MG-Infektionen und bereits zurückliegenden Frühgeburten.

Entscheidend war jedoch die Frage, ob die Infektion auch das Risiko für eine erneute Frühgeburt erhöht. Genau das konnte die Studie nicht bestätigen. Der kombinierte Endpunkt aus wiederholter spontaner Frühgeburt oder extrem früher Entbindung aufgrund einer Zervixinsuffizienz trat bei 41,2% der MG-positiven Frauen versus 46,2% der MG-negativen Teilnehmerinnen auf. Auch nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren ergab sich kein signifikanter Zusammenhang. 

Die Autoren vermuten, dass MG möglicherweise eher bei der Erstinfektion problematisch sein könnte, während spätere Schwangerschaften weniger stark betroffen sind.

CMV-Infektionen nach einer Stammzelltransplantation: Maribavir als mögliche Therapie

Das antivirale Medikament Maribavir könnte sich als wichtige Therapieoption für Patienten mit Cytomegalovirus-(CMV)-Infektionen nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation erweisen. Darauf deuten Real-World-Daten aus 15 europäischen Ländern hin, die in The Lancet Infectious Diseases nachzulesen sind. 

In die retrospektive Studie wurden 118 Patienten aufgenommen, die zwischen Dezember 2022 und Januar 2025 insgesamt 126 Therapiezyklen mit Maribavir erhalten haben. Meist kam das Medikament als Zweit- oder Drittlinientherapie zum Einsatz. Die mediane Behandlungsdauer lag bei knapp 8 Wochen.

Die Ergebnisse zeigen hohe Erfolgsraten: Bei vorbeugender Gabe und späterer Infektion wurde in 81% der Fälle eine Virus-Kontrolle erreicht. Bei Patienten mit manifester CMV-Erkrankung lag die Erfolgsrate bei 71%. Die Raten eines Therapieversagens lagen bei 17% beziehungsweise 12%.

Auch das Sicherheitsprofil fiel günstig aus. Nur 2% aller Patienten brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab. Insgesamt lag das Gesamtüberleben 12 Wochen nach Therapiebeginn bei 82%.