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London (Großbritannien) – London feiert Boris Becker (58). Aber Boris Becker darf nicht nach London! In der britischen Hauptstadt wurde er zur Wimbledon-Legende. Dort wurde später auch sein tiefer Fall besiegelt. 2022 verurteilte ihn ein Gericht wegen Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft. Jetzt wird Becker dort wieder als Sieger gefeiert: mit seinen Memoiren „Inside. Gewinnen, verlieren, neu anfangen“ gewinnt der dreifache Wimbledon-Sieger bei den „Sports Book Awards“ den Preis als „International Sports Book of the Year“.

Ein Triumph mit Beigeschmack: Becker konnte die Auszeichnung im Cricket-Stadium Kia Oval in London nicht selbst entgegennehmen. Noch immer darf er nach seiner Abschiebung aus Großbritannien nicht einfach wieder nach England einreisen.

„Eines Tages wird er zurückkehren“

Stattdessen erschien seine Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro (36) am Donnerstagabend bei der Gala – und nahm den Preis in seinem Namen an. Sie erklärte: „Mein Mann kann heute Abend leider nicht hier sein, aber er ist zu Hause und kümmert sich um unsere wunderschöne Tochter, die heute sechs Monate alt wird. Aber ich weiß, dass er eines Tages nach London zurückkehren wird – und zu seinem Lieblingsturnier Wimbledon.“ Lilian stand dort für Becker ein, wo er selbst nicht sein konnte, und zeigte, dass die beiden als Team alles schaffen. Auf der Leinwand wurde zudem eine vorher aufgezeichnete Dankesrede von Becker gezeigt.

Boris Becker war im April 2022 in London von einem Gericht wegen Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte Vermögenswerte in Millionenhöhe verschwiegen. Gleich nach dem Urteil war er ins Wandsworth-Gefängnis transportiert worden. Im Mai wurde Becker verlegt, kam in die Huntercombe-Haftanstalt in Oxfordshire

Boris Becker war im April 2022 in London von einem Gericht wegen Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte Vermögenswerte in Millionenhöhe verschwiegen

Foto: Sina Schuldt/dpa

„Ich habe lange keinen Preis mehr gewonnen“

Für ihn ist die Auszeichnung emotional. Er sagt zu BILD: „Ich habe lange keinen Preis mehr gewonnen. Deshalb ist es für mich eine ganz besondere Freude.“ Und: „Ich konnte da zwei hochkarätige Sportler besiegen.“ Im Rennen waren unter anderem Bücher über die verstorbene Formel-1-Legende Ayrton Senna (†34) und Tennis-Star Carlos Alcaraz (23). Früher schlug Becker seine Gegner auf dem Centre Court. Diesmal gewinnt er auf dem Buchmarkt.

„Inside“, erschienen bei HarperCollins, wurde nach seiner Veröffentlichung zum internationalen Bestseller – und schaffte es in Großbritannien sogar auf Platz 1 der Sunday-Times-Bestsellerliste

„Inside“, erschienen bei HarperCollins, wurde nach seiner Veröffentlichung zum internationalen Bestseller – und schaffte es in Großbritannien sogar auf Platz 1 der Sunday-Times-Bestsellerliste

Boris Becker erzählt von Scham und Einsamkeit

In seinen Memoiren erzählt Boris Becker von seiner Zeit im Gefängnis, von Scham, Einsamkeit, Angst – und vom Versuch, sich nach der Haft ein neues Leben aufzubauen. 230 Tage saß Becker in England hinter Gittern. Er sagt: „Fast mein ganzes Leben lang haben mich die Menschen öffentlich beurteilt. Zuerst als Tennisspielerin, später als Mensch. Manchmal fair, manchmal unfair, aber immer öffentlich. Deshalb war es mir so wichtig, meine Geschichte in meinen eigenen Worten zu erzählen.“

Sein neues Glück: Boris Becker mit Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro. Am 21. November wurden die beiden Eltern ihrer gemeinsamen Tochter Zoë Vittoria Becker

Sein neues Glück: Boris Becker mit Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro. Am 21. November wurden die beiden Eltern ihrer gemeinsamen Tochter Zoë Vittoria Becker. Er sagt: „Ohne die Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner Frau Lilian, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“

Foto: borisbeckerofficial/Instagram

Für Boris Becker ist dieser Preis deshalb mehr als eine literarische Auszeichnung. Es ist ein Stück Anerkennung nach einer der härtesten Phasen seines Lebens. „Das ist natürlich ein riesiger Erfolg. Mein Verlag ist überglücklich“, sagt Becker.