Herr Stöbe, Sie haben Ebola sehr viel näher erlebt, als die meisten Menschen hierzulande. Für sie ist es nahezu unvorstellbar, wie es ist, als Arzt schwer kranke Menschen zu versorgen, viele von ihnen sterben zu sehen und dabei immer im Hinterkopf zu haben, dass man sich selbst anstecken könnte. Sie waren im Januar 2015 in Sierra Leone, also mitten in der größten Ebola-Epidemie. Wie haben Sie das erlebt?
Als sehr dramatisch. Wir hatten in der Hauptstadt Freetown auf einem Schulgelände ein Ebola-Zeltdorf errichtet, in dem wir bis zu 100 Patienten behandeln konnten. Ich war für das Intensiv-Zelt zuständig, wo mehr als jeder Zweite gestorben ist. Die Ebola-Krankheit beginnt unspezifisch mit Fieber, Unwohlsein, Appetitverlust und Schweißausbrüchen. Zu Beginn lässt sich nicht unterscheiden, ob es ein grippaler Infekt ist, Malaria oder Ebola. Das macht die klinische Einschätzung extrem schwer. Ein Labortest ist unbedingt nötig, und der dauert.